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Brandenburg Die Feuermelder von Wünsdorf
Brandenburg Die Feuermelder von Wünsdorf
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01:16 02.06.2018
Auf den Bildschirmen im Behördenzentrum wird jeder Hektar sorgsam überwacht. Quelle: Fotos: Ulrich Wangemann
Wünsdorf

Der rote Balken erscheint auf einem der Bildschirme um 12.30 Uhr, kurz vorm Mittagessen. Alarm. 30 Kameras überwachen vier Landkreise im Süden des Landes. Eine von ihnen hat in der Nähe von Baruth Veränderungen am Himmel festgestellt. Den Alarmton haben die Mitarbeiter ausgeschaltet. Es würde den ganzen Tag brummen in der Walbrandzentrale der Forstverwaltung Wünsdorf (Teltow-Fläming). 600 Auffälligkeiten pro Tag melden die elektronischen Augen.

Drei Minuten später rasen Löschzüge aus mehreren Orten über die sommerlichen Alleen zielgenau auf die Rauchsäule zu. Die Diensthabenden aus dem Überwachungsraum in der Forstverwaltung haben den Ausbruchsort berechnet und die Koordinaten übermittelt. Damit haben die fünf Forstbediensteten ihren Job eigentlich gemacht. Mission erfüllt.

Aber eine Stunde später ist alles anders. Die ruckelnden Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf den Bildschirmen im Einsatzraum gleichen historischen Bildern vom Angriff der japanischen Luftstreitkräfte auf Pearl Harbor im Zweiten Weltkrieg.

Ein Drittel aller Waldbrände in Deutschland ereignet sich in Brandenburg, die Europäische Union klassifiziert das Bundesland als Gebiet mit hohem Waldbrandrisiko. Kein Wunder bei 1,1 Millionen Hektar Wald in einer der regenärmsten Regionen Deutschlands.

In den Wäldern steckt Munition

Auf der Warnmeldung, die Schichtleiter Wilfried Pasewald ausgedruckt hat, prangt ein Signalwort: Kampfmittel. Die Feuerwehren müssen verdammt vorsichtig sein, wenn sie sich der Ausbruchsstelle nähern. Denn in den Wäldern südöstlich von Berlin steckt noch viel Munition im Boden.

Tiefschwarzer Rauch quillt aus dem märkischen Forst, ein kräftiger Wind bläst die Rauchwolke schräg übers Land. „So weit sollte es eigentlich nicht kommen“, sagt Pasewald und blickt besorgt auf die Monitore. Jetzt brennen schon zweieinhalb Hektar, und das nur etwa einen Kilometer entfernt von einem großen Gewerbegebiet, wo Türen und Laminat-Bodenbeläge gefertigt werden. Dort lagern geschälte Kiefernstämme auf riesigen Stapeln. Noch näher dran am Brandgeschehen: Die Gas-Verdichterstation Radeland – dort verläuft die Pipeline Opal. Ein Löschzug hat sich im Sand festgefahren, berichtet der Schichtleiter. Nun wirken alle doch ein wenig nervös.

Brandenburgs Waldbrand-Meldesystem „Fire Watch“ sucht deutschlandweit seinesgleichen. Manchmal kommen Gäste aus den Vereinigten Staaten, um sich die Kameratechnik anzusehen. 109 optische Sensoren scannen von Frühling bis Herbst die enormen Waldflächen des Bundeslandes und schlagen Alarm, sobald sich etwas am Himmel verdüstert. 2002 wurde die erste automatische Senderanlage installiert. Von März bis Oktober drehen sie sich alle paar Minuten einmal um die eigene Achse und schicken Schwarz-Weiß-Aufnahmen in die regionalen Kontrollzentren.

