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Brandenburg „Der Lausitzring ist ein echter Schatz“
Brandenburg „Der Lausitzring ist ein echter Schatz“
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07:17 28.12.2017
Der Lausitzring in Brandenburg: Dort entsteht Europas größtes Testzentrum für autonomes Fahren. Quelle: DPA
Potsdam

Aus der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) wurde im April 2017 die Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB). Steffen Kammradt (51) ist seit 2008 Geschäftsführer.

Herr Kammradt, wie erklären Sie einem potenziellen ausländischen Investor Brandenburg?

Ganz einfach: Brandenburg ist der breite Industriegürtel rund um die Hauptstadt und Metropole Berlin. Dann weiß jeder Gesprächspartner im Ausland, was gemeint ist.

Was ist das Typische an der brandenburgischen Wirtschaft 2017?

Unsere Stärke ist die Breite an Themen. Wir haben Automobilhersteller und Zulieferer, sind aber nicht nur Automobilland. Wir haben Stärken in der Energiewirtschaft, sind aber nicht nur Energieland. Wir haben neun starke Wirtschaftscluster. Das hat den Vorteil, dass wir Themen branchenübergreifend verbinden können. Gesundheit und Kommunikationstechnik zum Beispiel oder Verkehrstechnik und neue Kunststoffe. Es gehört zum großen Plus Brandenburgs, auf verschiedenen Trendfeldern parallel unterwegs zu sein.

Haben Sie Sorge, dass von dieser Entwicklung nur das direkte Umland von Berlin profitiert und die peripheren Räume außen vor bleiben?

Nein. Wir sagen ganz bewusst, dass wir ein breiter Wirtschafts- und Industriegürtel sind und reden nicht allein über den engeren Verflechtungsraum. Branchen wie die Holzverarbeitung, die chemische Industrie oder die Papierverarbeitung haben ihre Stärken gerade in der Breite der Regionen.

Dr. Steffen KammradtSprecher der Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB). Quelle: WFBB

Welche Themen und Branchen sind im zurückliegenden Jahr besonders ins Blickfeld gerückt?

Alle Themenfelder waren gleichermaßen nachgefragt. Neuinvestitionen, Erweiterungen, Innovationen, Fachkräfte, Außenwirtschaft, Energieeffizienz und viele mehr. Zwei Themen sind aber besonders im Kommen: Digitalisierung und intelligente Mobilität. Da sehen wir für Brandenburg interessante Möglichkeiten.

Zum Beispiel?

Der Erwerb der Motorsport-Anlage Lausitzring durch die Sachverständigenorganisation Dekra kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das ist ein echter Schatz für Brandenburg und besonders für die Lausitz. Dort soll Europas größtes Testzentrum für autonomes Fahren errichtet werden. Wir bekommen damit ein neues Thema, nach dem ganz Europa die Hände ausstreckt. Das kann sich zu einem Magneten entwickeln. Jeder Automobilzulieferer, jede Softwarefirma, jeder Virtual-Reality-Unternehmer kann ein potenzieller Partner sein.

Intelligente Mobilität in Brandenburg steckt noch in den Kinderschuhen. Woher rührt Ihre große Hoffnung?

Das Thema intelligente Mobilität ist insgesamt erst am Anfang und noch taufrisch. Aber das ist gerade die Chance. Die Karten sind noch nicht verteilt. Wir setzen alles daran, dass Brandenburg ein großes Stück abbekommt. Wir haben bereits erste Pilotprojekte zum autonomen Fahren. Wie auf dem Güterverkehrszentrum in Großbeeren, wo solche Fahrzeuge bereits unterwegs sind. Es wird bald ein autonomer Bus in Ostprignitz-Ruppin fahren. In der Uckermark gibt es eine Teststrecke für Lastwagen, die Stromoberleitungen nutzen. Und intelligente Mobilität muss nicht auf Autos begrenzt bleiben. Es gibt in Brandenburg ein Netzwerk, das sich mit unbemannten Flugkörpern befasst, einschließlich Drohnen-Produzenten. Hier können wir mit unserem Branchenmix richtig punkten.

Gerade den kleinen und mittelständischen brandenburgischen Firmen fällt der digitale Wandel schwer. Befürchten Sie, dass sie diese Entwicklung verschlafen?

Nein, aber sie brauchen Unterstützung auf dem Weg. Dafür hat das Land in diesem Jahr den so genannten Digitalisierungsgutschein aufgelegt. Das ist ein Förderinstrument, das Beratung und Qualifizierung zur Digitalisierung fördert, aber auch die Anschaffungskosten mit 50 Prozent unterstützt. Der Gutschein ist bereits sehr nachgefragt.

Womit kann ein Flächenland wie Brandenburg bei der Ansiedlung von Firmen besonders locken?

Wir haben sofort verfügbare Flächen, verkehrsgünstig angebunden und zu vernünftigen Konditionen. Auch große Flächen für die Industrie. Am Ende des Tages spielt im Wettbewerb der Regionen auch die Förderung eine Rolle, aber nicht mehr ganz so bedeutend wie in früheren Jahren.

Was ist der Grund?

Durch EU-Vorgaben sinken die Förderquoten. Ab dem nächsten Jahr liegen sie in Brandenburg zwischen 10 und 20 Prozent für größere Unternehmen. Kleine können bis zu 40 Prozent bekommen. Förderung ist weiter wichtig im Standortwettbewerb. Aber ohne Flächen, ohne eine gute Infrastruktur und ohne Fachkräfte würde einem Unternehmen Förderung allein nicht viel helfen. Deshalb legen wir immer alle Brandenburger Standortargumente in die Waagschale. Es muss alles zusammenpassen.

Wie kann das Land Brandenburg vom Boom der Start-ups in Berlin profitieren?

Die Berliner Entwicklung hängt mit der Metropolenentwicklung zusammen, die man als Flächenland nicht einfach kopieren kann, weil die Bedingungen andere sind. Wir gehen deshalb unseren eigenen Weg. Wir wollen zum Beispiel Firmen, die wie in Potsdam-Golm, sich aus Instituten ausgründen, am Standort halten. Deshalb ist es goldrichtig, dass Potsdam in Golm neue Gewerbe- und Büroflächen schafft. Wir beobachten aber auch, dass teilweise Berliner Existenzgründer nach Brandenburg kommen, weil es ihnen in Berlin zu teuer wird.

Zuletzt haben Insolvenzen und Stellenabbau in großen Unternehmen die Region verunsichert – von Air Berlin über Niki bis zu Siemens. Befürchten Sie, dass sich das 2018 fortsetzt?

So schmerzlich das in jedem Einzelfall auch immer ist, Konzernentscheidungen können wir in der Regel wenig beeinflussen. Es gab durch alle Jahre hindurch neben Erfolgen immer auch Momente von Enttäuschungen. Aber wir dürfen und werden nie aufhören, um jedes Unternehmen und jeden Arbeitsplatz zu kämpfen. Und da habe ich große Zuversicht: Denn die Brandenburger haben eine gewisse Zähigkeit. Sonst stünde das Land heute wirtschaftlich nicht so gut da. Brandenburg kann Rückschläge mittlerweile besser wegstecken als etwa in den 90er Jahren. Wir haben heute mehr Chancen als noch vor 25 Jahren.

Von Igor Göldner

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