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Brandenburg Masken, Mobbing, Maulkörbe
Brandenburg Masken, Mobbing, Maulkörbe
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00:53 23.10.2014
Kanu im Gerichtssaal. Es gibt erhebliche Zweifel an der Version des entführten Bankers, dass er  mit dem Boot über den See gezogen wurde. Quelle: dpa-Archiv
Potsdam

Nach einem halben Jahr mit zig Zeugen ist alles auf Anfang: Der mutmaßliche Maskenmann schweigt. Nur die Polizisten, die ihn jagten, schweigen nicht, sondern belasten die Polizeiführung weiter schwer. Seit Mai läuft vor dem Frankfurter Landgericht der Prozess um einen der spektakulärsten Brandenburger Kriminalfälle der vergangenen Jahre. Doch anstatt Erhellendes über die Überfälle auf zwei Millionärsfamilien aus Oder-Spree zu Tage zu fördern, wirft das Verfahren um den mutmaßlichen Kidnapper Mario K. eher ein Schlaglicht auf die Zustände in der Polizei.

Ein Blick zurück: Es ist ein Paukenschlag beim Prozessauftakt. Während Mario K.s Anwalt Axel Weimann dessen Unschuld beteuert, erhebt ein Mitglied der ermittelnden Soko "Imker" massive Vorwürfe gegen deren Leiter. Auf Anweisung seien Widersprüche in den Aussagen des Entführungs opfers bewusst ignoriert, kritische Beamte drangsaliert worden.

Polizeipräsident Arne Feuring weist die Vorwürfe im Mai nach einem MAZ-Bericht über Mobbing in der Mordkommission vor dem Innenausschuss des Landtags zurück. Es habe "kein systematisches Mobbing" gegeben, erklärt Feuring, wohl auch in dem Glauben, dass die Vorwürfe im Laufe des Prozesses versanden würden.

Doch beim jüngsten Prozesstag vor einer Verhandlungspause bekräftigte nun eine Kriminalistin die Anschuldigungen – obwohl sie von Feuring vor ihrer Aussage per Brief eine Art Maulkorb erhalten habe. "Mir wurden Konsequenzen angedroht, wenn ich gegen Dienstanweisungen verstoße", sagte sie und blieb trotzdem dabei: Die Chefs behinderten ihre eigenen Ermittler. Beispiel Tatortrekonstruktion: Beamte stellten die Szene nach, wonach der Maskenmann den Banker T. auf einer an ein Kajak gebundenen Luftmatratze über den Storkower See gezogen haben soll. "Ist problemlos möglich" vermerkte Ermittlungsleiter Falk Küchler laut Prozess akten. Polizisten erklärten vor Gericht, dass die Rekonstruktion abgebrochen wurde – weil sie zu kräftezehrend für den Paddler sei.

Urteil im Februar

  • Am 3. November wird der Prozess vor dem Frankfurter Landgericht fortgesetzt, der im Februar enden soll.
  • Am 1. Dezember sind zwei kritische Beamte der Soko "Imker" geladen, darunter der Kommissar, der Anzeige erstattete, sowie der Vize-Soko-Leiter, der seinen Posten verlieren sollte.
  • Am 4. Dezember ist der in der Kritik stehende Chef der Mordkommission im Zeugenstand. mak

Ausgelöst durch die Berichte über Querelen in der Soko haben sich auch Beamte anderer Bereiche an die MAZ gewandt. Aus Angst vor Konsequenzen wollen sie anonym bleiben. Gängeleien von kritischen Mitarbeitern seien keine Seltenheit. „Hinter dem Rücken wird Stimmung gemacht gegen den vermeintlichen Querulanten“, sagt ein Kommissar. Es werde mit Versetzungen oder Nichtbeförderung gedroht – und das auch umgesetzt.

Hat die märkische Polizei etwa ein Mobbingproblem? „Die Problematik wird sehr bedeckt behandelt“, sagt Peter Neumann, Landes chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Doch wo ende die dienstlich notwendige Anweisung und wo beginne das Mobbing? „Die Kollegen der Soko ,Imker’ haben es so empfunden, dass sie in ihren Rechten eingeschränkt wurden.“

„Natürlich gibt es Mobbing bei der Polizei“, sagt auch Andreas Schuster, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Allerdings sei das Problem nicht größer oder kleiner als anderswo. Die Statistik zeigt aber: Die Sterberate bei unter 60-Jährigen liegt bei den Polizisten im Land fast dreimal so hoch wie im Durchschnitt der Bevölkerung. Eine große Rolle spielen laut Sven Täuber, Landespfarrer für Polizeiseelsorge, auch Suizide. Bei fast jedem dritten Todesfall eines Polizisten handle es sich um Selbsttötung. Es sei oft schwer, den psychischen Druck im Beruf auszuhalten.

„Grundsätzlich sind alle Führungskräfte gefordert, mit der nötigen Sensibilität auf entsprechende Beschwerden aus der Mitarbeiterschaft einzugehen“, erklärt Dietmar Keck, stellvertretender Sprecher des Landespolizeipräsidiums. Geregelt sei das in einer Dienstvereinbarung von 2006, die derzeit überarbeitet wird. Jährlich wendeten sich etwa zehn Bedienstete an die fünf Mobbingbeauftragten der Polizei. Bisher hätten sich aber nur drei Fälle als echtes Mobbing erwiesen. Diese seien etwa durch Umsetzung „gelöst“ worden.

Auch die Differenzen in der Soko „Imker“ wurden von einer Mobbingbeauftragten untersucht, die zu dem von Feuring genannten Ergebnis kam: kein „systematisches“ Mobbing. Problem: Die Aufklärer sind Interne. „Es müssten völlig unabhängige Leute sein, die solche Fälle untersuchen“, fordert DPolG-Chef Neumann. Schließlich stünden die Beauftragten oft selbst in Abhängigkeit zu kritisierten Vorgesetzten.

Mehrere Soko-Mitglieder werden im Prozess noch gehört. Verteidiger Axel Weimann hofft, dass sie offen sprechen. „Doch die meisten haben noch viele Dienstjahre vor sich und fürchten um ihren Job.“

Von Marion Kaufmann

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