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Der braune Terror von Nauen

Chronologie Der braune Terror von Nauen

Es ist eine erschreckende Chronologie – in den vergangenen Monaten ist es in der 17.000-Einwohner Stadt Nauen (Havelland) immer wieder zu Anschlägen mit rechtsextremen Hintergrund gekommen. Ein geplantes Flüchtlingsheim brannte, Autos wurden demoliert und unmissverständliche Drohungen ausgesprochen. Ein Überblick.

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Im Sommer ist eine geplante Unterkunft für Geflüchtete in Flammen aufgegangen.
 

Quelle: Julian Stähle

Nauen.  Nauen gilt als Hochburg der Brandenburger Neonazi-Szene. In den vergangenen Monaten gab es dort immer wieder Anschläge, bei denen ein rechtsextremer Hintergrund vermutet wird. Mit der Festnahme des NPD-Mannes Maik Schneider könnte der Polizei nun ein wichtiger Schlag gegen die rechte Szene gelungen sein. Schneider gilt als Schlüsselfigur und ist in der Szene gut vernetzt. Er wird beschuldigt, einen Brandanschlag auf das Auto eines Polen verübt zu haben. Unterstützt wurde er von zwei Komplizen. Frauke H., die mit Schneider festgenommen wurde, inzwischen aber wieder frei ist und Dennis W., der noch auf der Flucht ist.

Lokales Terrornetzwerk in Nauen?

Seit Februar vergangenen Jahres haben sich in der 17.000-Einwohner die Anschläge mit rechtsextremen Hintergrund gehäuft. Die Chronologie zeigt, wie oft es zu Anschlägen kam. Der schlimmste ereignete sich im Sommer. Damals brannte eine geplante Flüchtlingsunterkunft komplett aus. Ermittler vermuten einen gezielten Anschlag. Der Schaden geht in die Millionen. Ministerpräsident Dietmar Woidke sprach angesichts von Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte in Brandenburg sogar von Terrorismus.

In der Übersicht haben wir zusammengestellt, zu welchen Vorfällen es in Nauen gekommen ist.

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In Nauen ist es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Anschlägen gekommen, bei denen ein rechtsextremer Hintergrund vermutet wird. Im Sommer ging eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen auf, Autos wurden vorsätzlich demoliert und das Parteibüro der Linken ist immer wieder attackiert worden. Ein Überblick über eine unheimliche Anschlagsserie.

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12. Februar 2015: Neonazis sprengen Versammlung

Die Stadtverordneten wollen Mitte Februar in einer öffentlicher Sitzung über den Verkauf eines Grundstücks entscheiden, auf dem der Landkreis ein Asylheim bauen will. Der Abend beginnt friedlich, doch dann stören Asylgegner lautstark den Ablauf der Sitzung.

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Seit etwa einem Jahr gibt es eine auffällige Häufung rechtsextremer Anschläge und Vorfälle in der Stadt. Im Februar 2015 eskalierte eine Sitzung der Nauener Stadtverordneten. Thema: eine geplante Flüchtlingsunterkunft. Rechtsextreme störten die Sitzung lautstark und traten so aggressiv auf, dass die Polizei einschreiten musste.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Jene, die im Saal keinen Platz finden, machen draußen ihrem Ärger Luft und schlagen unter anderem gegen die Glasscheiben des Evangelischen Gemeindezentrum in Nauen, dem Tagungsort der Stadtverordneten. Die Polizei muss einschreiten – und räumt den Saal.

Monat März 2015: Mehrere Anschläge auf Parteibüro

Immer wieder gab es seit März 2015 Anschläge auf das Parteibüro der Linken in Nauen, etwa als am 25. März 2015 Unbekannte die Scheiben mit insgesamt 29 Hammerschlägen stark beschädigten oder Ende März die Fahrradständer vor dem Haus mit Parteilogo zerstörten.

16. April 2015: Nach Asyldemo Anschlag auf Jugendförderverein

Nachdem die Demonstrationen von Asylgegnern und Befürwortern in Nauen Mitte April 2015 noch friedlich verlaufen waren, machte der Jugendförderverein Mikado nur einen Tag später eine böse Entdeckung. Der Kleinbus wurde angegriffen – vier Reifen zerstochen. Dabei hatte der Bus auf dem abgeschlossenen Gelände des Familien- und Generationenzentrums gestanden. An der Windschutzscheibe des Autos klebte ein Zettel mit einer Warnung: „Liebe Asylantenfreunde, Tröglitz ist auch hier. Bis bald!“ Zuvor hatte sich der Verein klar als Befürworter für die Flüchtlingsaufnahme positioniert und hatte den Kleinbus auch auf der entsprechenden Demo eingesetzt.

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Wie gefährlich die Situation für Flüchtlingshelfer in Nauen mitunter sein kann, zeigt ein Vorfall vom April 2015. Damals waren nach einer Neonazi-Demo die Reifen eines Kleinbusses von Flüchtingshelfern zerstochen worden. Am Wagen klebte ein Zettel mit einer unmissverständlichen Drohung: Liebe Asylantenfreunde, Tröglitz ist auch hier.“ In der sächsischen Kleinstadt gab es zuvor einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim.

Quelle: Tanja M. Marotzke

17. Mai 2015: Brandanschlag auf Auto eines Polen

Es ist 22.30 Uhr als in Nauen das Auto eines polnischen Staatsbürgers in Flammen steht. Mehr als eine Stunde dauert es, bis der Brand gelöscht ist. „Anzeichen für einen fremdenfeindlichen Hintergrund gibt es derzeit aber nicht“, sagte Polizeisprecherin Jana Birnbaum damals zur MAZ. Doch inzwischen ist klar: Den gibt es offenbar doch.  Beinahe ein Jahr später die Razzia bei drei Verdächtigen aus der Neonaziszene. Zwei Täter, unter anderem der NPD-Kommunalpolitiker Maik Schneider, werden verhaftet.

