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Die Gigaliner erobern Brandenburg

Verkehr Die Gigaliner erobern Brandenburg

25 Meter lang und 44 Tonnen schwer: XXL-Laster sollen bald auch durch Brandenburg rollen. Lange Jahre hegte das Land Zweifel, doch die scheinen nun zerstreut. Kritiker halten das für ein fatales Signal und warnen vor Unfällen, maroden Straßen und hohen Kosten.

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Länger, aber nicht schwerer als konventionelle Lastwagen: Gigaliner werden 2016 auch über märkische Straßen fahren. Technisch sind sie sogar für eine Ladung von 60 Tonnen ausgelegt.

Quelle: dpa

Potsdam. Gigaliner? Für Eberhard Tief steht der Begriff unter Ideologieverdacht. Der Chef des Landesverbandes des Berliner und Brandenburger Verkehrsgewerbes (LBBV) spricht lieber von „Lang-Lkw“ – dabei haben sich die „Gigaliner“ längst im allgemeinen Sprachgebrauch eingebürgert.

2016 rollen XXL-Laster durch Brandenburg

Die Branche hat es schon lange so gewollt, jetzt schaltet auch Brandenburgs rot-rote Landesregierung die Ampeln auf Grün: Die Monstertrucks von bis zu 25,25 Metern Länge – siebeneinhalb Meter mehr als ein herkömmlicher Sattelzug – kommen auch nach Brandenburg. Das Land hat dem Bund die Strecken gemeldet, auf denen die XXL-Laster erprobt werden sollen.

Ab 2016 könnten die ersten Lang-Lkw auf märkischen Straßen unterwegs sein. Dabei hatte hierzulande lange die Skepsis gegenüber des seit 2012 laufenden Feldversuchs im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums überwogen. Noch 2013 war von einem falschen verkehrspolitischen Signal und Sicherheitsbedenken die Rede.

Brandenburgs Infrastrukturministerium lenkt ein

Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) begründet den Richtungswechsel mit dem positiven Zwischenbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast). Lang-Lkw, die in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern versuchsweise rollen, hätten bislang an der brandenburgischen Landesgrenze Halt machen müssen. „Man kann die Realitäten nicht ausblenden“, sagt Schneider. „Da wir als Logistikregion auch von dem wachsenden Seehafenhinterlandverkehr profitieren, ergibt es keinen Sinn, sich dem Feldversuch zu verschließen.“

Der Verkehrsexperte der CDU-Fraktion im Landtag, Rainer Genilke, spricht von einer „völlig neuen Einsicht“. In anderen europäischen Ländern, etwa in Schweden, seien Laster mit Überlänge längst Standard. „Wir können das steigende Güterverkehrsaufkommen nicht auf der Schiene bewältigen“, sagt Genilke. Zumal die Bahn für „Just-In-Time“-Transporte, bei denen nur so viel geliefert wird, wie tatsächlich gebraucht, zu unflexibel sei.

16 Prozent Kostenvorteil für Logistikfirmen

Für das Logistikgewerbe rechnen sich die Laster, die zwar länger sind als konventionelle, aber mit höchstens 44 Tonnen nicht schwerer. Das größere Volumen birgt laut Bast-Zwischenbericht einen Kostenvorteil von gut 16 Prozent. Die Spritkosten je Ladetonne sinken um 25 Prozent, zwei lange ersetzen drei kurze Lastwagen, Sicherheitsbedenken haben sich nicht bestätigt.

„Das ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll“, sagt LBBV-Chef Tief. Durch die geringere Achslast schonen die Riesenlaster sogar Brücken und Straßen, wie der Feldversuch die Skeptiker eines Besseren belehrt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) scheint sich schon vor Abschluss des Testlaufs in einem Jahr festgelegt zu haben: Er plädiert für einen Regelbetrieb der Lang-Lkw.

Grüne warnen vor Unfällen, maroden Straßen und hohen Kosten

Die Kritiker hingegen sehen längst nicht alle Zweifel beseitigt. Autofahrer sind Umfragen zufolge skeptisch, dass es etwa auf stark befahrenen Autobahnen künftig noch enger wird. Davor warnt auch Brandenburgs Grünen-Verkehrsexperte Michael Jungclaus, der Wettbewerbsnachteile für die Schiene fürchtet. Er erwartet, dass die Logistikfirmen in der Aussicht auf erkleckliche Gewinne noch mehr Riesenlaster auf die Straßen bringen, während Unfallgefahr und Straßenverschleiß zunehmen. „Hier werden wirtschaftliche Vorteile für Unternehmen auf Kosten der Allgemeinheit erkauft“, sagt Jungclaus. „Letztlich bezahlt der Steuerzahler die flexiblen Lagerräume auf den Straßen.“

Brandenburg ist das 13. Bundesland, das sich an dem Feldversuch beteiligt. Bislang haben vier Unternehmen ihr Interesse bekundet. Die gut 175.000 Euro teuren Laster, die stärker motorisiert sind, müssen sie selbst anschaffen.

Übrigens: Die Markenbezeichnung„Gigaliner“ hat einst der Lastwagen-Hersteller Krone für eines seiner Fabrikate eingeführt. Doch den Begriff halten mittlerweile selbst die Befürworter für verbrannt.

Von Bastian Pauly

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