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Brandenburg Der Wunsch nach einer kirchlichen Trauung
Brandenburg Der Wunsch nach einer kirchlichen Trauung
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16:19 06.04.2016
Pfarrerin Ellen Radtke (oben) und ihre Frau Stefanie Radtke in Golzow .
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Golzow

Als Ellen Radtke nach einem Unfall im Krankenhaus lag, war beiden klar: Jetzt muss etwas Offizielles her. Sobald es möglich war, gingen sie zum Standesamt. Der Beamte fragte, wann es so weit sein soll. Sie antworteten: am besten sofort. So erzählt es die 31-Jährige heute und berührt dabei leicht die Schulter ihrer Frau Stefanie. Manchmal schauen die beiden einander so an, dass man ahnt: Für Ellen und Stefanie Radtke ist es die große Liebe.

Beide haben lange in Berlin gewohnt. Dort ist es alltäglich, wenn sich zwei Männer küssen oder Frauen zusammen Kinder erziehen. Dann zogen sie nach Brandenburg, aufs Dorf. Der Ort Golzow liegt in der Mittelmark, 40 Autominuten westlich von Potsdam. Im alten Pfarrhaus liegen noch Schulhefte aus der ehemaligen Dorfschule nebenan, der Holzboden quietscht. Sonnenlicht flutet den Gemeinderaum.

Die Evangelische Landessynode

Die Unterstützung des Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche ist ein Thema der Evangelischen Landessynode. Derzeit ist im Gespräch, den Kirchturm zunächst unter Verzicht auf Turmhaube und Schmuckelemente zu bauen, weil nicht genug Geld für eine Gestaltung nach historischem Vorbild zur Verfügung steht. Für diesen Fall hat der Bund allerdings angekündigt, seine in Aussicht gestellte Förderung des Wiederaufbaus mit zwölf Millionen Euro zu überprüfen.

Die Synode kommt Freitag und Samstag zu ihrer Frühjahrstagung in Berlin zusammen. Schwerpunkt ist das kirchliche Jahresthema 2016 „Reformation und Eine Welt“.

114 Kirchenparlamentarier vertreten rund eine Million Protestanten in 27 Kirchenkreisen und 1289 Kirchengemeinden in Berlin, Brandenburg und Ostsachsen.

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Ellen und Stefanie wollen mehr als die Segnung

Auf dem Klingelschild des Pfarramts Golzow-Planeburg steht ihr gemeinsamer Name. Nein, nicht Schwestern, mussten sie am Anfang manchmal erklären. Ein Paar. Beide haben sich beruflich für die evangelische Kirche entschieden. Die eine ist Pfarrerin, die andere Vikarin, also in der Ausbildung. Was beide aber bislang nicht können: kirchlich ganz genau so heiraten wie heterosexuelle Paare.

Das könnte sich nun ändern. Die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) tagt am Freitag und Samstag zu diesem Thema. Bisher sieht die Kirche für schwule und lesbische Paare, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, eine mögliche Segnung vor. Keinen Traugottesdienst, der mit einer Eheschließung zwischen Mann und Frau verwechselt werden könnte.

Bischof Markus Dröge Quelle: dpa

Mit der Segnung habe man etwas schaffen wollen, das immer noch weit genug weg gewesen sei von der heterosexuellen Trauung, sagt Ellen Radtke. „So haben wir es zumindest immer empfunden.“ Rein theologisch sei der Segen das Zentrale, aber es gebe äußere Unterschiede: keine Eintragung ins Kirchenbuch, keinen Ringwechsel. Diese Unterschiede könnten nun aufgehoben werden.

Erst in zwei Landeskirchen können homosexuelle Paare heiraten

In den deutschen Kirchen gibt es noch heftige Debatten, ob schwule und lesbische Paare heiraten dürfen. Die Landeskirche in Berlin und Brandenburg wäre die dritte, die sich dafür entscheidet – nach Hessen und dem Rheinland. In der katholischen Kirche ist das noch undenkbar. Aber auch in evangelischen Gemeinden ist nicht jeder einverstanden. Bei der Landessynode – dem oberste Leitungsgremium – wird auch über einen Antrag von Kritikern beraten. Sie lehnen die gleichgeschlechtliche Trauung ab. Und wenn das nicht geht, so steht es im Antrag, sollen Gemeindekirchenrat und Pfarrer solche Trauungen ablehnen können. Manche haben theologische Bedenken und argumentieren mit der Bibel. „Es gibt bei uns natürlich unterschiedliche Arten, die Bibel auszulegen“, sagt Bischof Markus Dröge. Es gebe Bibelstellen, die Homosexualität kritisch sehen. „Ich bin überzeugt, dass wir unsere Auslegung in einen historischen Kontext einordnen müssen.“ Früher sei es um die Frage der sexuellen Ausbeutung gegangen, Stichwort Tempelprostitution oder Lustknabe. Das könne man nicht vergleichen mit der gleichwertigen Partnerschaft von heute.

Es gibt deutschlandweit erst zwei evangelische Landeskirchen, in denen homosexuelle Paare kirchlich genauso heiraten dürfen wie Hetero-Paare. Nun könnte dies auch in Brandenburg und Berlin möglich werden. Richtig so?

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„Wir sind eine Kirche mit unterschiedlichen Frömmigkeitsstilen“

„In der Bibel steht auch, es sei unnatürlich, dass Frauen kurze Haare tragen“, sagt Dröge. Manches müsse man in einen zeitlichen Kontext setzen. „Wir müssen aber natürlich respektieren, dass wir eine Kirche mit unterschiedlichen Frömmigkeitsstilen sind.“ Deswegen sei er dafür, Pfarrern und Gemeinden die Möglichkeit zu begründeten Ausnahmen zu geben.

Für Ellen und Stefanie Radtke bedeuten solche Ausnahmen, dass ihre Beziehung in der Kirche immer noch nicht gleichgestellt wird. Solange es einem Gemeindekirchenrat möglich wäre, die Kirche für homosexuelle Traugottesdienste zu sperren, wollten sie nicht vor den Altar treten.

Die beiden sind vor mehr als drei Jahren ihre Lebenspartnerschaft eingegangen. Niemand habe davon gewusst. Manche seien sauer gewesen, dass sie still und heimlich ihre Beziehung besiegelt hätten. Die beiden holen ein Fotobuch heraus, man sieht zwei Selfies, nach dem Standesamt geknipst. Und ausgedruckte Glückwunsch-Kommentare von Facebook. Die letzte Seite im Album ist noch frei.

Von Julia Kilian

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