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Die Brille auf Rezept ist zurück

Sehhilfen werden wieder bezuschusst Die Brille auf Rezept ist zurück

Menschen mit Sehschwäche haben wieder Anspruch auf einen Zuschuss der gesetzlichen Krankenkasse zur Sehhilfe. Doch Brandenburgs Optiker warnen vor Euphorie: Die neuen Regelungen betreffen nur einen sehr kleinen Personenkreis. Die Krankenkassen beteiligen sich zwar an den Kosten von Brillen und Kontaktlinsen – jedoch mit Einschränkungen.

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Brandenburger sind besonders häufig krank

Optiker Stefan Scharnbeck betreibt vier Geschäfte, unter anderem in der Brandenburger Straße in Potsdam.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Das Bundesgesetz zur Stärkung der Heil-und Hilfsmittelversorgung (HHVG) wurde im April 2017 verabschiedet. Eigentlich eine gute Nachricht für Brillen- und Kontaktlinsenträger. Denn darin wird geregelt, dass Patienten bei der Anschaffung einer neuen Brille mit finanzieller Unterstützung rechnen können. Bisher erhielten nur Kinder, Jugendliche und schwer Sehbehinderte eine Sehhilfe auf Rezept. Das neue Gesetz gilt nun erstmals auch wieder für Erwachsene, nachdem der Brillenzuschusses im Jahr 2004 abgeschafft wurde.

Die Begeisterung von Brandenburgs Optikern hält sich dennoch in Grenzen. Stefan Scharnbeck warnt vor Euphorie: „Der größte Teil der Brillenträger wird keinen Zuschuss erhalten“, sagt er. „Denn Sehhilfen mit solchen Werten sind selten“, sagt der Optiker, der Geschäfte in Werder (Potsdam-Mittelmark) und Potsdam betreibt. Das bestätigt Lars Wandtke vom Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) in Düsseldorf. „Laut unserer Schätzung kommen bundesweit nur etwa 1,4 Millionen Menschen in den Genuss der neuen Regelungen. Wir haben aber 40 Millionen Brillen- und Kontaktlinsenträger in Deutschland.“

Gesetz soll Patienten entlasten

Mit dem neuen Gesetz sollen die Patienten entlastet werden, die auf besonders teure Sehhilfen angewiesen sind. „Ab sechs Dioptrien wird eine Brille sprunghaft teurer“, sagt Lars Wandtke. „Bis zu sechs Dioptrien ist die Herstellung noch moderat“. Er hält das Gesetz für sinnvoll und begrüßt die Änderung.

Mit welcher finanzieller Unterstützung die Patienten künftig rechnen können, ist im Hilfsmittelverzeichnis vermerkt. Nach diesem richten sich alle Krankenkassen bundesweit. Die Zuschüsse orientieren sich dabei an Festbeträgen, die abhängig vom Dioptrienwert sind. Eine 6,25 Dioptrien starke Brille wird demzufolge mit zehn Euro pro Glas bezuschusst. Gleiches gilt für Linsen. „Es muss aber auch noch die Rezeptgebühr bezahlt werden“, sagt Heike Weinert, Sprecherin der Techniker Krankenkasse Berlin-Brandenburg. Die Rezeptgebühr beträgt zehn Prozent des Preises oder mindestens fünf Euro. „Im Endeffekt werden in diesem Beispiel wegen der Mindestgebühr nur noch 15 Euro zugezahlt.“

Doch je höher die Dioptrienzahl ausfällt, desto höher ist der Festbetrag. Der Höchstbetrag von 113,76 Euro wird bei einem Mehrstärken-Glas mit einem Dioptrienwert von plus oder minus 16 gezahlt.

Noch keine neuen Rezepte

Neue Rezepte für Kontaktlinsen oder Brillengläser hat Augenärztin Ingrid Wernecke aus Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) bisher noch nicht ausgestellt, doch das Interesse ihrer Patienten ist groß. „Bevor die neue Regelung kam, fragten mich viele danach. Aber da war das noch nicht spruchreif“, sagt Wernecke. Sie hält das Gesetz für sinnvoll. Ingrid Wernecke hat aber auch ohne die Sehhilfen-Reform genug zu tun. „Das Wartezimmer ist immer voll“, sagt sie. Im Land Brandenburg praktizierten zum 31. Dezember 2016 insgesamt 913 Augenärzte.

Einen Zuschuss erhalten Patienten mit mehr als 6,25 Dioptrien. Bei einer Hornhautverkrümmung bereits ab 4,25 Dioptrien.

Gleitsichtbrillen sind im Gesetz nicht berücksichtigt.


Voraussetzung für einen Zuschuss der Krankenkasse ist ein Rezept des Augenarztes.

Die Höhe des Zuschusses der Krankenkassen ist von den Dioptrien (dpt) abhängig. Dabei gelten die Festbeträge des GKV-Spitzenverbands. Die Vergünstigungen betragen zwischen 10 Euro (6,25 dpt) und 113 Euro (16,25 dpt).
Brillengestelle werden nicht bezuschusst.

Brillen von Kindern und Jugendlichen wurden auch vor der Reform bezuschusst. Volljährige konnten nur dann finanzielle Hilfe erhalten, wenn sie trotz Sehhilfe nur eine Sehleistung von weniger als 30 Prozent aufwiesen.

Eher mit Fragen als mit Rezepten konfrontiert, sieht sich auch Augenoptiker Stefan Scharnbeck. „Die Kunden wollen wissen, ab wann wer Anspruch auf einen Zuschuss zur Brille hat“, sagte er. „Das Gesetz wurde im Prinzip zu schnell gemacht.“ Die Festbeträge seien veraltet und stammten noch aus dem Jahr 2008. „Was ich meine wird deutlich, wenn man die Kosten für Butter von damals und heute vergleicht“, sagt er. Die Zuschusszahlungen seien wegen der Inflation und der gestiegenen Kosten für hochwertige Brillen, die inzwischen auch schon mal vierstellig ausfallen können, nicht ausreichend. Bis 2018 haben die Krankenkassen nun Zeit, die Beträge anzugleichen.

Von Lisa Neumann

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