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Die Kommissare des Märkischen Waldes

Forstkompetenzzentrum Eberswalde Die Kommissare des Märkischen Waldes

Der Märkische Wald gilt als hohes Gut für das Land Brandenburg. Seinem Schutz hat sich das Kompetenzzentrum Forst in Eberswalde verschrieben. Immer mehr kränkelnde Sträucher oder sogar ganze Baumstämme erreichen die Experten des Waldschutzteams, die dadurch immer wieder neue Schädlinge und Stressfaktoren ausmachen.

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Brandenburgs Erzieherinnen arbeiten am Limit

Michael Luthardt, Jörg Müller und Jan Engel vom Kompetenzzentrum Forst untersuchen den Baum.

Quelle: Luise Fröhlich

Eberswalde. „Die Kiefer ist eine richtige Brandenburgerin“, sagt Michael Luthardt, der das Kompetenzzentrum Forst in Eberswalde leitet. Hart im Nehmen und genügsam sei die Baumart, die Brandenburgs Waldlandschaft wie keine andere in Deutschland prägt. Wenn es ihr schlecht geht, rücken die Forstarbeiter des Kompetenzzentrums an und untersuchen sie zum Beispiel auf Schädlingsbefall. Dafür gibt es eine Art Spezialeinheit: das Waldschutzteam, deren Arbeit ein wenig an die Spurensuche im Sonntagskrimi erinnert.

Zehn Mitarbeiter bilden derzeit das Waldschutzteam, das landesweit im Privat- und Bundeswald unterwegs ist. Erst kürzlich erreichte das Forstkompetenzzentrum ein Paket aus Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald). Im Inneren des großen Kartons steckte ein ganzer Baumstamm. „Ein Waldbesitzer erzählte uns, dass sein Baum von Raupen befallen ist. Also haben wir ihn gebeten, die betroffenen Stellen zu uns zu schicken“, erklärt Jan Engel, der für Forstpolitik und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Solche Pakete sind keine Einzelfälle. Im Jahr 2014 kamen 134 Pflanzenproben an – 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Für die kränkelnden Stämmchen und Äste geht es zuerst unters Mikroskop. „Es werden Proben genommen und verschiedene Pilze in Petrischalen angezüchtet, um den Schädling genau bestimmen zu können“, so Jan Engel. Häufige Diagnosen waren die Schwarze Eichenfäule, der Pilz „Fusarium“ oder der Wurzelschwamm, der ganzen Kieferbeständen gefährlich werden kann.

Hitze und Trockenheit stresst die Bäume

In enger Zusammenarbeit mit den einzelnen Revierförstern erstellen die Mitarbeiter des Forstkompetenzzentrums die jährlichen Waldzustandsberichte und führen im Abstand von zehn Jahren die sogenannten Waldinventuren durch. Dabei wird aber nicht jeder einzelne Baum in Brandenburg gezählt. „Das wären viel zu viele“, sagt Detlev Keil, Mitarbeiter der Waldinventur. In einem vorher festgelegten Probekreis messen und berechnen die Forstarbeiter das Volumen, den Holzvorrat, die Höhe und den Stammumfang der Bäume. Mit einer Leiter klettern sie in die Baumkronen, um die Verlichtung, also den Nadel- oder Blattverlust, zu ermitteln. Manchmal schießen sie sogar mit der Armbrust, natürlich nicht auf tierische Waldbewohner, sondern auf die hoch hängenden Zweige. Mithilfe dieser Stichproben wird der Zustand der restlichen Waldflächen berechnet. Einzelne Flächen beobachten die Forscher auch dauerhaft und können mithilfe von Kameras, die auf dem ganzen Gelände verteilt sind, Veränderungen frühzeitig erkennen. Dort ist auch jeder Baum nummeriert.

