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„Der Ruine geht es gut“

Die Archäologin und Grabungsleiterin Margarete van Ess über die Ausstellung „Uruk – 5000 Jahre Megacity“ im Pergamonmuseum Berlin „Der Ruine geht es gut“

Schon als Studentin grub Margarete van Ess (53) eine der ältesten Metropolen der Welt mit aus. Sie hat die Schau, die ab morgen im Pergamonmuseum in Berlin zu sehen ist, mitgestaltet.

tet. Mit ihr sprach Johanna di Blasi.

 

MAZ: Frau van Ess, warum Uruk?

Margarete van Ess: Inzwischen befasse ich mich seit 30 Jahren mit Uruk und war auch während des Iran-Irak-Krieges vor Ort. Für mich ist es eine der faszinierendsten archäologischen Städte der Welt.

 

Uruk war nur so groß wie das heutige Tübingen. Wie monumental muss man sich diese frühe Metropole vorstellen?

Ess: Was wir heute sehen, sind nur die Reste einer Stadt, in der 40 000 bis 50 000 Menschen lebten. Die Länge von Fundamenten bis zu 90 Metern und die massiven Mauern erlauben uns aber Rückschlüsse auf die einstige Größe. Einstöckige Anlagen waren bis zu zwölf Meter hoch. Die Zikkurat (Tempeltürme) bestanden aus zwei Plattformen übereinander und ragten zirka 25 Meter in die Höhe.

 

Deutsche Archäologen graben seit mehr als 100 Jahren in Uruk, doch 2003 kamen die Arbeiten kriegsbedingt zum Erliegen. Sind die Schäden durch Raubgrabungen so verheerend wie in Babylon?

Ess: Uruk ist weitgehend heil geblieben. Der Ruine geht es gut. Das liegt daran, dass wir einen sehr engagierten Wächter haben, der seit über 50 Jahren dort wohnt. Es ist genauer gesagt ein ganzer Stamm, Beduinen, die vom irakischen Staat angestellt wurden.

 

Wird es Monate oder eher Jahre dauern, bis Sie den Spaten wieder ansetzen können?

Ess: Ich rechne mit Monaten, allerdings leider schon seit zehn Jahren.

 

Wo wollen Sie weitergraben?

Ess: Wenn ich zurückkehren kann, gehe ich an die Stadtmauer.

 

Die Gilgamesch-Mauer?

Ess: Ja, sofern Gilgamesch tatsächlich der Erbauer war und nicht eine rein mythische Figur ist. Magnetogramme, die wir vor Kriegsausbruch erstellen konnten, haben uns gezeigt, dass die Mauer einen viel komplizierteren Aufbau hatte als man bisher dachte. Es gibt mehrere parallel verlaufende Mauerringe.

 

Haben Sie die Zeit für die Auswertung von Funden genutzt?

Ess: Wir mussten unsere Methoden umstellen, arbeiten inzwischen mit hochauflösenden Satellitenbildern. Daneben haben wir alte Luftfotos mit neuen technischen Möglichkeiten neu zusammengesetzt. Das hat neue Erkenntnisse vor allem zur Stadtstruktur gebracht. Um die wird es in der Ausstellung gehen.

 

Welche Erkenntnisse?

Ess: Wir wissen heute, dass Uruk nicht nur aus altorientalischen Häusern und Tempeln bestand, sondern dass ein verzweigtes Kanalnetz durch die Stadt lief. Wir können sehen, wo sich die Felder und die Tore befanden.

 

Wie viel Prozent der über 5,5 Quadratkilometer Stadtgebiet sind bisher erforscht?

Ess: Nicht einmal fünf Prozent. Ich pflege scherzhaft zu sagen, dass wir noch gut 500 Jahre beschäftigt sind.

 

 

„Uruk – 5000 Jahre Megacity“: Pergamonmuseum. Bodestraße 1-3, Berlin-Mitte. Mo-So 10-18, Do 10-20 Uhr. Vom 25. April bis 8. September.

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