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Die Havel wird für Großschiffe ausgebaggert

Lückenschluss im Einheitsprojekt Die Havel wird für Großschiffe ausgebaggert

Der vor mehr als 20 Jahren beschlossene Ausbau der Havel hatte viele Kritiker auf den Plan gerufen und viele Juristen beschäftigt. Nun steht der letzte Bauabschnitt bevor: Auf 22 Kilometern soll der Fluss zwischen Ketzin und Brandenburg an der Havel vertieft werden. Die Planer mussten ihr Projekt deutlich abspecken.

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Künftig sollen mehr und größere Schiffe auf der Havel fahren: Zwischen Ketzin und Brandenburg wird die Havel ausgebaggert und im Schnitt um 20 Zentimeter vertieft.

Quelle: imago

Potsdam. Die Befürchtungen waren groß, die Proteste ebenso: Manche sahen das preußische Weltkulturerbe in Gefahr, andere bangten um Biber und Bäume. Der vor mehr als 20 Jahren beschlossene Ausbau der Havel hatte viele Kritiker auf den Plan gerufen und viele Juristen beschäftigt. Nun steht der letzte Bauabschnitt zwischen Ketzin und Brandenburg/Havel bevor, und im zuständigen Wasserstraßen-Neubauamt von Berlin ist man froher Dinge. „Wir haben dazu gelernt“, lautet die Botschaft. Von den ursprünglichen Plänen, den 22 Kilometer langen Havelabschnitt für große Schiffe zu verbreitern, Ufer abzubaggern und reihenweise Bäume zu fällen, ist man abgerückt.

Sanfte Vertiefung statt gefällter Bäume

„Wir verzichten auf eine Verbreiterung, es gibt nur eine Vertiefung“, erklärt Rolf Dietrich, Chef des Wasserstraßen-Neubauamts. Ein sanfter, umweltfreundlicher Ausbau sei das im Vergleich zu den ursprünglich geplanten Eingriffen, sagt er. Die verschlungene Havel soll auf eine Tiefe von 3,20 Meter ausgebaggert werden, an engen Stellen – etwa an den bereits im 19. Jahrhundert angelegten Durchstichen – auf 3,50 Meter.

„Im Schnitt müssen wir dazu nur etwa 20 Zentimeter Sedimente im Flussbett abtragen“, erklärt Dietrich. „Das ist nur ein minimaler Eingriff, im Prinzip ist das wie Zähneputzen.“ Jetzt beginnt die Genehmigungsphase: In wenigen Tagen soll der Antrag auf Planfeststellung eingereicht werden.

Lückenschluss im Einheitsprojekt von 1992

Ein gigantisches, 1992 in die Wege geleitetes Vorhaben geht damit in die Schlussphase: das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 17, das den Ausbau der Wasserstraße von Hannover bis Berlin auf 280 Kilometern zum Ziel hat. Mehr als zwei Milliarden Euro sind für das Projekt veranschlagt. Die Vertiefung der Flusshavel ist der letzte große Bauabschnitt, der Lückenschluss, um den größeren Schiffsverkehr vom Rhein bis Oder zu gewährleisten. 26 Millionen Euro sind hierfür veranschlagt.

Bundesverwaltungsgericht kassierte die Pläne zum Teil

Das Planfeststellungsverfahren wird gute zwei Jahre dauern, Baubeginn ist wohl frühestens 2019. Mit größeren Widerständen und gerichtlichen Auseinandersetzungen rechnet Dietrich nicht mehr. Denn die Planer haben die Leitsätze des Bundesverwaltungsgerichts von 2010 beherzigt, das damals nach heftigen Protesten teilweise die Pläne für den Ausbau des Sacrow-Paretzer Kanals zwischen Potsdam und Ketzin kassiert hatte. Umweltschützer hatten gegen die Verbreiterung geklagt und Recht bekommen. Die Pläne wurden deutlich abgespeckt.

„Wir werden nur die Ufer anfassen, die schon zuvor befestigt waren“, erklärt Caroline Heine, die zuständige Sachbereichsleiterin des Projekts. Die 43-jährige Diplomingenieurin ist derzeit bereits mit dem Ausbau des Sacrow-Paretzer Kanals beschäftigt, der Anfang 2018 fertiggestellt sein soll. Ein gutes Jahr später sollen die Bagger für den letzten Bauabschnitt anrücken.

„Wir erneuern das Deckwerk, bauen es mit Steinen neu auf“, erklärt sie. Dann sollen die sanierten Uferbereiche wieder schnell begrünt werden. „Wir werden dazu heimische und geschützte Pflanzen nutzen.“

Freie Fahrt für moderne Schiffe

Der Ausbau der Havel ist laut Rolf Dietrich nötig, damit die modernen, größeren Schubverbände die Ost-West-Achse nutzen können. Sie sind mit 185 Metern 20 Meter länger als die heutigen Havelschiffe. „Die Preise werden sinken, die Häfen werden wettbewerbsfähiger, und der Transport auf dem Wasser ist umweltfreundlicher als auf der Straße“, so Dietrich. Die großen Schiffe werden aber auch nach der Vertiefung geduldige Kapitäne brauchen: Aneinander vorbei fahren können die Schiffe künftig, anders als einst geplant, weiter nur an wenigen Stellen – auch das ein Zugeständnis an die Bedenken der Umweltschützer.

Am Mittwoch, 20. April, findet um 17 Uhr im Stadthaus von Ketzin eine Informationsveranstaltung statt. Am 9. Mai informiert das Wasserstraßen-Neubauamt dann um 17:30 im Rolandssaal in Brandenburg/Havel.

Von Torsten Gellner

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