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Die Angst vorm bösen Wolf

Attacke eines Rudels in Beelitz sorgt für Streit Die Angst vorm bösen Wolf

Der Angriff eines Wolfrudels auf eine Schafherde in Beelitz sorgt für jede Menge Zündstoff. Der Bauernbund fordert den Abschuss der Wildtiere, die sich in den vergangenen Jahren in Brandenburg ausgebreitet haben. Naturschützer dagegen sehen vor allem die Viehhalter in der Verantwortung.

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Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Quelle: dpa

Beelitz. Die jüngste Attacke eines Wolfsrudels auf eine Schafherde in Beelitz (Potsdam-Mittelmark) sorgt für Angst in der Bevölkerung und Streit zwischen Landwirten und Tierschützern. Vergangenen Sonntag hatten mehrere Wölfe insgesamt fünf Tiere eines Schäfers in dem Ort südlich von Potsdam getötet und drei weitere verletzt.

„Viele Eltern lassen ihre Kinder jetzt nicht mehr alleine in den Wald, die Hunde bleiben beim Spaziergang an der Leine“, erzählt Jutta Bellin, die Beelitzer Ortsvorsteherin. „Es heißt ja, der Wolf meide den Menschen, aber das ist für uns alle eine neue Situation“, sagt sie. Viele Leute im Ort seien verunsichert oder fühlten sich von den lokalen Behörden im Stich gelassen. „Besonders grantig sind die Tierhalter, deren Existenz am Vieh hängt.“

So fordert der Bauernbund Brandenburg, den Wolf in besiedelten Gebieten zum Abschuss freizugeben: „Wir haben 200 Jahre gut ohne die Wölfe gelebt, so darf es gerne bleiben“, sagt Verbandsgeschäftsführer Reinhard Jung. „Spätestens, wenn das erste Kind an einer Bushaltestelle angegriffen wird, ist das Geschrei groß. So weit sollten wir es gar nicht erst kommen lassen.“ Der Vertreter von rund 360 Familienbetrieben fordert, die Obergrenze für die Wolfspopulation in Brandenburg auf 500 Tiere festzusetzen. „So, wie sich der Bestand entwickelt, haben wir in zehn Jahren gut 2000 Wölfe im Land“, sagt Reinhard Jung. „Und dann habe ich wirklich Angst.“ In ganz Brandenburg leben nach jüngsten Schätzungen des Umweltministeriums bis zu 90 Wölfe. Etwa 30 weitere Tiere gibt es in anderen Bundesländern.

Unzufrieden sind die Bauern auch mit der gegenwärtigen Entschädigungspraxis der Landesregierung: „Ersetzt werden nur die tatsächlich getöteten Tiere, aber zum Beispiel Fehlkalbungen durch Stress werden nicht berücksichtigt“, so Reinhard Jung.

Tierschützer halten die Forderungen der Landwirte für Panikmache: „Der Wolf ist ein sehr scheues Tier und Nutzvieh gehört eigentlich nicht zu seinem Beutespektrum“, sagt Renate Seidel, die Vorsitzende des Tierschutzbundes Brandenburg. Außerdem liege die Verantwortung zum Schutz des Viehs bei den Haltern: „Das schreibt das Tierschutzgesetz eindeutig vor.“ Um ihre Herden effektiv zu schützen, müssten Viehhalter bessere Elektrozäune aufstellen: „Wer einmal einen Hund an so einem E-Zaun gesehen hat, weiß, da würde ein Wolf nie wieder in die Nähe kommen.“ Tatsächlich war das Wolfsrudel am Sonntag unter dem Stromzaun hindurchgerobbt.

Die Opposition im Landtag teilt die Kritik der Landwirte: „Solche Angriffe auf Schafe und Kälber werden sich in Zukunft häufen,“ so Dieter Dombrowski, Vorsitzender und umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Die Tierhalter dürfen mit diesen Problemen auf keinen Fall alleine gelassen werden.“ Gregor Beyer, agrarpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, fordert eine Regelung für „Problemwölfe“: „Wenn es sich häufen sollte, dass Wölfe in Siedlungen eindringen, brauchen wir einen rechtssicheren Mechanismus, um einzelne Tiere auch abschießen zu können.“

Von Martin Küper

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