Von 1960 bis 2001 überwachten noch Forstarbeiter den Horizont von 30 Meter hohen Betontürmen aus. Im März saß man in dicken Decken in den Türmchen, im August schwitzten Brandenburgs menschliche Feuermelder in den nicht klimatisierten Kanzeln ihre Uniformen durch. „Das Klo war der Wald“, sagt Manfred Berg, ein gemütlicher Mann mit Schnurrbart, der schon ewig dabei ist. Wie angenehm fühlt sich dagegen die Arbeit im klimatisierten Bürokomplex an. Stressig ist die trotzdem, sagt Berg.

Wenn Waldbrandstufe fünf herrscht, starren die fünf Diensthabenden zehn Stunden lang auf Bildschirme. Einen Bounty-Riegel hat sich Berg zurechtgelegt. Es wird eine lange Schicht. In allen vier Landkreisen des Wünsdorfer Einzugsbereichs herrscht die höchste Waldbrandstufe.

Vor der Einfahrt zur Gasverdichterstation – mitten im Wald – haben Feuerwehrleute derweil Position bezogen, eine Leitung ans Wassernetz der Gasfirma angeschlossen und tanken jetzt im Fünf-Minuten-Abstand Feuerwehrfahrzeuge auf, die dann wieder mit Blaulicht in den Wald rauschen. Sogar die Flughafenfeuerwehr aus Cottbus hat ihr eckig-futuristisches Löschfahrzeug geschickt. Hinter dem Gaswerk wabert eine giftig ockerfarbene Rauchwolke über den Wipfeln der Kiefern. Fangen sie Feuer, brennen die mit ätherischen Ölen getränkten Nadeln wie Fackeln.

Viele Warnungen sind falsch

„Wenn wir Waldbrandstufe vier oder fünf haben, brennt es eigentlich fast jeden Tag“, sagt Waldbeobachter Berg. Dennoch sind die meisten Warnungen Fehlalarm: Meist sind es Windkrafträder, die sich in die Windrichtung drehen, der aufgewirbelte Staub von trockenen Äckern oder die Kühlwasser-Dampffahnen aus den Braunkohlekraftwerken im Süden des Bundeslandes, die die Sensoren narren. „An guten Tagen können wir bis zu 80 Kilometer weit sehen“, sagt Berg.

Dass Berg und seine Kollegen vom Meldezentrum jede qualmende Fichte in diesem riesigen Bundesland im Blick haben, ist eine zivilisatorische Errungenschaft, die man gar nicht hoch genug einschätzen kann.

Rund 40 Hektar Wald sind in Brandenburg seit Jahresbeginn in Flammen aufgegangen. Schwerpunkte waren bislang der 25. und 29. Mai, sagt Michael Kopka von der Forstverwaltung.

Wie schwierig das trockene Frühjahr für die Wälder und damit für die Feuerwehrleute ist, zeigt der Vergleich: Bis Mai 2017 hatte es nur 47 Waldbrände im Land gegeben, aktuell sind es bereits 108. In 90 Prozent der Fälle ist der Mensch Verursacher. Weggeworfene Zigarettenkippen, heiße Autokatalysatoren, die beim Parken am Waldrand trockenes Gras in Brand setzen, achtlos weggekippte Grillkohle.

Es geht aber schlimmer: Im Kreis Oberhavel gab es 2017 30 Waldbrände. Forstverwalter Kopka sagt: „Wir sind sicher, dass es noch einen Feuerteufel gibt. Einer wurde ja dingfest gemacht.“ Warum es bei Baruth brennt, weiß noch niemand genau. Gegen 16:30 Uhr zieht ein Gewitter über dem Gewerbegebiet auf, Tropfen klatschen auf den Asphalt und verdunsten augenblicklich. Die große Erleichterung bleibt aus. Der Deutsche Wetterdienst macht den Brandbekämpfern noch keine allzu großen Hoffnungen: Waldbrandstufe fünf bleibt in Teltow-Fläming, Märkisch-Oderland, Dahme-Spreewald und Oder-Spree in Kraft. Am Abend meldet die Feuerwehr, der Brand sei gelöscht.

Von Ulrich Wangemann

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