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Brandenburg Der Vater der Tempoerbsen ist tot
Brandenburg Der Vater der Tempoerbsen ist tot
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00:19 17.06.2017
Er hielt die Tempoerbsen selbst für seine wichtigste Erfindung: der Forscher Peter Kretschmer. Quelle: Julian Stähle
Rehbrücke.

Erdnussflips, Kuko-Reis, Kaugummi und die legendären Tempoerbsen: Ohne die Erfindungen von Peter Kretschmer wäre die DDR-Küche eine andere gewesen. Nun ist der unermüdliche Forscher, Lebensmittelerfinder und langjährige Leiter des Instituts für Getreideverarbeitung (IGV) in Rehbrücke (Potsdam-Mittelmark) im Alter von 78 Jahren an den Folgen eines Unfalls gestorben. Er hatte sich erst Ende 2014 in den Ruhestand verabschiedet und die Institutsleitung an Gerd Huschek übergeben.

„Verkürzen Sie unseren Frauen die Zeit in der Küche!“ So erging Mitte der 60er Jahre die Order an den jungen Forscher, der eben erst am IGV angefangen hatte. Und Peter Kretschmer lieferte – die Tempoerbse. Die Hülsenfrucht wurde in einem aufwändigen Verfahren vorbehandelt und schonend getrocknet, so dass sich die Kochzeit auf 10 Minuten verkürzte.

Knäckebrotrevolution und Zitronat aus Tomaten

Kretschmer kam 1938 auf dem Fichtelberg zur Welt – in der Wetterwarte, wo sein Vater arbeitete. Den verschlug es später zum meteorologischen Dienst nach Potsdam. Im benachbarten Rehbrücke fing Peter Kretschmer 1961 am IGV an – und revolutionierte das Koch- und Essverhalten der DDR-Bürger.

So sorgte Peter Kretschmer für eine kleine Knäckebrotrevolution. Denn die Produktion des Gebäcks forderte technisch bedingt fast 25 Prozent Abfall. „Wir haben dann ein 110 Meter langes Knäckebrotband herstellen können. Das wurde in Scheiben geschnitten, dabei entstand deutlich weniger Abfall. Das Knäcke-Werk Burg in Sachsen-Anhalt produziert heute noch so“, erinnerte sich Kretschmer im Gespräch mit der MAZ.

Dieser Erfindungsgeist war oft auch eine Reaktion auf die realsozialistische Versorgungssituation. In Ermangelung an Südfrüchten entwickelte das IGV beispielsweise Zitronat und Orangeat aus grünen Tomaten und Möhren.

Verkaufsschlager Erdnussflips

Zum Renner entwickelten sich die „Engerlinge“ aus Wurzen, die es ebenfalls noch heute gibt – inzwischen auch in einer Bio-Variante. 1969, zum 20. Jahrestag der DDR, sollte die werktätige Bevölkerung mit „Geburtstagsgeschenken“ verwöhnt werden, welche die Leistungsfähigkeit der jungen Republik untermauern sollten.

Der Erfinder Peter Kretschmer erwies sich als überaus kreativ und wartete gleich mit vier neuen Produktideen auf: mit dem Kurzkochreis Kuko im Kochbeutel, mit der Babynahrung Mekorna, mit Cornflakes sowie mit den bald zum Kultobjekt avancierenden Erdnussflips. Zur Überraschung Kretschmers und seiner Institutskollegen wurde die Produktion des volkseigenen Snacks tatsächlich genehmigt.

Dafür wurde in Wurzen eine alte Mühle umfunktioniert, mit Maschinen, die eigens aus dem Westen eingekauft wurden. 800 Tonnen Flips – so viel wollte Kretschmer in Wurzen jährlich produzieren lassen. Doch auf Druck von Handelsvertretern, die nicht recht an einen durchschlagenden Erfolg glauben wollten, sollte die Produktion auf 400 Tonnen beschränkt bleiben. Dies traf so gar nicht den Geschmacksnerv der DDR-Bürger, die sich so verrückt auf die Wurzener „Engerlinge“ stürzten, dass die Produktion doch hochgefahren wurde.

Das Institut forscht weiter am Essen der Zukunft

Peter Kretschmers Geist wirkt am Institut weiter. Noch immer forschen die Mitarbeiter dort an der Ernährung der Zukunft. Und noch immer spielt die Erbse eine tragende Rolle. Aktuell arbeitet das IGV an proteinhaltigen Lebensmitteln auf Erbsenbasis. Die heimischen Hülsenfrüchte könnten, so die Vision, künftig sogar der Sojabohne Konkurrenz machen.

Von Torsten Gellner

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