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Der Wunsch nach geräuschlosem Regieren

Thomas Kralinski neuer Chef der Staatskanzlei Der Wunsch nach geräuschlosem Regieren

Wechsel an der Spitze der Staatskanzlei von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD): Thomas Kralinski ist der Neue, der nach dem Rauswurf des bisherigen Staatskanzleichefs Rudolf Zeeb die Machtzentrale neu aufstellen soll. Kralinski gilt als angenehm im Umgang, besonnen und nicht aufbrausend. Eines will er in seinem neuen Job vermeiden.

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Der Neue in der Potsdamer Regierungszentrale: Thomas Kralinski, Chef der Staatskanzlei

Quelle: Stähle

Potsdam. Die ersten Lorbeeren in Brandenburg verdiente sich der neue Staatskanzleichef Thomas Kralinski im Wahlkampf 2004. Die SPD holte den Politikwissenschaftler aus Dresden damals zur Unterstützung ins Wahlkampfteam von Matthias Platzeck. Der stand wegen der Hartz-IV-Debatte unter großem Druck. Auf den letzten Metern aber holte die SPD noch den Wahlsieg und Platzeck blieb Ministerpräsident.

Kralinski, bis dahin in der sächsischen SPD-Fraktion tätig, erwarb sich einen guten Ruf als Analytiker und Stratege. Er ging nicht zurück und wurde Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. Das blieb er zehn Jahre. In dieser Zeit erlebte er vier Fraktionschefs und gehörte zu einem kleinen Kreis von SPD-Vordenkern um Platzeck. Kralinski gab auch die parteieigene Debatten-Zeitschrift „Perspektive 21“ heraus. Besonders gefördert hat ihn Klaus Ness, erst Generalsekretär und später SPD-Fraktionschef, der 2015 überraschend verstarb.

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Eine Liga, die großes politisches Geschick verlangt

Auch Dietmar Woidke, der 2014 die Landtagswahl für die SPD gewann, schätzt Kralinskis Qualitäten. Er holte ihn in die Staatskanzlei. Dort wurde er Chef der Landesvertretung in Berlin und zuständig für die Kontakte zum Bund, für Medien und Osteuropa. Als ihn Woidke damals fragte, zögerte Kralinski keinen Moment. An der Schnittstelle zwischen Land und Bund in Berlin – das war für ihn ein „Traumjob“, wie er sagte.

Als Woidke ihn allerdings vor wenigen Tagen im Zuge der Krise um seinen Staatskanzleichef Rudolf Zeeb bat, dessen Amt zu übernehmen, war das ein wenig anders. Vor diesem Chefposten in der Machtzentrale hat der 44-jährige Kralinski Respekt. Das ist eine andere Liga, die großes politisches Geschick verlangt. Der „CdS“, wie dieser intern kurz genannt wird, steht stets im Fokus, wenn es politisch „brennt“ – ob in der Koalition, in der Regierung oder im Landtag. Kralinski wird zugetraut, den Job gut zu machen. Er gilt als angenehm im Umgang, besonnen und nicht aufbrausend. Dass er auch durchsetzungsstark sein kann, das könne er ja noch zeigen, meinte ein SPD-Abgeordneter. Kralinski selbst sieht seinen Job so: Er wolle dafür sorgen, dass die Koalition gut und geräuschlos arbeitet und dass es „keine quietschenden Nebengeräusche“ gibt.

Staatskanzleichef Nummer 6

Thomas Kralinski ist Staatskanzleichef Nummer fünf seit 1990 in Brandenburg. Der erste war der Braunschweiger Jürgen Linde unter dem damaligen Regierungschef Manfred Stolpe. Er blieb bis 1999, dann übernahm der Potsdamer Rainer Speer . Der blieb in dieser Funktion auch unter Matthias Platzeck, der 2002 Ministerpräsident wurde. Im Jahr 2004 folgte Clemens Appel und 2009 Platzeck-Intimus Albrecht Gerber
. Rudolf Zeeb kam 2014, blieb aber nicht einmal zwei Jahre.

Kein Blick zurück

Davon gab es zuletzt einige. Sein Vorgänger überwarf sich mit Woidke. Eine unappetitliche Dienstwagen-Affäre gab es dazu. Kralinski will dabei aber gar nicht so viel nach hinten schauen, wie er sagte.

Aufgewachsen ist er im thüringischen Weimar. Er wollte eigentlich Russischlehrer werden und besuchte eine Spezialschule zur Vorbereitung darauf. Doch dann kam das Ende der DDR. Kralinski studierte Politik- und Osteuropawissenschaften in Leipzig und ein Jahr auch in Manchester. Dort wäre er als glühender Anhänger von Tony Blair fast Mitglied der Labour-Partei geworden. Daraus wurde aber nichts. Wieder zurück in Leipzig, trat er 1998 in die SPD ein.

Kralinski ist verheiratet. Die ersten Glückwünsche nach der Ernennung in der Staatskanzlei kamen von seinem Ehepartner.

Von Igor Göldner

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