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Der Wolf und das Sieben-Punkte-Papier

Wölfe in Brandenburg Der Wolf und das Sieben-Punkte-Papier

Wolfsschützer, Jäger und Hirten haben sich erstmals auf eine gemeinsame Strategie zum Umgang mit Wölfen geeinigt. Bauernverbände kritisieren das Sieben-Punkte-Papier zum Nebeneinander von Weidewirtschaft und Raubtieren. Besonders Schafzüchter sind skeptisch, ob der Plan gelingen kann.

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Der Schutz vor dem Wolf kostet viel Geld.

Quelle: epd/NABU

Berlin. Der Streit um den Umgang mit Wölfen nimmt an Schärfe zu. Schäfermeister Knut Kucznik aus Altlandsberg (Märkisch-Oderland) lässt sich jedoch nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht von der harschen Kritik des Brandenburger Bauernbundes. Dessen Geschäftsführer Reinhard Jung hatte das nun von mehreren Verbänden vorgelegte Sieben-Punkte-Papier für ein „konfliktarmes Miteinander“ mit Wölfen scharf kritisiert.

Bauernverband übt scharfe Kritik

Bei Organisationen, die das Eckpunktepapier unterschrieben haben, etwa den Bundesverband Berufsschäfer und den Deutschen Grünlandverband, handele es sich um „bedeutungslose Splittergruppen“. Kucznik, gleichzeitig Vorsitzender des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg, erziele einen erheblichen Teil seiner Einnahmen aus der Zucht „von sogenannten Herdenschutzhunden“, die laut Jung nichts taugten. Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) ließ kein gutes Haar an dem Papier. Die Vorschläge zum Schutz der Weidetiere seien „völlig unzureichend“.

Wunderschön, majestätisch, gefährlich

Wunderschön, majestätisch, gefährlich: Die Wolfsrudel in Brandenburg sind für Bauern und Jäger eine Plage.

Quelle: epd

„Wir sind die Hüter der Schafe und keine Wolfsjäger. Die Ausrottung des Wolfes ist keine Lösung. Das wird nicht gelingen“, meinte Kucznik dagegen. Sein Berufsstand habe bereits vor dem Aufkommen des Wolfes Probleme gehabt zu überleben. Der Wolf habe diese nur noch verschärft. Er züchte nicht nur Pyrenäen-Gebirgshunde für den Einsatz als Herdenhunde, sondern bilde die Tiere auch aus.

Der Herdenschutz müsse fachgerecht, in Wolfsgebieten, wie Brandenburg, flächendeckend und den jeweiligen Bedingungen angepasst erfolgen, heißt es in dem Sieben-Punkte-Papier, das auch Kucznik unterstützt. Zusammen mit Schutzhunden seien Elektrozäune eine wirksame Maßnahme gegen Wolfsangriffe. Die Anschaffung von geeigneten Hunden sowie von Elektrozäunen werde vom Land zu 100 Prozent bezahlt, lobte Kucznik.

Einheitliche Standards gefordert

Allerdings müssten die Schäfer die erheblichen Unterhaltskosten alleine tragen. Der Präsident des Naturschutzbundes (Nabu), Olaf Tschimpke, forderte bundesweit einheitliche Standards für das Wolfsmanagement. Wirtschaftliche Schäden, etwa gerissene Weidetiere und andere Folgen von Wolfsattacken, müssten angemessen und unbürokratisch reguliert werden. Brandenburg ist neben Sachsen das Land mit den meisten Schadensfällen an Nutztieren, bei denen Wölfe als Verursacher ermittelt oder zumindest nicht ausgeschlossen werden konnten.

Seit 2007 bis April 2017 wurden in Brandenburg 756 Schafe, 48 Rinder, 12 Ziegen sowie 115 Damhirsche sowie zwei Pferde getötet. Allein in diesem Jahr zahlte das Land den Tierhaltern bereits mehr als 16 000 Euro an Entschädigung.

Von Reinhard Zweigler

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