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Der Wetterpapst von Potsdam

Wettervorhersage am DWD Der Wetterpapst von Potsdam

Wenn’s ums Wetter geht in Brandenburg: Thomas Endrulat! Seit fünf Jahren leitet der gebürtige Sachse das 18-köpfige Team für die Wettervorhersage am Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam. Thomas Endrulat über seine Arbeit, schönes Wetter, Blumenkohlwolken und über die Genauigkeit von Vorhersagen.

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Thomas Endrulat

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Für Thomas Endrulat (54), Leiter des 18-köpfigen Teams für die Wettervorhersage am Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam, gibt es kein schlechtes Wetter. Es gibt nur schlechte Wettervorhersagen. Diese aber kommen sehr selten vor, vielleicht einmal im Monat, versichert Endrulat mit einiger Genugtuung.

Warum man trotzdem manchmal den Eindruck hat, die Wettervorhersage stimme nicht, erklärt der gebürtige Sachse so: Dieser Eindruck entstehe vor allem im Sommer, wenn plötzlich dicke Wolken aufziehen und man im wahrsten Sinne des Wortes im Regen steht. Solche Wolken können sich aber innerhalb von 10 bis 15 Minuten bilden und sind räumlich eng begrenzt. „Es ist wie beim Puddingkochen: Wir wissen, dass es bald blubbert, aber wir können nicht sagen, wo genau die Blubberblasen - also die Wolken - aufsteigen.“

Dunkle Wolken über dem Getreidefeld kündigen Regen an

Dunkle Wolken über dem Getreidefeld kündigen Regen an.

Quelle: dpa

Dabei hat sich die Genauigkeit der Wettervorhersage in den vergangenen Jahrzehnten enorm verbessert. Ließ sich in den 60er Jahren das Wetter für einen Tag genau vorhersagen, so ist es heute schon eine Woche.

Nicht nur die Genauigkeit der Prognosen, auch die Erwartungen der Kunden sind enorm gestiegen. „Schon montags bekommen wir mittlerweile Anfragen zum Wetter am Wochenende, zum Beispiel von Großveranstaltern.“ Auch werden die Fragen immer detaillierter - und sind zahlreich. Endrulat und seine Kollegen erreichen in einer Durchschnittswoche rund 100 Anfragen, bei Unwetter deutlich mehr - von Veranstaltern, Filmteams, Behörden und Ministerien und nicht zuletzt von den Medien - Tendenz steigend.

Post ans „Wetteramt für Meteorologie“

Post ans „Wetteramt für Meteorologie“

Quelle: Maria Kröhnke

Um all die Anfragen beantworten zu können und pünktlich die Prognosen für die drei Bundesländer Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zu erstellen, die auf dwd.de abrufbar sind, wird von 5.30 Uhr bis 22 Uhr im Schichtsystem gearbeitet, jede Schicht ist zweifach besetzt. Im Büro der „Wetterfrösche“ sieht es so charmant aus wie in jedem anderen Großraumbüro: Viele Computer und noch mehr Bildschirme. Einen Kundenbetreuer und Pressesprecher gibt es im Team der Wettervorhersage nicht. Jeder, der gerade Dienst hat, muss die Anfragen „nebenbei“ erledigen.

Meteorologe Stefan Hahn erstellt die Wettervorhersagen für Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern

Meteorologe Stefan Hahn erstellt die Wettervorhersagen für Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

Quelle: Maria Kröhnke

Trotz seiner Führungsaufgaben, die Thomas Endrulat zu bewältigen hat, arbeitet auch er im Schichtdienst an den vielen Bildschirmen mit den vielen Modellen und erstellt daraus die Prognosen.

Wie er zur Meteorologie gekommen ist? „Ich glaube an die Wissenschaft und wollte schon immer etwas Exaktes machen“, sagt Thomas Endrulat. Welch ein Schock für ihn, als er während seiner Lehre zum Technischen Assistenten für Meteorologie in Potsdam mit der Chaostheorie konfrontiert war und mit Gleichungen, die keine oder mehrere Lösungen haben. Doch diesen Schock hat Endrulat irgendwie überwunden, hat im Anschluss an der Humboldt-Universität in Berlin Meteorologie studiert - und ist ihr bis heute treu geblieben.

Hier, in diesem Gebäue in der Michendorfer Chaussee, sitzen die Meteorologen, die das Wetter vorhersagen

Hier, in diesem Gebäue in der Michendorfer Chaussee, sitzen die Meteorologen, die das Wetter vorhersagen.

Quelle: Maria Kröhnke

Nach Potsdam ist Thomas Endrulat erst im Jahr 2011 zurückgekehrt - und zwar genau an den Ort und in die Häuser in der Michendorfer Chaussee 23, in denen er gelernt hat. Bald jedoch steht ein Umzug für die insgesamt 160 Mitarbeiter des DWD an. Die Gebäude aus den 50er Jahren werden abgerissen, neue sollen her. Obwohl Endrulat viele Jahre in Leipzig gelebt und gearbeitet hat, fühlen er und seine Frau sich mittlerweile zu Hause im schönen Potsdam. Der Kontakt nach Leipzig bleibt dennoch eng, denn seine beiden erwachsenen Kinder und sein Enkelkind leben weiterhin in der sächsischen Metropole.

Wettertechnisch ist Thomas Endrulat ein Durchschnittsmensch. Am liebsten hat er den gewöhnlichen mitteleuropäischen Sommer: Temperaturen um die 23 Grad, wechselhaft und ordentliche Niederschläge. „Das ist für mich ein schöner Sommer. 30 Grad und anhaltende Trockenheit brauche ich nicht“. Er liebt Regen und ist fasziniert von Wolken. Mitunter legt er auf der Autobahn einen Zwischenstopp ein für das besondere Wolken-Foto.

Für dieses Foto legte Thomas Endrulat einen Zwischenstopp auf der Autobahn ein

Für dieses Foto legte Thomas Endrulat einen Zwischenstopp auf der Autobahn ein.

Quelle: Thomas Endrulat

Trotz der Liebe zum Durchschnittswetter musste Thomas Endrulat Extreme erleben. Einen heißen Sommer in den Alpen, wo auch in einer Höhe von über 3000 Metern noch brütende Hitze herrschte. Einen Winter mit Sturmböen und solcher Kälte, dass nach einer halben Minute die Ohren glasig gefroren waren.

Eines seiner sympathischen Talente: Endrulat kann ruhig, geduldig und sehr anschaulich Wetterphänomene erklären - mit Vergleichen wie dem Pudding (siehe oben) und mit seinen Händen, die sich in ein herannahendes Tiefdruckgebiet verwandeln, aber ohne Fachwörter und vor allem ohne akademische Arroganz.

Der Ausdruck „Blumenkohlwolke“ stammt allerdings nicht von ihm - und auch nicht von Jörg Kachelmann, der den Begriff vor Jahren ins breite Publikum streute und dafür gefeiert wurde. Vom „Blumenkohl“ ist schon im „Internationalen Wolkenatlas“ von 1956 zu lesen, den Endrulat wie einen kleinen Schatz in seinem Büro hütet.

Eine perfekte Blumenkohlwolke, aufgenommen von MAZ-Leserin Christiane Jeserig

Eine perfekte Blumenkohlwolke, aufgenommen von MAZ-Leserin Christiane Jeserig.

Quelle: Christiane Jeserig

An einen Wettergott glaubt Thomas Endrulat nicht. Er hält sich allein an die Wissenschaft, an physikalische Felder und Vorhersagemodelle - zur Freude all der Menschen, die täglich gespannt sind auf den Wetterbericht.

Von Maria Kröhnke

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