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Die Erfolgsgeschichte eines Ost-West-Unternehmens

Tag der Deutschen Einheit Die Erfolgsgeschichte eines Ost-West-Unternehmens

Der eine hatte das Kapital, der andere die Kontakte: Der Ostdeutsche Rainer Beschorner und der Westdeutsche Werner Otto. Kurz nach der Wende gründen sie ein gemeinsames Bau-Unternehmen, das es heute noch gibt. In der MAZ erzählen sie, auf welch abenteuerlichem Wege sie zusammenfanden.

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Ost-West-Partner: Rainer Beschorner (r.) und Werner Otto.
 

Quelle: Bastian Pauly

Brandenburg/Havel.  Am Anfang steht das Ende. „Die DDR ist zusammengefallen“, sagt Rainer Beschorner und beginnt eine Geschichte, die er schon oft erzählen musste und trotzdem nicht an Reiz verliert. Wie er, der studierte Bauingenieur mit vielen Jahren Arbeitserfahrung beim VEB Tiefbaukombinat Potsdam, im Januar 1990 die „Gelben Seiten“ zur Hand nahm, um in Brandenburg/Havel ein Geschäft mit einem ausländischen Investor anzubahnen. Die Gelegenheit ist günstig, ist doch gerade die Gewerbefreiheit ausgerufen worden.

Der „Ausländer“, den Beschorner im Branchenverzeichnis für Hannover und Umgebung findet, heißt Werner Otto und ist Bauunternehmer. Ein Kaufmann alten Schlags, hineingeboren in eine Familie, die seit Generationen vom Unternehmergeist beherrscht wird. Selbiger ist in Beschorner mit dem Ende der DDR ausgebrochen. In dem Brief, den er neben Otto auch an zwei weitere Chefs schickt, schildert er seine Pläne, eine Firma für Tief- und Straßenbau zu gründen, und bittet um eine „Kapitalbeteiligung in Form von Maschinen und Geräten“.

Otto hat die Maschinen, Beschorner die Kontakte

Werner Otto ist der einzige, der antwortet. Die DDR kannte er nur von grau-tristen Fernsehaufnahmen.„Ich mache gerne mit. Machen Sie eins: Besorgen Sie einen Auftrag.“ In seiner Erinnerung hört es sich an, als wäre nichts weiter dabei gewesen. „Machen wir jetzt was Neues“, sagt der heute 77-Jährige. Ein Telefonat, ein gegenseitiger Besuch, Gespräche über das Finanzielle. Otto hat die Maschinen, Beschorner die Kontakte. Kurz nach der Währungsreform im Sommer 1990 gründen die Herren Beschorner und Otto ihre gleichnamige Firma – eine unternehmerische Ost-West-Beziehung, die bis heute Bestand hat.

Nun sitzen sie, kurz vorm Einheitstag, im firmeneigenen Flachbau in der Havelstadt und denken nach über das Damals und Heute. Aus der Neugründung mit anfangs sechs, sieben Mitarbeitern, sagen sie, sind heute zwei Firmen mit 80 Beschäftigten geworden, an den Standorten Brandenburg und Langenhagen bei Hannover. Fast alle Tiefbauaufträge kommen von der öffentlichen Hand, im Berliner Umland bauen sie an Häusern mit. 60 bis 80 sind es pro Jahr, dieses Jahr werden es wohl mehr, wie Rainer Beschorner schätzt.

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Aufbruchsjahre nach der Wende

Die niedrigen Zinsen haben die Hausbaukonjunktur angekurbelt, aber Werner Otto, der von jeher solide wirtschaftende westdeutsche Kaufmann, macht sich seine Sorgen um das Wohl des Bankenwesens. Statt billiger Kredite sähe er lieber überquellende Auftragsbücher, wie in den Aufbruchsjahren nach der Wende. Damals gab es noch sehr viel zu tun. Doch mit den Jahren sind immer mehr Konkurrenten vom Markt verschwunden. Otto hat es nicht verstanden, wie mancher neureiche Bauunternehmer im Osten sich kurz nach der Wende selbst gleich ein Prachthaus hinstellte. „Die ersten zwei, drei Jahre, da muss ich versuchen, erst mal den Betrieb zum Laufen zu bringen.“

Was Beschorner und Otto mit ihrer Firma geschafft haben, will gesellschaftlich noch immer nicht vollendet sein: die deutsche Einheit. Ob die beiden ein Vorbild sind? Darauf wollen sie sich gar nicht einlassen. „Da verstecken wir uns lieber“, sagt der Westdeutsche Otto. Wichtiger ist, dass es wirtschaftlich läuft, das ist Herausforderung genug. „Ums Überleben muss man immer kämpfen“, sagt der Ostdeutsche Beschorner. Wer einmal die Geschicke übernimmt, ist noch nicht klar, ans Aufhören wollen sie vorerst keinen Gedanken verschwenden. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt.

Einheitsfeier in Dresden

Zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober sieht Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) eine positive Entwicklung Brandenburgs als „wirtschaftlich erfolgreiches, weltoffenes und tolerantes Land“ – mit der niedrigsten Arbeitslosenquote seit 1990 und dem bundesweit drittbesten Wirtschaftswachstum. Der Bund dürfe diesen Aufholprozess nicht gefährden und müsse die Länder besser finanzieren.

Die zentrale Feier findet in Dresden statt. Neben Woidke werden auch märkische Ehrenamtler teilnehmen.

Von Bastian Pauly

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