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„Die Angst kommt im Dunkeln“

Reportage aus Guben „Die Angst kommt im Dunkeln“

Vor knapp einem Jahr sorgte in der brandenburgischen Grenzstadt Guben eine Überfallserie für Angst und Verunsicherung unter den Anwohnern. Auch heute müssen noch viele Menschen daran denken. Wir haben uns in der Stadt umgehört und umgeschaut. Die Stimmung ist immer noch sehr angespannt.

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In Guben ist nach der Überfallserie eine Stadtwache einrichtet worden.

Quelle: dpa-Zentralbild

Guben. Polizisten zu Fuß auf Streife und eine verbesserte Zusammenarbeit mit polnischen Kollegen: Nach zahlreichen Raubüberfällen in der Grenzstadt Guben (Spree-Neiße) vor knapp einem Jahr versuchten Polizei und Stadt, das Sicherheitsgefühl zu verbessern. Die Bilanz der Aktion sieht positiv aus. Die Zahl der Straftaten ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr gesunken, wie Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Mittwoch in Cottbus erläutert. Die Einwohner in Guben finden es gut, dass Polizisten häufiger auf der Straße zu sehen sind. Dennoch steigt in diesen Tagen wieder die Furcht vor neuen Überfällen.

MAZ-Kommentar: Der Polizei fehlt ein wichtiger Plan

„Die Angst kommt im Dunkeln“, sagt eine Frau. Ihre Hand drückt die 55-Jährige, die am Mittag durch eine Einkaufsstraße geht, fest an ihre Tasche. Sie selbst sei vor etwa einem Jahr Opfer eines Überfalls geworden. „Mir wurde die Tasche weggerissen, als ich gerade über eine Brücke nach Polen ging“, sagt sie. „In der Zeit davor hatte ich nie Angst in der Stadt, das ist jetzt anders.“

Wenn es dunkel wird, bleiben die Kunden weg

In einem Süßwarengeschäft berichtet eine Verkäuferin, dass seit Kurzem nachmittags weniger Käufer kämen, weil es früher dunkel wird. „Vor allem ältere Menschen kaufen lieber bei Tag ein“, erzählt sie. Gleiches berichtet eine Taxifahrerin.

Wenige Stunden später kommt es in der Stadt auf einem Parkplatz wieder zu einem Raubüberfall, wie die Polizei später mitteilt. Zwei Jugendliche haben einer 63-Jährigen die Handtasche entrissen. Dabei ist die Frau gestürzt und hat sich leicht verletzt.

Bande ging von Tag zu Tag brutaler vor

Es sind Vorkommnisse, die an die Überfallserie vom Februar erinnern: Eine 49 Jahre alte Krankenschwester war im Morgengrauen gerade auf dem Weg zum Dienst, als ein Unbekannter sie vom Rad zerrte und versuchte, ihr die Handtasche zu entreißen. Als die Frau am Boden lag, trat der Täter auf sie ein und flüchtete dann ohne Beute. Zuvor waren bereits zwei Rentner (80 und 87) sowie eine 54 Jahre alte Frau Opfer der Raubserie geworden, die wenig später aufgeklärt wurde: Ein 17-Jähriger aus Polen gestand, drei von insgesamt fünf brutalen Überfällen in Guben begangen zu haben. Zudem benannte er weitere Beteiligte: eine Clique aus Gubens polnischer Nachbarstadt Gubin soll die Angst verbreitet haben. Die Jugendlichen und Heranwachsenden sollen sich verabredet haben, über die Grenze nach Guben zu gehen und dort Raubüberfälle und Diebstähle zu begehen, erklärten die Ermittler Ende Februar. Dabei ging die Bande von Tat zu Tat brutaler vor, spionierte die überwiegend älteren Opfer aus und überfiel sie dann.

Polizei ist weiter mit Streifen im Ort präsent

Die Polizei will ihre vor Monaten gestarteten zusätzlichen Maßnahmen beibehalten, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu verbessern. Allerdings werde die Zahl der Bereitschaftspolizisten, die zu Fuß auf Streife gehen, etwas reduziert, sagt Polizeipräsident Mörke. Dafür sollen mehr Revierpolizisten im Einsatz sein. Derzeit sind in Guben im Höchstfall fünf Doppelstreifen von Bereitschaftspolizisten zu Fuß unterwegs.

In Forst denkt man über eine Sicherheitspartnerschaft nach. Das ist eine Kooperation zwischen der Polizei, der Kommune und Bürgern. Diese schließen sich ehrenamtlich zusammen und gehen auf Streife. So etwas gab es schon einmal in der Stadt. Damals hätten sich aber auf Dauer nicht genügend Freiwillige für das Projekt gefunden, so Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD). Zudem werde in Kürze ein Präventionsrat gebildet. Er tage voraussichtlich Ende November erstmals.

Von Anna Ringle

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