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Die Mark ist Heimat der Miesepeter

Laut "Glücksatlas" unzufriedenste Deutsche Die Mark ist Heimat der Miesepeter

Mehr Arbeitslose und weniger Einkommen: Das wirkt sich laut einer Studie auch auf die Zufriedenheit aus. Im repräsentativen Glücksatlas 2013 kommt Brandenburg ganz schlecht weg. Mit nur 6,5 Punkten von möglichen 10 Punkten liegen die Märker auf dem letzten Platz.

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Brandenburg landet im Glücksatlas 2013 auf dem letzten Platz.

Quelle: dpa

Berlin. Selbst der witzigste Märker hat mal miese Laune. Loriot fand nicht nur ein Leben ohne Möpse sinnlos, von ihm stammt auch der Satz: „Jemand, der immer lustig ist, ist etwas Unerträgliches.“ Vielleicht haben seine Landsleute den Spruch des märkischen Komikers zu ernst genommen: Nirgendwo in Deutschland sind die Menschen unglücklicher als in Brandenburg, sagt zumindest eine Studie im Auftrag der Deutschen Post.

Zufriedenheitswerte Brandenburg Deutschland
Lebenszufriedenheit 6,52 7,00
Arbeit 6,48 6,82
Einkommen 5,70 6,31
Gesundheit 5,98 6,45

Insgesamt 19 Regionen haben Forscher des Instituts für Demoskopie Allensbach und der Universität Freiburg (beide im halbwegs glücklichen Baden-Württemberg) untersucht. Insgesamt 20.000 Personen aus rund 11.000 Haushalten in Deutschland wurden befragt. Demnach ist die Laune der Märker in den letzten Jahren in den Keller gerutscht. In den Vorjahren lag Brandenburg beim „Glücksatlas“ noch auf den Rängen 17 und 18. Für miese Stimmung sorgen vor allem die weiter relativ hohe Arbeitslosenquote, ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen, hohe Abwanderung und schlechte Gesundheitsversorgung in der Fläche. Aber auch mit Wohnung und Freizeit sind die Brandenburger unzufriedener als der Rest der Republik.

Die Glückskinder der Nation leben im Norden. Die Schleswig-Holsteiner sind mit sich und dem Leben im Reinen – obwohl auch dort die Bedingungen nicht allzu rosig sind. „Eigentlich ist diese hohe Lebenszufriedenheit unerklärlich“, sagt Professor Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg, der das Projekt wissenschaftlich betreut hat. „Auch Schleswig-Holstein ist arm. Auch hier hat man eher schlechte Karten, wenn man auf einer Hallig einen Herzinfarkt bekommt“, sagt er.

Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske (SPD) lässt sich von der repräsentativen Studie deshalb nicht den Tag verderben. „Für Brandenburg gab es schon Umfragen, wonach die Menschen hier besonders gerne leben und sich wohl fühlen. Jetzt also sollen wir alle unglücklich sein. Ich glaub’ es kaum“, sagt Baaske. Dennoch nehme er die Sorgen ernst. Das Problem, das Brandenburg laut Studie stark belastet, ist die Überalterung der Bevölkerung und damit eine hohe Pflegequote. „Der Handlungsdruck ist bei uns besonders groß“, räumt Baaske ein. Allerdings würden in der Mark 77 Prozent aller Pflegebedürftigen zu Hause betreut – ein Spitzenwert im Ländervergleich. „Die meisten Menschen wollen möglichst lange zu Hause leben“, sagt Baaske. Und in Brandenburg könnten sie das auch.

Die Jüngeren stört vor allem, dass sie relativ wenig verdienen. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen lag 2011 in Brandenburg mit 17.300 Euro deutlich unter dem Bundesschnitt von 19.900 Euro. „Es bleibt unbestritten, dass der Lohnabstand zwischen Ost und West auch 23 Jahre nach der Wiedervereinigung zu groß ist“, sagt Baaske. Ein bundesweiter Mindestlohn von 8,50 Euro würde auch viele Märker glücklich machen.

