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Die Wahrheit über die Rente

Alterssicherung Die Wahrheit über die Rente

Darüber, wie die Rente sich in den kommenden Jahren entwickeln und was sie dann wert sein wird, kann man nur schwer eine Prognose wagen. In einer Studie wird dies nun versucht. Sie beantwortet Fragen zur Rentenentwicklung bis zum Jahr 2040 und sagt, wie sich die Bezüge je nach Wohnort entwickeln. Es gibt eine halbwegs gute Nachricht. Und viele nicht so gute.

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Quelle: dpa

Berlin. Dem Blick in die Zukunft haftet stets etwas Zweifelhaftes an. Außer natürlich, er stützt sich auf Zahlen und Fakten. Dann ist es eine Prognose, und eine solche zur Frage der Rentenentwicklung bis zum Jahr 2040 hat am Donnerstag das Wirtschaftsunternehmen Prognos vorgelegt. Prognos ist dazu vom fiktiven Durchschnittsrentner – dem „Eckrentner“ abgewichen und hat untersucht, wie sich die Renten im Laufe der nächsten 25 Jahre je nach Berufsgruppe und je nach Wohnort entwickeln werden. Es gibt eine halbwegs gute Nachricht. Und viele nicht so gute.

Das Rentenniveau sinkt

Die halbwegs gute Nachricht: Die Inflation wird den heutigen und künftigen Rentnern kaum Probleme bereiten. Die Rentenanpassungen werden im Durchschnitt hoch genug sein, um die Inflation mehr als nur ausgleichen zu können. Aber: Die Entwicklung der Renten wird nicht mit der Entwicklung der Löhne Schritt halten können. Bis 2040 wird das Rentenniveau im Durchschnitt von heute rund 46 Prozent auf 39 Prozent fallen – im Falle des „Eckrentners“. In einigen Berufsgruppen wird der Fall sogar noch deutlicher sein. Zum Beispiel kommt laut Studie ein Elektroinstallateur – und somit ein typisch männlicher Facharbeiter –, der im Laufe seiner Biografie zwei Phasen der Arbeitslosigkeit durchlebt hat, im Alter nur auf 35 Prozent seines in den letzten fünf Erwerbsjahren durchschnittlich erzielten Einkommens. Eine Sozialpädagogin mit zwei Kindern, deren Lebenslauf zwei Erziehungszeiten aufweist und eine kurze Phase der Arbeitslosigkeit, kommt auf ein individuelles Bruttorentenniveau von nur 34 Prozent.

Was ist ein Eckrentner

Der Eckrentner (auch Standardrentner genannt), der bei Rentenberechnungen häufig auftaucht, ist eine für Vergleichszwecke erfundene Person. Er hat 45 Jahre gearbeitet, durchschnittlich verdient und in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, bevor er mit 65 Jahren in Rente geht. Das Verhältnis der Rente dieser Vergleichsperson zum aktuellen Durchschnittseinkommen beziffert das Rentenniveau. Der Eckrentner bekommt heute knapp 70 Prozent des letzten Nettoverdienstes als Rente. Im Jahr 2030 werden es nur 67 Prozent sein.

Doch wer hat heute noch so eine Erwerbsbiographie? Die meisten Menschen liegen bereits jetzt unter 70 Prozent. Entweder lagen sie unter dem Durchschnittsverdienst, waren zeitweise arbeitslos oder fielen wegen Kinderbetreuung aus. Auch wer eher in Rente geht, muss mit Abschlägen rechnen. Verabschiedet sich jemand im Alter von 60 Jahren aus dem Berufsleben, bekommt er 18 Prozent weniger Rente im Monat. Bei einem Renteneintrittsalter von 63 beträgt der Abschlag immerhin noch 7,2 Prozent.

Die Senkung des Rentenniveaus von 70 auf 67 Prozent scheint gering, sie ist es aber nur auf den ersten Blick. Denn im Jahr 2030 wird das Nettoeinkommen anders berechnet. Bei gleicher Rechnung ergäben sich nur 64 Prozent.

Jüngere Arbeitnehmer werden z. B. wegen längerer Ausbildungszeiten oder gar längerer Arbeitslosigkeit eine geringere Lebensarbeitszeit als 45 Jahre erreichen. Sie haben daher eine noch geringere Altersrente zu erwarten. Ihre Versorgungslücke im Alter wird also wesentlich höher sein.

Der Trend nach unten scheint angesichts der demografischen Entwicklung unabwendbar – selbst der spürbar steigende Beitragssatz von heute 18,7 Prozent auf vorausgesagte 24 Prozent im Jahr 2040 wird ihn nicht aufhalten können. So wird zwar die Rente in 25 Jahren höher sein als heute – aber im Verhältnis zum zuvor verdienten Einkommen wird sie deutlich niedriger ausfallen. Und noch eine Einschränkung muss man hier wohl machen: Der prognostizierte Rentenanstieg setzt eine weiterhin gute wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland voraus.

