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Der Müllmafia auf der Spur: Razzia auf A2

Illegale Abfallentsorgung Der Müllmafia auf der Spur: Razzia auf A2

Brandenburg wird immer mehr zum Transitland für Müll aus ganz Europa. Das zeigt eine Razzia der Polizei und verschiedener Umweltbehörden auf der A2. Wann immer die Polizei auch nur einen Vormittag lang Lastwagen aus dem Verkehr winkt: Sie stößt immer auf Schummeleien. Die MAZ hat eine Razzia begleitet.

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BER-Bericht: „Arroganz und Uneinsichtigkeit“

Auf der BAB 2 in Richtung Berlin fanden am Mittwochvormittag Kontrollen statt. Foto: Julian Stähle

Quelle: Julian Stähle

Brandenburg/Havel. Einen Sattelschlepper aus England mit Ziel Krakau winken Polizisten am Mittwochmorgen von der A2 auf einen Rastplatz bei Brandenburg/Havel. Welch kostbare Fracht mag sich auf dem Weg durch halb Europa befinden? Krabben in Dosen, geschmackvolle Gartenmöbel, Szene-Markenbekleidung? Nein, was die Fahnder des Landeskriminalamtes (LKA) hinter der schwarzen Plane entdecken, ist Plastikmüll – zu Ballen verdichtete zerdrückte Kanister, Malereimer, Körbe.

Falsche Ladescheine

50 Lastwagen und Transporter wurden bei der Kontrolle gefilzt. Ein Kleintransporter voller elektronischer Geräte, der sich auf dem Weg nach Bulgarien befand, durfte nicht weiterfahren, weil er völlig überladen war.

Bei zwei Lastwagen stellten die Beamten abfallrechtliche Verstöße fest – falsche Ladescheine, beigemischte Schadstoffe.

Daneben ahndete die Polizei 14 verkehrsrechtliche Verstöße – überschrittene Lenkzeiten, ungenügende Ladungssicherung, überhöhte Geschwindigkeit.

„Die Entsorgung ist in Polen deutlich billiger als in England – damit sind die Transportkosten abgegolten“, sagt Harry Jäkel (56), Leiter des Kommissariats Schwere Umweltkriminalität beim LKA. Das Problem: Auf dem Transportschein ist nur Verpackungsmaterial vermerkt. Doch ragen aus den Ballen zerquetschte Elektrogeräte und Auto-Zierfelgen. Daraus wird ein Ordnungswidrigkeits-Verfahren.

Ein Milliardengeschäft, das Dunkelmänner anzieht

Die Entsorgung von Abfall ist ein Milliardengeschäft und so lukrativ, dass es Kriminelle anzieht wie sonst nur Glücksspiel, Prostitution und Drogenhandel. Die Margen sind verführerisch. Schon eine falsche Deklarierung auf dem Lieferschein kann hunderte Euro pro Ladung einbringen.

Der Trans-Europa-Müll ist nicht der einzige Fall irreführender Auszeichnung an diesem Tag. Ein für Lkw-Verhältnisse wunderschöner Auflieger – ihn ziert das Gesicht eines Mannequins – zieht das Interesse der Ermittler auf sich. Er hat angeblich „unbelastete Hölzer“ geladen. Die Ladung stammt aus Sachsen-Anhalt und soll in Polen zu Laminat verarbeitet werden. Schnell entdecken die Abfallexperten: Pressspanplatten sind unter das Holz gemischt. „Sie enthalten Klebstoffe, die später ausdünsten, wenn sie als Laminat verlegt werden“, sagt Kriminalhauptkommissar Jäkel. Zwar darf der Lastwagen weiter fahren, doch wird der Lieferbetrieb Besuch von den Umweltbehörden in Sachsen-Anhalt bekommen.

Es ist die erste große Abfallkontrolle auf märkischen Autobahnen seit zwei Jahren. 21 Polizisten und 16 Spezialisten aus Landesbehörden machten am Mittwochvormittag mit – vom Landesamt für Umwelt, der Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin mbH bis zum Bundesamt für Güterverkehr. Die Bundesländer Thüringen und Sachsen-Anhalt führten zeitgleich Kontrollen durch.

Fahnder: „Es sind nur Nadelstiche, wir müssen aber am Ball bleiben.“

„Es sind nur Nadelstiche“, sagt Ermittler Jäkel. Dennoch müsse die Polizei „am Ball bleiben, um größere Schäden zu verhindern und klar zu machen: Wir schauen genau hin“. Das ist auch nötig, zeigt die aktuelle Kriminalstatistik doch einen Anstieg von vier Prozent bei Fällen „unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Stoffen“. Die Kosten, die durch die Machenschaften der Müllmafia entstehen, sind schwindelerregend: Um die 148 illegalen Müllhalten im Land zu sanieren, müsste Brandenburg nach Schätzungen des Umweltministeriums 380 Millionen Euro bezahlen. Zum Vergleich: Der Landeshaushalt umfasst gut 10,5 Milliarden Euro.

Die Funde riesiger unterirdischer Müllberge gehören der Vergangenheit an: „Müllpate“ Bernd R. aus Potsdam-Mittelmark hat seine Haftstrafe bekommen, im Fall der illegalen Riesen-Halde von Markendorf bei Frankfurt (Oder) haben mehrere Beteiligte im derzeit laufenden Prozess Geständnisse abgelegt – sie werden mit Geld- oder Bewährungsstrafen davonkommen. Nur Malterhausen (Teltow-Fläming) ist noch nicht vor Gericht, obwohl der Fall auf 2007 datiert und Verjährung droht. Doch der Anreiz, Abfall billig verschwinden zu lassen, die Entsorgung aber teuer abzurechnen, sei weiterhin vorhanden, sagt Ermittler Jäkel. Neuester Trend: Das Verklappen von Tierkadavern und Mineralöl in Biogasanlagen. Das organisierte Verbrechen geht eben auch mit der Zeit.

Von Ulrich Wangemann

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