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Der Weltuntergang macht ihm keine Angst

Prepper in Brandenburg Der Weltuntergang macht ihm keine Angst

Wenn der Weltuntergang naht: Mit Nahrungsvorräten und Wildniskenntnissen ist Jörg Pospiech bestens für jedes Szenario gerüstet. Er gehört zur sogenannten Prepper-Szene, die sich auf den Ernstfall vorbereitet. Er lebt mit seiner Familie auf einem Prignitzer Bauernhof und verrät, wie man sich mit einfachen Mitteln selbst versorgt.

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Der gebürtige Bottroper Jörg Pospiech fühlt sich in Brandenburg wohl.

Quelle: Fotos (2): Melanie Höhn

Gülitz-Reetz. Wenn das Chaos ausbricht, der Strom ausfällt, eine Naturkatastrophe das Land heimsucht und es nicht mehr selbstverständlich ist, Lebensmittel im Supermarkt einzukaufen, dann kann sich Jörg Pospiech sagen, dass er alles richtig gemacht hat. Er ist einer von mehreren Hundert so genannten Preppern (aus dem Englischen: to prepare) in Deutschland, die sich auf den Ernstfall vorbereiten. Schon während des Studiums fielen ihm die negativen Globalisierungseffekte auf: das Ozonloch, der Treibhauseffekt oder die Überschuldung der Staaten. „Irgendwann habe ich eins und eins zusammengezählt“, sagt er. „Noch in den 1990er-Jahren gab es stabile Jahreszeiten, jetzt haben wir extreme Wetterphänomene, Hitzerekorde oder ungewöhnliche Regenfälle.“ Der Wildnispädagoge ist überzeugt: „Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen aufwachen sollten. Sich darüber Gedanken machen sollten, was passiert, wenn nichts mehr funktioniert.“

Noch im Studium machte er sich mit seinem Online-Shop für Wildnishandel selbstständig und gründete eine Wildnisschule bei Bremen. Durch seine jetzige Lebensgefährtin kam er vor ein paar Jahren nach Brandenburg – in den Landkreis Prignitz, wo er seit drei Jahren eine weitere Wildnisschule betreibt. Dort lebt er mit seiner Freundin, den vier Kindern und mehreren Familien auf einem Bauernhof mit Ziegen, Pferden, Hühnern, Katzen und Hunden. Sie bauen Gemüse an, haben einen Brunnen und viele Vorräte angelegt. „Bei den Großeltern war das Einkochen und das Halten von Kleinvieh normal, jetzt gibt es mit den Supermärkten nur eine oberflächliche Sicherheit. Wenn etwas Außergewöhnliches passiert, ist diese Sicherheit weg“, sagt er. Einfach und billig sei es, Vorräte für sich selbst anzulegen: Für 400 Euro könne man sich einen Bestand an Lebensmitteln für zwei bis drei Monate anschaffen. Doseneintöpfe seien auch nach zehn Jahren noch haltbar. „Ein Vorrat ist wie ein Feuerlöscher: Man vergisst ihn, aber wenn es soweit ist, wird man froh sein, ihn zu haben. Einen Plan zu verfolgen ist nur schlau, wie leichtsinnig wollen wir denn in die Zukunft gehen“, fragt sich Jörg Pospiech. „Wenn die Bevölkerung von der Hand in den Mund lebt und alles als gegeben sieht, wird das nicht gut gehen.“

„Gute Beziehungen zu den Nachbarn sind essenziell“

Neben den Nahrungsmitteln sind auch Teelichter, Feuerzeuge und ein batteriebetriebenes Radio wichtig, etwa wenn das Handy ausfällt, um im Ernstfall an Nachrichten zu kommen. Außerdem sollten Stadt- und Landkarten, Toilettenpapier sowie Sprudelwasser mit Kohlensäure zurückgelegt werden. Notfalls helfe auch die Kenntnis, einen Wasserfilter selbst bauen zu können.

Sinnvoll ist zudem, nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere vorzusorgen, findet der Wildnisexperte. Vor allem als Gruppe ist es einfacher, im Ernstfall zu überleben: „Jetzt ist die Chance, dass Gemeinschaften wieder zusammenrücken können. Gute Beziehungen zu den Nachbarn und ein starkes soziales Netzwerk, auf das man im Notfall bauen kann, sind essenziell.“ Das könnte sogar noch wichtiger sein als gute Vorräte, findet Jörg Pospiech. Eine Überlegung sollte auch sein, wo man wohnen könnte, wenn der Wohnort überflutet ist. Zudem ist der Wildnispädagoge überzeugt: Wenn nichts mehr geht, werden praktische Fähigkeiten von Handwerkern oder Ärzten immer wichtiger.

„Es ist nicht unmöglich, dass in Deutschland mal der Strom ausfällt“

Um Menschen in ganz Deutschland zusammenzubringen, die sich wie er mit dem Thema Vorsorge auf den Ernstfall beschäftigen, hat Jörg Pospiech das „Human Survival Project“ gegründet: Die Gemeinschaft trifft sich regelmäßig, um sich über Strategien auszutauschen. Nachdem das neue Zivilschutzkonzept der Bundesregierung Ende August verabschiedet wurde, gab es vermehrt Anmeldungen im Forum des Projektes. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt den Bürgern, einen Vorrat an Getränken und Nahrungsmitteln anzulegen, um 14 Tage lang ohne Einkaufen zu überbrücken. „Es ist nicht unmöglich, dass hier in Deutschland auch mal der Strom ausfällt“, sagt Jörg Pospiech. „Wir sind bisher verschont geblieben“ – für ihn gibt es eine Universallösung, die bei allen Szenarien greifen kann: „Zieh aufs Land, leg einen Garten an, am besten mit Freunden, denen man vertrauen kann, lerne eigenes Saatgut zu ziehen und werde glücklich.“ Er rät dazu, öfter Urlaub auf dem Land zu machen und Beziehungen zu Landwirten zu knüpfen. „Hochtechnisierte Höfe funktionieren im Krisenfall nicht mehr, im Ernstfall wird da jede helfende Hand gebraucht“, sagt er.

In ständiger Angst lebt Jörg Pospiech jedoch nicht: „Angst haben Menschen vor Dingen, die sie nicht kennen. Ich hatte eine ursprüngliche Besorgnis und beschäftigte mich mit diesen Dingen. Wenn ich Angst hätte, könnte ich nicht mit Kindern arbeiten.“ In seinen immer beliebter werdenden Wildnis-camps lernen die jungen und alten Teilnehmer, wie sie ihr eigenes Feuer machen, Wasserfilter aus Naturmaterialien wie Moos, Sand oder Holzkohle bauen oder aus Laub und Stöcken Schutzhütten errichten: „Wenn man das einmal gemacht hat, entsteht ein Gefühl von Sicherheit, es ist wie ein Airbag. Die Angst vor dem Unbekannten verschwindet ein bisschen.“

Von Melanie Höhn

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