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Brandenburg Die Pinguin-Flüsterin von Lübbenau
Brandenburg Die Pinguin-Flüsterin von Lübbenau
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00:50 22.08.2014
Laura Schäfer kann gut mit Pinguinen. Zu ihren Schützlingen gehört auch der kleine Lausi. Quelle: Julian Stähle
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Lübbenau

Pinguin Balduin döst in der Sonne. Artgenossin Luise zwickt gerade fröhlich ihre Nachbarin. Doch die meisten schwarz-weißen Frackträger tummeln sich im Wasser. Bei warmen Temperaturen fühlen auch sie sich im kühlen Nass am wohlsten. Plötzlich ertönt ein Pfeifton und alle Pinguine eilen herbei. Was folgt, ist eine leckere Nachmittagsmahlzeit: Heringe und Sprotten.

Diese Szene  spielt sich nicht im Zoo ab, sondern direkt an den Pools der Bade- und Sauna-Landschaft Spreewelten Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz). Europaweit einmalig, können hier Badegäste mit echten Pinguinen planschen. "Getrennt sind Tier und Mensch nur durch eine Glaswand", erklärt Tierpflegerin Laura Schäfer, die im Spaßbad einen der wohl außergewöhnlichsten Arbeitsplätze Brandenburgs hat. Die 26-Jährige betreut zusammen mit einer Kollegin 25 Humboldt-Pinguine, darunter neun erst vor drei Monaten geschlüpfte Jungtiere. Jahrelang hatte es mit dem Nachwuchs partout nicht geklappt. "Doch 2013 schlüpften bei uns erstmals acht Junge", erklärt die kleine, drahtige Brandenburgerin.

Humboldt-Pinguine meiden die Kälte

Kurz nach der Fütterung startet Laura Schäfer mit Balduin und seinen Artgenossen zu einem kurzen Spaziergang. Vom Pinguin-Pool aus geht’s über Mini-Holzstege Richtung Badewiese: Die "Pinguin-Mama" vorneweg, die flugunfähigen Seevögel fast im Gleichschritt hinterher. Ein paar Spreewelten-Besucher stehen Spalier. Nur Lausi büchst schon vorher aus und macht vom Holzsteg aus einen Kopfsprung. Ein anderes Tier legt kurz darauf einen sauberen Bauchklatscher hin.

Die Lübbenauer Pinguine sind nicht nur zutraulich, sondern auch neugierig. Mancher Badegast, der den lustigen Gesellen zu nahe kam, wurde kurz gezwickt. "Anfangs kam es schon mal vor, dass unsere Frechdachse drüben im Schwimmbecken bei den Gästen landeten", erinnert sich Schäfer, die seit 2009 in den Spreewelten beschäftigt ist.

Laura Schäfer mit ihren Schützlingen. Am liebsten mögen diese Hering, Sprotte und Lodde. Quelle: Julian Stähle

Doch so richtig wohl fühlten sich die Humboldt-Pinguine in den Süßwasserpools nicht. "Unser Pinguin-Becken hat ja Salzwasser. Das wirkt erstens antibakteriell und friert im Winter nie zu", erklärt Laura Schäfer. Humboldt-Pinguine stünden ganz und gar nicht auf Frost und Eis. "Im Winter beeilen sie sich, durch den Schnee tapsend schnell ins Wasser zu gelangen", lacht Schäfer. "Unsere Pinguine lieben den Sommer!" Ursprünglich würden die Tiere von den Küsten Chiles und Perus stammen. Mit 40 Grad im Sommer und acht Grad im Winter könnten die Seevögel sehr gut leben.

Bio-Unterricht in den Spreewelten

Die Lausitzerin erklärt das Pinguin-Leben so eindrucksvoll, dass Lehrer mittlerweile komplette Bio-Unterrichtsstunden in die Spreewelten verlegen. Von Laura Schäfer erfahren die Schüler beispielsweise, dass das Punktemuster der Pinguinbäuche ein Unterscheidungsmerkmal ist. Wie beim Mensch variiere auch die Augenfarbe. Geburtstagskinder dürfen die Tiere sogar füttern. "Am liebsten mag die Rasselbande Sprotten. Aber wie bei uns menschlichen Zweibeinern kann es natürlich nicht jeden Tag Schokolade geben", erklärt die Tierpflegerin, die ihre Ausbildung in Berlin absolvierte.