Leiter des Zentrums, Michael Luthardt

Leiter des Zentrums, Michael Luthardt

Quelle: Luise Fröhlich

„Aktuell befinden sich die Bäume wegen der langen Trockenheitsphase in einer Stresssituation“, erklärt Michael Luthardt. „Gegen Hitze können wir kaum was tun. Anders als bei Insekten- oder Pilzbefall“, sagt der 57-Jährige. Dank der modernen Waldüberwachung habe es in den letzten zehn Jahren keine großen Schäden mehr gegeben. Damals hatte man über 40 000 Hektar Wald, der von Nonnenfraß befallen war, mit Insektenvernichtungsmitteln beflogen. „Wir bekämpfen die Insekten nur auf diese Weise, wenn es wirklich nötig ist“, betont Luthardt. Abgesehen vom Klimastress, dem die Bäume seit einigen Jahren ausgesetzt sind, habe sich der Zustand des Waldes verbessert, bestätigt auch Detlev Keil. „Steigende Temperaturen sorgen für eine längere Vegetationszeit. Den Bäumen fehlt dadurch die Winterruhe und sie werden anfälliger für Schädlinge“, erklärt er. Der Waldzustand kann sich jährlich ändern, eine Prognose sei also nicht möglich, so Keil.

Drohen machen Bilder aus der Luft

Den Wald aus der Luft zu betrachten, erleichtert die Arbeit der Teams im Kompetenzzentrum zwar mittlerweile, kann die Mitarbeiter jedoch nicht ersetzen. „Waldforschung muss auch im Wald stattfinden“, sagt Jan Engel. Fernerkundungsdaten seien zwar wichtig, je nach Weite der Fragestellung, können aber nur durch die menschliche Arbeit am Boden vervollständigt werden. Auf diese Weise könne man immer wieder neue Erkenntnisse gewinnen, „dass Bäume unter Angstschweiß leiden, zum Beispiel“, sagt Michael Luthardt. Über eine Manschette um den Stamm konnte herausgefunden werden, dass der Baum unter Stresseinwirkung, wie extremer Hitze oder Kälte, mehr Gas ausströmt als normalerweise.

Das Kompetenzzentrum überwacht nicht nur den Wald, sondern auch seine Bewohner. So kontrollieren sie zum Beispiel die Wirksamkeit von Grünbrücken, die das Wild sicher über Autobahnen oder Bundesstraßen führen sollen. Derzeit sind Infrarot-Kameras an der A13 und A9 angebracht. Diese haben zuvor bereits einen Elch auf einer Grünbrücke bei Teupitz (Dahme-Spreewald) und einen Wolf bei Joachimsthal (Uckermark) aufgenommen. „Wir prüfen, wie das Wild die Brücken annimmt und welche Arten sie benutzen“, erklärt Jan Engel.

Das Zentrum und sein Leiter

Das Forstkompetenzzentrum ist in drei Kernbereichen tätig: Dienstleistung, Monitoring und Forschung.

Die Mitarbeiter halten und pflegen die Daten für den Landesbetrieb Forst und sind in Kontakt mit den Waldbesitzern und Privatpersonen, die sich mit Problemen an die Experten wenden. Das Monitoring umfasst die forstliche Umweltbeobachtung aller Waldflächen. Die Forschung des Zentrums kennzeichnet sich durch Praxisorientiertheit und Lehre an einem Ort.

In Eberswalde ist mit dem Forstkompetenzzentrum eine 140-jährige Tradition zu Hause. Seit der Gründung der Hauptstation für das Forstliche Versuchswesen im Jahr 1871 gibt es die forstliche Forschung an diesem Standort.

Michael Egidius Luthardt ist seit November 2014 Leiter. 30 Jahre zuvor begann dort seine Karriere, nachdem er eine dreijährige Lehre zum Forstfachwirt in Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern) und anschließend ein Forstwirtschaftsstudium absolviert hatte. Nach der Wende war Luthardt im Naturschutz tätig und arbeitete danach im Ministerium, bis er im vergangenen Jahr zurückkehrte.

 

Von Luise Fröhlich

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