Tatsächlich wird die Glückskluft zwischen Ost und West erstmals seit der Wiedervereinigung wieder größer. Der Atlas beruht auf einer Langzeitstudie, die die Hochs und Tiefs des deutschen Seelenlebens über die Jahre dokumentiert. Auf der Zufriedenheitsskala erreicht der Westen eine 7,05, der Osten nur eine 6,7. In allen neuen Bundesländern klagen die Befragten mehr als jene in der alten Bundesrepublik. Insgesamt, erklärt Studienleiter Raffel hüschen, befinde sich Deutschland aber auf einem „Zufriedenheitsplateau“. Heißt: Ganz so schlimm ist es dann auch wieder nicht. Im Europavergleich liegt Deutschland immerhin auf Rang 8 von 30 Ländern. Mit den dauerseligen Dänen auf Platz 1 können die Depri-Deutschen aber dann doch nicht mithalten.

Aber auch für bekümmerte Brandenburger haben die Glücksforscher noch ein paar frohe Botschaften: Die Preise für Bauland sind günstig, die Wahlbeteiligung ist hoch und die Selbstmordrate trotz schlechter Nachrichten gering. Wenn das noch nicht reicht, zur Aufmunterung noch einmal Loriot: „Früher war mehr Lametta.“.

Von Marion Kaufmann

Die Brandenburger hätten Grund, glücklich zu sein

Matthias Schlossberger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Potsdam und hat dort eine „Glückstagung“ organisiert.
MAZ: Herr Schlossberger, sind Sie glücklich?
Matthias Schlossberger: Ja.
Obwohl Sie in Brandenburg leben?
Schlossberger: Ich wohne in Berlin.
Sie Glücklicher.
Schlossberger: Nein, nein, ich finde Brandenburg sehr schön. Außerdem habe ich gar nicht den Eindruck, dass die Menschen hier schlechter gelaunt sind als in anderen Regionen.
Was ist denn überhaupt Glück?
Schlossberger: Im Deutschen gibt es da etwa im Gegensatz zum Englischen eine Doppeldeutigkeit. Glück bedeutet sowohl „Glück haben“ im Sinne eines kurzen Erfolgs, zum Beispiel beim Lotto, als auch „glücklich sein“, womit wir einen länger andauernden Grundzustand meinen, also ein Gefühl, das uns über einen längeren Zeitraum, vielleicht ein ganzes Leben lang begleitet.
Und was macht uns dauerhaft glücklich?
Schlossberger: Das hängt auch von der Persönlichkeit ab, aber man kann sagen: Unser Verhältnis zu unseren Mitmenschen, zu Freunden und Familie entscheidet, wie zufrieden wir sind. Wir sind eigentlich nie allein glücklich. Sehr wichtig ist auch unser Verhältnis zu Umwelt und Natur. Da hätten die Brandenburger wirklich allen Grund, glücklich zu sein: In der Mark kann man noch in und mit der Natur leben.
Ist Glücklichsein nicht auch eine Einstellungssache?
Schlossberger: Das Sprichwort „Jeder ist seines Glückes Schmied“ stimmt schon. Jeder hat eine Aufgabe im Leben, das ist Herausforderung und Last zugleich. Wenn man etwas aus seinen Talenten macht, ist man glücklich. Aber natürlich kann man auch Pech haben – je nachdem in welche Zeit und in welches Elternhaus man geboren wird.
Haben Schleswig-Holsteiner vielleicht einfach ein glücklicheres Naturell als Märker?
Schlossberger: Nein, das denke ich nicht. Sicher, es gibt kulturelle Unterschiede: Wir sind glücklich, wenn die Sonne scheint. Ein Italiener hält das für selbstverständlich. Im Grunde unterscheidet sich aber nur die Art, mit Glück umzugehen und es zu zeigen, und nicht die Fähigkeit, Glück zu empfinden. Brandenburger zum Beispiel mögen auf Außenstehende mürrisch wirken, aber das heißt nicht, dass sie unglücklich sein müssen.
Interview: Marion Kaufmann

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