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Brandenburg Diamanten aus Totenasche: Eine Gewissensfrage?
Brandenburg Diamanten aus Totenasche: Eine Gewissensfrage?
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02:21 19.05.2018
Stein des Anstoßes: Ein Diamant, der aus der Asche einer Verstorbenen gepresst wurde. Quelle: dpa
Potsdam

Die Reform des Brandenburger Bestattungsgesetzes wird womöglich zur Gewissensfrage: Wenn das Gesetzespaket im Landtag zur finalen Verabschiedung steht, sollten die Abgeordneten allein nach ihrer moralischen Überzeugung und nicht aus parteipolitischen Erwägungen entscheiden, fordern die Grünen.

Die sonst übliche Fraktionsdisziplin solle aufgehoben werden. „Wir sind der Auffassung, dass in dem Gesetz einige ethische Fragen aufgeworfen werden, die nicht durch Fraktionsbeschlüsse abzudecken sind“, sagte Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch im Sozialausschuss des Landtages. „Ich würde dringend dafür plädieren, dass jeder Abgeordnete nach eigener Gewissenslage entscheidet.“ Denn bei der Reform geht es aus ethischer Sicht durchaus ans Eingemachte.

Anregung von der Bestattungsbranche

Besonders umstritten ist die Möglichkeit, künftig einen Teil der Totenasche bei Urnenbestattungen zu entnehmen, um daraus künstliche Diamanten pressen zu lassen. Angeregt wurde dies von der Bestattungsbranche. Was für die einen eine moderne, zeitgemäße Form der Erinnerungskultur ist, bedeutet für andere einen ethisch höchst fragwürdigen Eingriff in die Totenruhe. Die Kirchen jedenfalls lehnen diesen Passus des Gesetzes strikt ab.

So betonte Landesbischof Markus Dröge, dass dabei ein Teil des Toten entnommen und zur Sache gemacht werde – aus seiner Sicht ein Verstoß gegen die Würde des Menschen: „Die Totenruhe ist nach christlichem Verständnis unteilbar.“ Außerdem würde das Gesetz eine kommerzielle Verwertung von menschlichen Leichnamen möglich machen. Auch die CDU lehnt die Herstellung derartiger Erinnerungsstücke strikt ab, spricht von einem Marketing-Gag.

500 Gramm Asche: eine geringfügige Menge?

Außerdem sei der Gesetzentwurf in diesem Punkt schwammig, wie Roswitha Schier (CDU) kritisierte. Darin sei von der Entnahme einer „geringfügigen Menge“ Asche die Rede. „Was heißt geringfügig?“, fragt sie. Kommerzielle Anbieter solcher Erinnerungsstücke, die etwa in der Schweiz sitzen, benötigen mindestens 500 Gramm Asche, um daraus einen Diamant zu pressen. Das sei keineswegs mehr „geringfügig“, so Schier. „Das lehnen wir aus ethischen und Glaubensgründen ab.“

Wer will, dass seine Asche nach dem Tod zu einem Erinnerungskristall verarbeitet wird, muss dies zu Lebzeiten schriftlich festlegen. Der Innenexperte der Linksfraktion, Hans-Jürgen Scharfenberg, hält die Diamantenfrage nicht für entscheidend. „Damit kann ich gut leben“, sagt er.

Bestattungspflicht für Sternenkinder?

Schwieriger sei die Frage, wie, ob und ab wann es für totgeborene Frühchen – sogenannte Sternenkinder – eine Bestattungspflicht geben soll. Seine Fraktion sehe in dieser Frage jedenfalls noch Klärungsbedarf. Laut aktuellem Bestattungsgesetz gibt es für Tot- oder Fehlgeborene mit weniger als 1000 Gramm keine Bestattungspflicht.

Dieser Wert stamme aber noch aus einem anderen medizinischen Zeitalter, wie Ursula Nonnemacher betonte. Der medizinische Fortschritt sei heute so, dass auch Frühchen mit 500 Gramm überlebensfähig sein könnten. Also müsse für sie auch die Bestattungspflicht gelten, argumentiert sie.

Die SPD plädiert für einen Kompromiss. Es solle bei Totgeborenen unter 1000 Gramm den Eltern überlassen werden, ob sie ein Begräbnis wollen oder nicht, „weil es Eltern gibt, die nicht erinnert werden wollen“, so Ina Muhß (SPD).

Der Redebedarf ist also noch groß. Die Linke schließt nicht aus, dass die Reform erst nach der parlamentarischen Sommerpause verabschiedet wird. Ob es eine Abstimmung ohne Fraktionsdisziplin wird, ist offen. Offiziell gibt es diese ja auch gar nicht. In seiner Fraktion sei es grundsätzlich so, dass kein Abgeordneter zu einem Abstimmungsverhalten gedrängt werde, so Hans-Jürgen Scharfenberg. Vielmehr verständige man sich im Vorfeld darauf, ob ein Vorhaben von allen Abgeordneten getragen werden kann.

Von Torsten Gellner

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