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Der große schillernde Unbekannte

Verkauf der Lausitzer Braunkohle Der große schillernde Unbekannte

EPH und PPF heißen die neuen Eigentümer der Braunkohle in der Lausitz. Wer steckt dahinter, und was haben die Investoren nun vor? Viel ist bisher nicht bekannt. Doch von Daniel Kretinsky, dem Kopf hinter EPH, ist in den Panama-Papers die Rede.

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Daniel Kretinsky.

Quelle: dpa

Potsdam. Endlich herrscht Klarheit: In der Lausitz folgen die Tschechen auf die Schweden. Vattenfall zieht sich aus dem Braunkohlegeschäft zurück und verkauft an die Energieholding EPH und den Finanzinvestor PPF. Die Beschäftigten werden übernommen und weiter nach Tarif bezahlt, auch die Rücklagen zur Beseitigung der Bergbaufolgeschäden werden an den neuen Eigentümer weitergegeben.

Kompliziertes Firmengeflecht

Endlich herrscht Klarheit? Nein, dazu sind zu viele Fragen offen. Mit der EPH betritt ein Investor die Lausitzer Bühne, von dem man nicht viel weiß. Das Unternehmen wurde erst vor gut sechs Jahren gegründet, übernahm 2012 die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft und nutzte dabei ein kompliziertes Firmengeflecht mit Verästelungen nach Luxemburg und Zypern. Und von Daniel Kretinsky, dem Kopf hinter EPH, ist in den Panama-Papers die Rede. Er wird gerne als schillernd beschrieben – in diesem Fall ein Synonym dafür, dass man über den Mann wenig weiß.

Was hat EPH mit der Lausitz vor?

Inwiefern dieser in kurzer Zeit zu sehr viel Geld gekommene Unternehmer wirklich ein verlässlicher Partner für die 7500 Vattenfall-Beschäftigten sein wird, bleibt abzuwarten. Und was er in der Lausitz vorhat, ist noch unklar. Warum steigt einer überhaupt in so unsicheren Zeiten ins Kohlegeschäft ein? Erneuerbare Energien waren im Jahr 2015 der wichtigste Energieträger im europäischen Strommarkt: 29 Prozent am Mix machten sie aus, 27 Prozent kamen aus Atomkraft, 26 Prozent aus Stein- und Braunkohle. Der Pfeil bei der Kohle zeigt dabei nach unten, der von Ökostrom nach oben.

Das Kalkül von EPH

Aber das Kalkül von EPH dürfte ein anderes sein: Wenn in ein paar Jahren die letzten deutschen Atommailer vom Netz gehen, könnte die gestrige Technologie der Kohleverstromung eine kurze, aber gewinnbringende Renaissance erleben. Dann soll die Kohle eben jene viel beschworene, notwendige Brücke auf dem Weg ins hundertprozentige Ökostromzeitalter sein, das nicht ausgerufen werden kann, solange es keine vernünftigen Speicherlösungen gibt.

Dann könnte der derzeit im Keller befindliche Börsenstrompreis wieder steigen und es noch ein wenig in der Kasse der tschechischen Holding klingeln lassen. Aber nicht allzu lang – rund 15 Jahre, so heißt es inzwischen selbst bei der kohlefreundlichen Industriegewerkschaft IG BCE – lässt sich mit fossilen Energieträgern noch Geld verdienen.

Auch wenn sich die neuen Eigentümer nicht in ihre Karten schauen lassen – an zwei Fronten müssen sie schnell für Klarheit sorgen. Wie sicher sind die Jobs? Und was geschieht mit den Menschen und Dörfern, die von der Abbaggerung bedroht sind und die seit Jahren ohnmächtig den energiepolitischen Wendemanövern ausgeliefert waren. Sie haben ein Recht darauf, endlich zu erfahren, was Phase ist. Das gehört sich so.

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Von Torsten Gellner

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