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Brandenburg Die Häuserretter aus der Uckermark
Brandenburg Die Häuserretter aus der Uckermark
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00:24 08.03.2018
Die Häuserretter Kiri Westphal und Mats Ciupka. Quelle: Volkmar Krause
Oderberg

„Wenn das Haus verschwindet, wäre das ein Verlust für uns alle“, sagt Kiri Westphal. Der Fachwerkbau in der Berliner Straße 20 in Oderberg (Barnim) steht seit 25 Jahren leer und ist in einem beklagenswerten Zustand. Aber die Architektin Westphal und der Zimmermann Mats Ciupka haben ein Gutachten angefordert und so erreicht, dass der Abrissantrag gestoppt und das zweitälteste Gebäude des 2250-Einwohner-Städtchens einen Status als Einzeldenkmal erhalten hat. Westphal und Ciupka, die auch privat ein Paar sind, haben die Initiative „Die Häuserretter“ gegründet. Ihr Ziel: So viele historische Gebäude im Barnim und in der Uckermark wie möglich vor dem Abriss zu retten, Bauunterlagen zu beschaffen und den Besitzern Hilfe bei der Sanierung zu leisten. Die Wahl-Uckermärker – sie stammt vom Bodensee und er aus Berlin – erfüllen sich in Gellmersdorf selbst Stück für Stück den Traum vom Landleben auf einem 300 Jahre alten Bauernhof.

Auch dieses Haus soll gerettet werden. Quelle: Volkmar Krause

„Wenn ein historisches Gebäude fällt, dann fällt auch das nächste und die Orte verlieren ihre Identität“, sagt Ciupka. Ganz Oderberg müsse zum Sanierungsgebiet werden, um den Abriss alter Bausubstanz zu verhindern. Aber die Realität sieht anders aus. Oderberg ist trotz seiner idyllischen Lage an der Wriezener Alten Oder hoch verschuldet. Die Stadt – sie verlor 2009 den Amtssitz an Britz – konnte nicht mal das privatisierte Rathaus zurückkaufen, um es etwa als nötige Schulerweiterung zu nutzen.

Angst vor hohen Sanierungskosten oft unbegründet

„Die Stadt braucht einen Schuldenschnitt.“ Ciupka redet sich schnell in Rage, schimpft auf die Verwaltungen, Grundstückspekulanten und die Ignoranz von Hausbesitzern. Die Angst vor den hohen Sanierungskosten sei oft unbegründet. „Abriss und Wiederaufbau sind meist teurer“, sagt der Zimmermann. Er fordert, dass das Land die Mittel für den Denkmalschutz von jetzt einer auf mindestens fünf Millionen Euro aufstockt.

Die Häuserretter ecken oft auch an, etwa wenn sie Transparente zur Rettung alter Gemäuer aufspannen. Nicht jeder versteht die Mission des Paares. „Vielen Leuten ist nicht klar, welchen Schatz sie im Ort haben“, sagt Westphal. Es gebe ein weit verbreitete Aversion gegen den Denkmalschutz mit seinen Auflagen. „Wir zeigen den Leuten, dass Rettung möglich ist.“

Fachbereiche unbesetzt

50 Vollzeitstellen wurden dem Landesamt für Denkmalpflege seit 2000 gestrichen. Es hat noch 74 Mitarbeitet. Laut Chefdenkmalpfleger Thomas Drachenberg sind manche Fachbereiche, etwa die technische Denkmalpflege, äußerst dünn besetzt und einige gar nicht.

Das Land Brandenburg mit seinen fast 1000 Kirchen leistet sich nicht einmal mehr einen Orgelsachverständigen.

Das Kulturministerium hofft für den neuen Doppelhaushalt auf mindestens 25 zusätzliche Stellen.

Viele Schlösser, Herrenhäuser und technische Denkmale sind in Not.

Im Vorjahr stellte das Land für ihre Erhaltung eine Million Euro bereit. Viel zu wenig, wie Experten sagen.

Die Häuserretter fahren durch Brandenburgs Nordosten auf der Suche nach Gebäuden, denen das Ende droht. Sie treffen meist auf jahrelangen Verfall, auf kaputte Dächer, bröckelnden Putz und modrige Balken. Wo sich andere abwenden, ist der Ehrgeiz von Westphal und Ciupka entfacht, wie bei dem Vorlaubenhaus in Lüdersdorf (Barnim). Das Typische daran: Das Erdgeschoss ist zurückgesetzt und zur Straße hin offen, senkrechte Balken tragen den Bau. Es gibt nur noch wenige solcher Fachwerkgebäude, die einst dorfprägend waren. Auch hier war der Abriss möglich, aber mit Hilfe von Landeskonservator Thomas Drachenberg konnte er abgewendet werden. Seit Baubeginn 2015 sind 400 000 Euro in die detailgetreue Sanierung geflossen – Geld des Besitzers und Denkmalmittel. In zwei bis drei Jahren soll das Haus fertig sein, vielleicht wird es für Veranstaltungen genutzt. „Dann kommen auch Touristen“, hofft Ciupka.

Fünf unentgeltliche Dacheinsätze der Häuserretter

Wenn es Not tut, steigt der Zimmermann auch schon aufs Dach, um auf eigene Kosten zu retten, was noch zu retten ist. So reparierte er mit Gleichgesinnten Löcher im Dach des alten Bahnhofs in Landin (Uckermark). Der Zug von Schwedt nach Angermünde hält hier nicht mehr, seit 1995 verwahrlost das 130 Jahre alte Gebäude, obwohl es unter Denkmalschutz steht. „Privatleute und Gemeinden bekommen Auflagen, wenn sie ein Denkmal nicht sichern, die Bahn offenbar nicht“, ärgert sich Ciupka. Die Gemeinde hab Zuzug, aber von einer Ertüchtigung des Haltepunkts wolle die Bahn nichts wissen. „Verwahrlosung müsste verboten werden.“ Allein im vergangen Herbst haben die Häuserretter fünf unentgeltliche Dacheinsätze gestartet, oft sogar unbemerkt. „Ein kleines Loch kann den Untergang des ganzen Hauses einleiten“, sagt Ciupka.

Untergang eines 150 Jahre alten Schlosses

Im Ortsteil Hohenlandin ist der Untergang eines imposanten Bauwerks in vollem Gange. Das im Tudorstil errichtete 150 Jahre alte Schloss überlebte zwei Weltkriege, nicht aber die DDR-Zeit. Kein Dach mehr, eingestürzte Treppenhäuser, feuchte Wände – morbider Charme inmitten eines Parks, den einst Peter Joseph Lenné anlegte. Hier müssen auch die Häuserretter dem Verfall ohnmächtig zusehen. Die Gemeinde als Besitzer hat kein Geld für die Sanierung. „Bei einer Anlage von solchem kulturhistorischen Wert müsste das Land in Vorleistung gehen. In Potsdam werden Schlösser neu gebaut und hier verfallen sie“, sagt Häuseraktivist Ciupka.

Die Vorsitzende des Kulturausschusses im Landtag, Marie Luise von Halem, unterstützt die Initiativen der Häuserretter. „Baukultur ist wichtig für die nachfolgenden Generationen.“ Die Grünenpolitikerin fordert von der Landesregierung eine bessere Ausstattung der Denkmalschutzbehörden und eine Aufstockung der finanziellen Mittel.

Von Volkmar Krause

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