Starke regionale Unterschiede

Die Rentenansprüche hängen stark von der Wirtschaftskraft in der Region ab. Und weil Wertschöpfung, Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeitsrisiko zwischen den Regionen spürbar auseinanderdriften, unterscheiden sich auch die Rentenansprüche stark. Hohe Renten gibt es vor allem in Boomregionen wie in Bayern, Hamburg und weiten Teilen Baden-Württembergs – entscheidend aber ist nicht die Höhe der Rente, sagen die Prognos-Forscher, sondern ihr Wert im Alltag. Also das, was man mit dem erhaltenen Geld kaufen kann. In München beispielsweise ist der Renteneuro erstaunliche 23 Prozent weniger wert als im Bundesdurchschnitt, während Rentner im niedersächsischen Holzminden 16 Prozent mehr bekommen.

„Wenn Sie geplant haben sollten, im Alter nach München zu ziehen, sollten Sie es sich lieber noch mal überlegen“, sagte Michael Böhmer, Chefvolkswirt von Prognos, am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Die Kaufkraft gleicht viel aus

Niedrige Renten lassen sich laut Studie mit einer höheren regionalen Kaufkraft abfedern. So unterscheidet sich die Rentenkaufkraft eines Ingenieurs im strukturschwachen Schwerin kaum von der eines Kollegen in Hamburg – obwohl der Schweriner 400 Euro weniger Rente erhält. Der Oberspreewald-Lausitzkreis weist mit 1137 Euro die höchste Rentenkaufkraft auf; den höchsten West-Wert erreicht Recklinghausen mit 1035 Euro. Volkswirt Böhmer rechnet nicht mit einer Angleichung der Renten zwischen Ost und West bis 2040: „Die Unterschiede werden weiter bestehen bleiben.“ Zurzeit erhalten ostdeutsche Rentner durchschnittlich 1020 Euro, im Westen sind es 833 Euro. Grund für den deutlichen Unterschied ist, dass zu DDR-Zeiten im Osten mehr Frauen gearbeitet haben als im Westen.

Heimliches Rentnerparadies

Wer seinen Alterswohnsitz vom Wert eines Renten-Euro abhängig machen mag, dem empfiehlt Michael Böhmer einen Ort namens Tirschenreuth, gelegen in der Oberpfalz, unweit der deutsch-tschechischen Grenze. Die Rede ist von einem „künftigen Rentnerparadies“: „Die Region profitiert einerseits vom starken Wirtschafts- und Gehaltswachstum – teilweise auch, weil Arbeitnehmer in nahe gelegene Wachstumsregionen einpendeln – und andererseits von sehr niedrigen Lebenshaltungskosten“, sagt Böhmer. So habe ein Elektroinstallateur aus dem Landkreis Hof eine um über 50 Prozent höhere Rentenkaufkraft als sein Kollege im teuren München.

Zielt die Prognos-Studie womöglich auf groß angelegte Rentnermigration innerhalb Deutschlands ab? „Wir möchten niemanden dazu bewegen, ins Erzgebirge zu ziehen“, sagt Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, in deren Auftrag Prognos geforscht hat. „Wir möchten bloß die Menschen für das sensibilisieren, was sie erwarten können.“ Erdland berichtet, dass die Deutschen dazu neigten, ihre Lebenserwartung um sieben Jahre zu unterschätzen. Mit negativen Folgen, wie der Verbandschef meint. „Wir möchten, dass sich die Menschen mit ihrer individuellen Altersvorsorge beschäftigen.“

Die Alternativen

Qua Funktion spricht Erdland natürlich für die Privatversicherer. Deren Lebensversicherungen sind jedoch in einer Zeit der Niedrigzinspolitik nicht unbedingt lukrativ, oder? Erdland erwidert: „Die Lebensversicherung wird in Zukunft wichtiger, als sie es bereits ist. Es führt kein Weg an ihr vorbei.“ Man entwickle zurzeit den Marktbedingungen entsprechende neue Produkte „mit neuen Garantien“. Schlüsse zum Thema Altersarmut ließen sich aus der Studie nicht ziehen. Dafür sei nicht die individuelle Rentenhöhe ausschlaggebend, sondern das Haushaltseinkommen, und das hat Prognos nicht erfasst.

Verlässliche Prognose?

Prognosen, zumal langfristige, sind stets eine heikle Sache, es kann ja immer etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommen. Und im Fall der gesetzlichen Rentenversicherung muss man sagen, dass sie oft arg danebenlag, obwohl sie nur 15 Jahre in die Zukunft schaut. Umso erstaunlicher also, dass die Statistiker von Prognos gleich mal das Jahr 2040 ins Auge fassten – und das zu einer Zeit, in der es angesichts einer Vielzahl von Krisen schwerfällt zu sagen, was nächste Woche sein wird. Erstaunlich ist, dass die Folgen der derzeit hohen Flüchtlingszahlen keine Berücksichtigung finden.

Von Marina Kormbaki

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