Die Lübbenauer Pinguine sind nicht nur zutraulich, sondern auch neugierig. Quelle: Julian Stähle

Humboldt-Pinguine

  • Der Humboldt-Pinguin gehört laut der Online-Enzyklopädie Wikipedia mit drei weiteren Arten zur Gattung der Brillenpinguine.
  • 1834 wurde der Humboldt-Pinguin erstmals von Franz Julius Ferdinand Meyen wissenschaftlich beschrieben. Meyen benannte den Pinguin eigenen Angaben zufolge nach dessen erstem Entdecker, Alexander von Humboldt, welcher die Art während seiner Amerikareise 1799 bis 1804 in der Gegend um Callao im heutigen Peru beobachtet haben soll.
  • Eine Größe von bis zu 45 cm und ein durchschnittliches Gewicht von vier Kilogramm erreicht der Humboldt-Pinguin im Schnitt.
  • Der Lebensraum von Humboldt-Pinguinen liegt an den Pazifikküsten in Peru und Nordchile und auf den dort vorgelagerten Inseln entlang einer 4500 Kilometer langen Küstenlinie.
  • Wer die Pinguine in den Spreewelten besuchen will, findet Öffnungszeiten und alle weiteren Informationen im Internet unter der Adresse: www.spreewelten-bad.de 

Neben Hering fressen ihre Lieblinge aber auch Lodde, auch als Kapelan-Fisch bekannt. In der Kühlzelle nebenan lagern bis zu zwei Tonnen Fisch. Bei der öffentlichen Fütterung gibt’s meist einen kleinen Vitaminstoß extra. Dazu schiebt Laura Schäfer den aufgetauten Fischen eine Tablette hinter die Kiemen. Von Veterinären genau überwacht, gibt es in regelmäßigen Abständen auch Pillen gegen Vogelmalaria. Einmal wurde ein Tier so krank, dass es Laura Schäfer in Abstimmung mit Veterinären zu Hause wieder aufpäppelte. "Lausi lebte zwei Wochen auf meinem Balkon in Cottbus. Es gab pürierten Fisch mit Lebertran", schmunzelt die Pflegerin. – Heute geht’s Lausi wieder prächtig.

Eine Leidenschaft für Pinguine und Robben

Dass Laura Schäfer mit Tieren auch privat gut kann, wundert keinen, der sie einmal live erlebt hat. Zum Leidwesen ihres Freundes, der in diversen Zoos des Landes schon mal ein halbes Stündchen bei Pinguinen oder Robben ausharren muss. Mit der Tierpflege machte Laura Schäfer ihr Hobby zum Beruf, wie sie sagt.

Ihre zweite große Leidenschaft ist der Tanz. "Das mochte ich schon als Sechsjährige. Heute trainiere ich selbst eine Kindergruppe", sagt die Brandenburgerin, begeistertes Mitglied in der Interessengemeinschaft Cottbuser Carneval (ICC).

Im Pinguinbecken können Besucher mit den Pinguinen um die Wette schwimmen. Quelle: Spreewelten

Lange hat Laura Schäfer nicht Zeit, davon zu berichten. Denn in einer Stunde soll noch die nächste Sendung des eigenen "Pinguin-Kanals" produziert werden, die von ihr moderiert wird. "Die Doku kann über YouTube, Facebook oder über unsere Spreewelten-Homepage abgerufen werden", sagt Marketingchef Steven Schwerdtner.

Am späten Nachmittag wirkt Laura Schäfer noch immer taufrisch. Dabei ist sie seit sechs Uhr auf den Beinen. "Wenn ich früh um halb acht zu den Pinguinen komme, dösen die meist noch in der Höhlenlandschaft", erklärt Schäfer. Mit dem ersten Snack in Form von Fisch komme dann oft schon Leben in die Bude. "Und spätestens, wenn die ersten Gäste kommen, werden unsere Pingus ohnehin neugierig", sagt Laura Schäfer und lacht. Privat stehe sie allerdings nicht unbedingt auf Sauna- und Badelandschaften, wie sie gesteht: "Ich selbst war noch nie in unseren Gäste-Schwimmbecken."

Von Jens Rümmler

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