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Der Tatort mit der Berliner Schnauze

Unendliche Mordgeschichte Der Tatort mit der Berliner Schnauze

Achtung, es ist Sonntag! Und das heißt: Es läuft Tatort im Ersten. „Unser“ Tatort – direkt aus Berlin. In der Auftaktfolge gibt neben der Berliner Schnauze auch etwas nackte Haut und gelegentlich auch beißenden Humor. Das neue Berliner Team nimmt Fahrt auf. Wir verraten, warum Sie heute Abend beim Zusehen gut aufpassen sollten.

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Zwei, die sich nur ganz wenig mögen: Der beim LKA angefeindete Karow (Mark Waschke) braucht Rubin (Meret Becker).

Quelle: dpa

Berlin. Sie dürfen nur ein Schatten sein, nie auffallen, nie krank werden. Tausende „Illegale“ leben in Berlin. Sie haben keine Aufenthaltsgenehmigung, keine Krankenversicherung, kein Konto, tauchen in keiner offiziellen Statistik auf. Das Thema der zweiten Berliner „Tatort“-Folge erscheint angesichts der momentanen Flüchtlingssituation brennend aktuell.

+++ Achtung, folgend werden Details aus der Tatort-Folge umrissen +++

Als beim Abriss einer Laubenkolonie ein Säurefass mit menschlichen Überresten gefunden wird, führen die medizinischen Daten des Herzschrittmachers des Toten die Kommissare zum Dentallabor von Saed Merizadi (Husam Chadat). Doch der hatte nie eine Operation. Aber einen Bruder, den er samt Familie vor Jahren aus dem Iran nach Berlin geholt hat. Die Visa sind abgelaufen, der Bruder ist verschwunden. Wurden die Identitäten getauscht? Merizadi wird verhaftet, sein Sohn Arash (Tan Julius Ipekkaya) und seine hochschwangere Frau Layla (Elmira Rafizadeh) tauchen ab – und begeben sich in Lebengefahr.

Doch da ist noch die zweite Leiche, die Spürhunde auf der selben Baustelle entdecken: Kopfschuss, der Mann wurde hingerichtet. Und zwar mit einer Waffe, die bereits in einem anderen Fall aufgetaucht war. Jetzt ist vom Zuschauer Konzentration gefragt: Zwar ist es wunderbar, dass das deutsche Fernsehen endlich das sogenannte horizontale Erzählen entdeckt hat, doch die erste Berliner „Tatort“-Folge wurde im März ausgestrahlt. Regisseur Dror Zahavi streut Rückblickszenen ein, um das Gedächtnis aufzufrischen: Karow (Mark Waschke) sucht den Mörder seines Kollegen Gregor Maihack, dessen Akte wurde manipuliert – und zwar von höchster Instanz. „Es gibt Leute im LKA, die mich kalt stellen wollen. Ich brauche Sie“, sagt Karow zu Rubin (Meret Becker).

Doch die vertraut Karow noch nicht, das Duo belauert sich. Sie hasst seine Alleingänge und seinen Zynismus, verzeiht ihm nicht, dass er für die Aufklärung von Maihacks Tod „unkalkulierbare Risiken“ einging, die Menschen das Leben kosteten.

In der Auftaktfolge zeigte Nina Rubin klare Kante: messerscharfer Pony, ein außerehelicher Quickie nach der Disconacht, Berliner Schnauze. In der zweiten Folge ist ihr Profil weicher gezeichnet. Zum Tatort rast sie zwar mit Vollgas über die Baustelle, doch die gescheiterte Ehe mit Victor (Aleksander Tesla), der mit dem älteren Sohn ausgezogen ist, geht ihr ans Herz. Als sich der jüngere Sohn Kaleb zum jüdischen Glauben zurückwendet, um die Beziehung der Eltern zu kitten, schleichen sich Tränen in ihre Augenwinkel. Und damit der Zuschauer diese Wandlung auch wirklich versteht, trägt die Kommissarin jetzt Locken.

Auch bei Kollege Karow gibt es neue Facetten zu entdecken: Sein Geist ist analytisch, sein Humor beißend. Er darf nach dem Sex (mit wem, dürfte eine „Tatort“-Premiere sein) gerne noch öfter mit nacktem Oberkörper im Morgengrauen eine Zigarette auf dem Balkon rauchen.

Das neue Berliner Team nimmt Fahrt auf, die Drehbuchautoren geben ihm Raum zur Entwicklung. Denn Grimme-Preisträger Zahavi überfrachtet den Film nicht mit Moraldebatten über Kapitalismus (anstelle der Laubenkolonie wird ein neues Viertel aus dem Boden gestampft) oder Fremdenfeindlichkeit (die Mutter von Arashs Freundin misstraut dem Jungen), sondern lässt Szenen oder einfach nur Bilder wirken.

Das Ende ist als Cliffhanger inszeniert: Karows Vergangenheit wird den „Tatort“-Fan noch weiter begleiten, derzeit wird die dritte Folge gedreht. Also schon mal das Gedächtnis schärfen!

Von Andrea Tratner

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