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Brandenburg Der digitalste Kuhstall Brandenburgs
Brandenburg Der digitalste Kuhstall Brandenburgs
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00:29 19.05.2018
Milchkuh mit Internetverbindung: Mit einem Pedometer wird das Tier überwacht. Landwirt Thomas Gäbert kann Laufstrecken und Geschwindigkeiten der Kühe messen.
Trebbin

Jeder Schritt zählt im Kuhstall von Landwirt Thomas Gäbert. Die Milchkuh mit der Nummer 83 173 läuft einige Meter, bis sie an der Futterstelle ankommt. Bei dem Tier handelt es sich um eine äußerst bewegte Kuh, erfährt der Bauer abends am Tablet: Sie hat heute 8088 Schritte getan, ist 13-mal aus ihrer Liegebox aufgestanden und hat 24,8 Liter Milch gegeben. „Kühe die weniger aktiv sind, kommen auf unter 3000 Schritte, sehr aktive legen an einzelnen Tagen über 15 000 Schritte zurück.“ Wie ihre 1000 Artgenossinnen trägt die Kuh einen Pedometer, einen Schrittzähler am rechten Vorderbein.

Jeder Schritt zählt im Kuhstall der Agrargenossenschaft Trebbin. Quelle: Julian Stähle

Die Milchkuh lebt auf einem Großbetrieb mit rund 2000 Tieren in Trebbin im Landkreis Teltow-Fläming. Auf diesem Hof ist nicht nur der Stall vernetzt. Traktoren mit Sensortechnik rollen über den Acker, Landmaschinen senden ihre Position mit GPS-Technologie und verteilen punktgenau Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel.

„Jede Kuh sendet im Sekundentakt ein Signal“

Im Kuhstall fährt ein kniehoher Roboter an den wiederkäuenden Tieren vorbei. Es staubt. Das Gerät fegt das Futter zu den Boxen zurück. Die Kühe scheint das nicht zu interessieren, sie fressen weiter. Auch der Schrittzähler am Vorderbein beeindruckt sie nicht. Der Sensor zeigt, ob sie liegen, stehen oder laufen und speichert Laufstrecken sowie Geschwindigkeiten. „Wir haben hier WLAN im Stall und jede Kuh sendet im Sekundentakt ein Signal“, sagt Gäbert. Unter Beobachtung stehen die Wiederkäuer deshalb, weil die Daten der Tiere Aufschluss über ihre Gesundheit geben. „Bewegt sich die Kuh zu wenig, kann es sein, dass sie krank ist. Bewegt sie sich viel, sehen wir, dass sie brünstig ist.“

Ein Roboter fegt das Futter zu den wiederkäuenden Kühen hin. Quelle: Julian Stähle

Das digitale Kuhtagebuch wertet der promovierte Landwirt dann am Schreibtisch aus. Der 35-Jährige sitzt jetzt in seinem Büro. Er trägt Leinenhemd und Stoffhose. Ebenso modern wie die Kleidung ist das Farm-Management im genossenschaftlichen Betrieb, den er gemeinsam mit zwei Vorständen leitet. Der Landwirt zieht einige Blätter von einem Stapel. „Mit Papier arbeiten wir so gut wie gar nicht mehr. Alle unsere gesammelten Daten laufen auf dem Computer zusammen.“

Der Bauer von heute setzt auf Big Data

Ein Trend, der die ganze Branche durchzieht. Mehr als jeder zweite Landwirt in Deutschland (53 Prozent) nutzt bei seiner Arbeit digitale Lösungen, ergab eine repräsentative Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 600 Landwirten aus dem Jahr 2016. Früher vertrauten die Bauern überwiegend auf ihr Gefühl, heute setzen sie auch auf Hightech und Big Data.

Landmaschinen sind GPS-gestützt und sensorgesteuert unterwegs. Quelle: Julian Stähle

In der Agrargenossenschaft Trebbin geht die digitale Revolution mit einem Generationenwechsel einher. Viele Bauern, die in der Nachwendezeit mit erheblichen Anpassungsproblemen des neuen Marktes zu kämpfen hatten, werden sich in den kommenden fünf bis zehn Jahren zur Ruhe setzen, sagt Gäbert. „Wieso sollten sie nach 40 Berufsjahren noch die Welt verändern wollen?“ Die Jungen seien es, die in Hightech-Agrarmaschinen investieren. 65 000 Euro hat der Betrieb nach eigenen Angaben bereits in digitale Technik gesteckt. Wie das funktioniert, kann man auch auf den Feldern des 4000 Hektar großen Agrarbetriebs beobachten. Landmaschinen sind GPS-gestützt und sensorgesteuert unterwegs. Beim Aussäen steuert der Traktor schnurgerade über den Acker, weil der Bordcomputer auf den Zentimeter genau weiß, wo sich das Fahrzeug befindet.

Auch der Kuhstall 4.0 hat seine Tücken

Schlaue Sensoren am Traktor scannen das Feld, um zu sehen wieviel Dünger und Pflanzenschutzmittel nötig ist. „Weil auf märkischem Ackerboden die Fruchtbarkeit stark eingeschränkt ist, lässt sich so der Bedarf viel exakter ermitteln und die Ausbringung genau steuern“, erklärt Gäbert der seine Doktorarbeit über die Fruchtbarkeit sandiger Böden verfasst hat.

Die Rundum-Überwachung auf dem Acker und in der Viehzucht hilft dem Landwirt und kann Erträge steigern. Doch im Kuhstall 4.0 zeigt sich, dass die Digitalisierung ihre Tücken hat. „Leider läuft nicht alles rund“, sagt Gäbert. An einer der Fütterungsmaschinen für die Kälbchen hat sich der Schlauch gelöst. Das Kalb blökt, jetzt ist Handarbeit gefragt. „Digitale Technologien helfen, ersetzen aber nicht unser Personal.“

Weil die Maschine streikt, ist die Handarbeit von Bauer Thomas Gäbert gefragt. Quelle: Julian Stähle

So legen die 145 Beschäftigten in den meisten Bereichen nach wie vor selber Hand an, um ihre Arbeiten zu erledigen. „Unsere Leute müssen immer noch beurteilen, ob es den Tieren gut geht oder ob sie Stress haben.“ Auch würden noch keine Traktoren autonom übers Feld rollen. Vom fahrerlosen Traktor sei man bei der AGT noch weit entfernt.

Von Diana Bade

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