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Der Mann, der von nichts wusste

Klaus Wowereit will das Flughafen-Desaster nicht geahnt haben Der Mann, der von nichts wusste

Was waren Ihre drei größten Fehler?, fragt der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. „Da werden Sie keine Einschätzung von mir bekommen“, sagt Klaus Wowereit.

BERLIN. Haben Sie also alles richtig gemacht? Wowereit: „Wo gearbeitet wird, passieren Fehler.“ Und wie lange hatten Sie das Gefühl, dass alles gut läuft? „Na, bis zum Mai-Termin. Je näher der Termin kam, desto mehr war ich davon überzeugt, dass es klappt.“

Vor einem Jahr wurde die Flughafeneröffnung von Schönefeld (Dahme-Spreewald) spektakulär abgeblasen, und bis heute will niemand für das Debakel verantwortlich sein. Auch nicht der Berliner Regierungschef Klaus Wowereit (SPD), der mehr als zehn Jahre lang Chef des Aufsichtsrats war, ehe er in diesem Januar das Amt an Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) abgab. Als Zeuge im Flughafen-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses stand Wowereit am Freitag Rede und Antwort. Sein Resümee des Milliardendebakels: „Ich glaube, dass der Aufsichtsrat seine Kontrollfunktion in Gänze – und zwar sehr kritisch – wahrgenommen hat.“

Vier Stunden versuchen die Abgeordneten, eine Schneise in das Verantwortungs-Wirrwarr zu schlagen. Vergeblich. Wenn Wowereit eine Frage nicht beantworten kann, wiederholt er sie, als handele es sich um ein philosophisches Rätsel, das die Menschheit wohl nie ergründen wird: „Man kann in der Tat die Frage stellen, warum die Alarmglocken nicht früher geläutet haben“, sagt er einmal. Fast wehmütig blickt er auf die Zeit vor dem großen Knall zurück. Sachlich und konstruktiv sei die Arbeit im Aufsichtsrat stets gewesen, erinnert er sich. „Dass das nach der verschobenen Eröffnung im Mai anders wurde, haben wir das letzte Jahr erlebt. Das ist schade“, meint er und beklagt, dass seither immer wieder vertrauliche Papiere an die Öffentlichkeit gelangt seien. Da ist er sich mit Flughafenchef Hartmut Mehdorn offensichtlich einig. „Bestimmte Details kommen zu schnell an die Öffentlichkeit und werden zum Skandal hochgepowert“, sagte er gestern dem Hessischen Rundfunk. „Wir müssen nicht immer gleich Kassandra schreien.“

Die Querelen im Aufsichtsrat werden weitergehen, dafür dürfte nicht zuletzt Wowereits Äußerung zum Schallschutz-Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) sorgen: „Da gibt es offensichtlich erhebliche unterschiedliche Interpretationen“, sagt er. „Deshalb wäre es ja gut, dass das nicht beim OVG endet, sondern dass das noch mal in einer weiteren Instanz geklärt wird.“ Aufsichtsratschef Platzeck hatte dagegen jüngst im Interview mit der MAZ erklärt: „Wir sollten alles dafür tun, um für mehr Frieden in der Umgebung dieses Großprojekts zu sorgen.“ (Von Torsten Gellner)

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