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Brandenburg Die Garnisonkirche: Das Zeichen von Potsdam
Brandenburg Die Garnisonkirche: Das Zeichen von Potsdam
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00:18 02.11.2017
Festgottesdienst zum Baustart des Garnisonkirchturms in Potsdam. Quelle: epd
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Potsdam

Der Bagger steht, der Bauplan auch, der Gottesdienst sollte nun den Auftakt bilden für ein neues Kapitel in der Potsdamer Geschichte. Für viele Potsdamer war der Auftakt für den Wiederaufbau des Garnisonkirchturms ein freudiges Ereignis: Die Debatte ist abgeschlossen, das Geld ist zumindest vorerst zusammen und die gefühlte und offensichtliche Wunde der Stadtgeschichte kann geschlossen werden. Doch das sehen eben nicht alle so – und das ist auch in Ordnung.

Dieser Potsdamer Streit ist anders. Es geht hier nicht einfach um ein weiteres Bauwerk in der architektonischen Auferstehung der hübschen, historischen Fassade der Stadt. Es geht hier nicht um ein „Ja“ oder „Nein“ zur DDR-Architektur, nicht (nur) um die Frage, wer Raum hat in dieser Stadt. Auf diesen wenigen Quadratmetern matschigen Bodens kulminiert die deutsche Geschichte, die Brandenburgs Hauptstadt eben ganz besonders zeichnet: Vom Soldatenkönig bis zu Hindenburg, Hitler und Walter Ulbricht – ein Ort geballter Historie. „Heuchler!“, „Schande“, „Feinde der Demokratie“: So schallte es den Gottesdienstfeiernden am Sonntag entgegen. Und trotzdem sendet Brandenburgs Landeshauptstadt in diesen Tagen ein Zeichen von Frieden und Freiheit aus. Nicht nur wegen dieser symbolbeladenen Kirche. Aber auch.

Versöhnung und Verantwortung

Ob bei der Eröffnung der DDR-Kunstschau im Museum Barberini, ob bei den Feierlichkeiten zum 500-jährigen Reformationsjubiläum oder dem Festgottesdienst für die Garnisonkirche, es ist ein Gedanke, der diese Ereignisse verbindet: Versöhnung und Verantwortung. Um Erinnerungskultur, so zeigt sich in diesen Tagen, muss sich eine Gesellschaft aktiv bemühen. Und dabei Diskussionen, Kontroversen und auch Proteste aushalten. Geschichte lässt sich nicht heilen – auch nicht mit einem Kirchturm oder mit einer Kunst-Ausstellung. Geschichte kann aber durch Sichtbarmachung neu gedeutet werden – und so werden die alten Botschaften vielleicht sogar überschrieben. Gerade mit historisch belasteten Gebäuden ist das in der Geschichte der Bundesrepublik immer wieder gelungen.

Das ist die große Chance, die nun auch dem Wiederaufbau des Garnisonkirchturms innewohnt. Dafür gibt es aber mehrere Bedingungen: Die zwiespältige Historie muss wirklich kritisch erlebbar werden – dieser Aspekt muss im Vordergrund stehen. Ein bloßer, hübscher Aussichtsturm, der Touristen für schöne Fotos dient, wird diesem Ort nicht gerecht. Dass der Platz an der Breiten Straße zukünftig nicht zum Wallfahrtsort für Nationalisten und Militaristen wird, ist eine Aufgabe, die Potsdam gemeinsam bewältigen muss: Stadt, Stiftung und auch die Bürger selbst. Die Deutungshoheit darf nicht anderen überlassen werden.

Dazu gehört auch, dass die Kritik der Gegner (weiterhin) ernst genommen wird. Streit jedoch, so sagte es Altbischof Wolfgang Huber in seiner Predigt am alten und neuen Standort der Garnisonkirche, ist nur dann glaubwürdig, wenn man einander auch zuhört. Das ist beim Gottesdienst am Sonntag nicht gelungen: Stinkbomben, Gebrüll selbst während des Vaterunsers und wüste Beschimpfungen sind keine legitime Form des Protests.

Gewissensfreiheit feiern

Am Dienstag wird bundesweit das Reformationsjubiläum gefeiert: Vor 500 Jahren trat Martin Luther für seine Überzeugungen ein und ein neues Verständnis von Freiheit prägt seither unsere Gesellschaft. Die Gewissensfreiheit, die auch beinhaltet, die Freiheit des anderen zuzulassen. Auch das feiern wir – weil Dialog und Kontroversen unsere Gesellschaft ausmachen.

Von Hannah Suppa

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