25. Mai 2015: Anschlag mit toten Küken auf Linkspartei

Auf das Parteibüro der Linkspartei in Nauen wirft ein bisher unbekannter Täter an diesem Montag Farbbeutel und faule Eier. Besonders perfide: An der Fassade des Wohn- und Geschäftshauses klebten sogar Eier, in denen tote Küken waren. Ein Bekennerschreiben bleibt aus. Doch eine Zeugin beobachtete den Fall und rief die Polizei. Pressesprecherin Jana Birnbaum sagte: „Wir ermitteln wegen einer ganz normalen Sachbeschädigung.“ Doch die Linke ist sich sicher: Diese Aktion ist der widerliche Versuch die Politiker einzuschüchtern, weil sie sich für das Asylheim in Nauen einsetzen.

Anschläge auf Linken-Büros in Nauen

25. März 2015: Einschlagen der Scheiben des Büros mit 29 Hammerschlägen

Ende März: Zerstören des Fahrradständers mit Partei-Logo vor dem Haus

25. Mai 2015: Anschlag mit Farbbeuteln und halb ausgebrüteten Eiern, Verkleben der Schlösser

31. Mai 2015: Bekleben der Fensterscheiben mit Aufklebern der NPD

3. Juni 2015: Einschlagen der Scheiben mit vier Hammerschlägen

7. Juni 2015: Anschlag mit Farbbeuteln, vordere und seitliche Fassade (Festnahme zweier Tatverdächtiger)

9 Juni 2015: Verkleben der Schlösser (Festnahme eines Tatverdächtigen)

Auch der Verein Mikado in Nauen wurde Opfer eines Anschlags:

16. April 2015: Zerstechen der Reifen des Busses von Mikado., Hinterlassen eines Zettels „Liebe Asylantenfreunde, Töglitz ist auch hier. Bis bald!“

Monat Juni 2015: Unbekannte machen Schlösser der Linken unbrauchbar

Im Juni gibt es eine mehrere dreiste Aktionen von bisher unbekannten Tätern auf das Parteibüro der Linken in Nauen, in dem auch die Landtagsabgeordnete Andrea Johlige ihr Wahlkreisbüro hat. Erneut gibt es Hammerschläge. Die Täter beschädigen Scheiben, die Tür und den Briefkasten des Büros. Nach einem Anschlag mit Farbbeuteln auf die vordere und seitliche Fassade des Gebäudes kann die Polizei zwei Tatverdächtige festnehmen. Ein Mann hat zudem die Türschlösser des Büros verklebt und unbrauchbar gemacht. Er hatte  bei dem Schloss eine Substanz verwendet, die schnell aushärtete. Der Täter wurde identifiziert. Doch wer für den Anschlag verantwortlich war, gab die Polizei nicht an.

25. August 2015: Brandanschlag auf geplante Asylunterkunft

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In der Nacht zu Dienstag, 25. August 2015, ist in Nauen (Havelland) ein Brandanschlag auf eine geplante Notunterkunft für Asylbewerber verübt worden. Die Turnhalle ist komplett niedergebrannt.

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Die Sporthalle des Oberstufenzentrums Havelland geht in Flammen auf. Es ist ein Dienstag, 2.30 Uhr, als sich das Feuer bereits auf das gesamte Gebäude ausgeweitet hat.  Ermittler und Politiker gehen von einem Brandanschlag aus, denn die Halle sollte künftig als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt werden. Dann gibt es kurze Zeit später Gewissheit: Die Tat wurde professionell und von langer Hand geplant. Die Täter leiteten sogar Gas in das Gebäude. Nur die Verantwortlichen wurden bisher nicht gefasst.

20. November 2015: Anschlag in Jüterbog – nach von Schneider angemeldeter Demo

Der NPD-Mann Schneider gilt als weit vernetzter Neonazi, so hat er beispielsweise auch im Kreis Teltow-Fläming im November eine fremdenfeindliche Demo organisiert. Im Anschluss an die Demo kommt es in einem Flüchtlingsheim zu einer Explosion, bei der verheerender Sachschaden entstand. Auch hier wird ein fremdenfeindlicher Anschlag vermutet. Eine klare Zuordnung zu der Nauener Gruppe gibt es bisher aber nicht.

Nicht nur in Jüterbog war Schneider unterwegs. Auch auf den Demos der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung in Potsdam ist Schneider gesehen worden.

20. Februar 2016: Anleitung zum Bombenbau im Briefkasten

Entsetzen in Nauen: In einigen Briefkästen stecken rechte Hetzschriften. Von einer „Invasion von Ausländern“ und einem „Bevölkerungsausstausch“ ist darin die Rede. Die Verfasser fordern „Absoluten Widerstand“ und geben menschenverachtende „Anregungen“. Auf einem Zettel erklären sie, wie Bomben gebaut werden.

Von MAZonline

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Verdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung

Der Anschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim in Nauen (Havelland) ist so gut wie aufgeklärt. Verantwortlich sein soll eine braune Terrorzelle um den NPD-Mann Maik Schneider. Das zeigen Ermittlungsergebnisse, die am Freitag veröffentlicht worden sind. Der Generalbundesanwalt prüft, ob es sich um eine terroristische Vereinigung handelt.

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