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Brandenburg So lästert Gregor Gysi über die SPD
Brandenburg So lästert Gregor Gysi über die SPD
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08:09 14.10.2015
Gregor Gysi zieht sich aus der ersten Reihe der Politik zurück  Quelle: dpa
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Berlin

Nach zehn Jahren mit Gregor Gysi an der Spitze startet die Linksfraktion im Bundestag unter Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch in eine neue Ära. Die Abgeordneten der stärksten Oppositionskraft wählten die beiden am Dienstag mit großer Mehrheit zu ihren Vorsitzenden. Wagenknecht erhielt 78,3 Prozent der Stimmen, Bartsch 91,6 Prozent. Gegenkandidaten gab es nicht.

Damit bilden zwei einstmals erbitterte Widersacher nun ein Führungsteam. Die 46-jährige Wagenknecht gilt als Wortführerin des linken Parteiflügels, der auf einen strammen Oppositionskurs der Linken setzt. Der 57-jährige Bartsch zählt zu den gemäßigten Reformern, die eine rot-rot-grüne Koalition im Bund anstreben.

Neue Chefs wollen "mit Elan und Zuversicht anpacken"

Beide betonten, sie hätten frühere Differenzen zu den Akten gelegt. "Diese Frontstellungen, die gibt es so in dieser Form nicht mehr", sagte Wagenknecht. Das bedeute aber nicht, dass man immer einer Meinung sein müsse. Bartsch sagte, es gebe über 90 Prozent inhaltliche Übereinstimmung. Man wolle nun "mit Elan und Zuversicht anpacken".

Vor allem in der Außenpolitik sind die beiden Flügel nicht auf einer Linie. So ist die Parteilinke für den sofortigen Abzug aller Bundeswehrsoldaten aus dem Ausland, die Reformer sind zu Kompromissen bereit.

Launiges Abschlussinterview mit der MAZ

Kurz vor der Wahl der neuen Fraktionschef der Linken gab Gregor Gysi der MAZ noch ein Abschiedsinterview in Berlin. Gysi zieht sich nun aus der ersten Reihe der Politik zurück. Im Interview gab er betont und gewohnt launig seine Meinung zum Besten. Besonders die SPD wurde zum Spottgegenstand: "Das ist doch ein Luschenverein", sagte er auf die Frage, ob er einst überlegt habe, Sozialdemokrat zu werden. Außerdem würde er sich viel zu sehr aufregen, wäre er in der SPD. Die SPD müsse begreifen, dass es auch ihr gut tue, wenn sie von einer Linkspartei „unter Druck gesetzt“ werde. Er kenne im Übrigen niemanden in der SPD von heute, „der Kanzlerformat“ habe.

Gregor Gysi (links, natürlich) im MAZ-Interview mit Dieter Wonka. Quelle: MAZ

Gysi war zwischen 1990 und 2000 und dann wieder ab 2005 Vorsitzender der Abgeordneten seiner Partei im Bundestag. In den fünf Jahren dazwischen war er Berliner Wirtschaftssenator und stieg dann für drei Jahre ganz aus der Politik aus.

Gysi wünscht Merkel einen gelungenen Abgang

Zur Zukunft seiner eigenen Bundestagsfraktion ohne ihn an der Spitze meinte Gysi: „Ich bin Zweckoptimist. Das wird schon klappen.“ So ein „Typ Alphatier“ wie er es sei, wisse natürlich, dass er auch gute Leute ein bisschen verdrängt habe. Aber: „Wir sind 64 in der Fraktion. Das sind alles große politische Kleindarsteller.“ Der amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünsche er im Übrigen, dass sie einen so gelungenen Abgang aus der Politik wie er selbst hinlege: „Zu gehen, wenn sie im Zenit ihres Ansehens steht, nicht, wenn sie im Keller ist.“

Zum Schluß noch ein Lob für Helmut Kohl

Großes Lob spendete Gysi dem Einheitskanzler Helmut Kohl. „Helmut Kohl hat seine wirklich großen Marken gesetzt mit der Herstellung der deutschen Einheit.“ Kohl sei „ein Europäer“ gewesen, der mit Leidenschaft den Weg zur europäischen Integration gegangen sei. Seine eigene Leistung in der Politik würdigte Gysi mit der Erklärung, er habe die Teile der DDR in die Einheit geführt, „die von den anderen Parteien nicht gewollt waren und das waren nicht wenige“. Stolz sei er, dass es ihm gelungen sei, die Linke so zu etablieren, „dass es auch ein CSU-Wähler normal findet, dass es uns im Bundestag gibt“.

Seinen Abschied aus der ersten Reihe nennt Gysi endgültig. Er habe wirklich Lust, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. „Und auf den freue ich mich auch. Deshalb geht es nicht mehr zurück. Bis heute bin ich ein Politiker, und ab morgen bin ich ein Gesellschaftspolitiker.“

Die besten Sprüche von Gregor Gysi

Wir wollen zum Neuanfang bei der Links-Fraktion aber noch einmal auf Gysi und sein Wirken zurückschauen. Und wie ginge das besser als mit Gysis Sprüchen. Denn um die war der rhetorisch oft fulminante und mitreißende Gysi nie verlegen. Hier eine kleine Auswahl:

Zum Ost-West-Konflikt:

– „Das Parlament hat soeben nicht mehr und nicht weniger als den Untergang der Deutschen Demokratischen Republik zum 3. Oktober 1990 beschlossen.“ (Am 23. August 1990 als PDS-Vorsitzender nach dem Beitrittsbeschluss der Volkskammer in Ost-Berlin.)

 – „Wer die deutsche Einheit haben will, muss sich auch mit mir abfinden. Billiger ist sie nicht zu haben.“ (Am 23. Mai 1996 zu Angriffen auf seine Person in der Parlamentsdebatte.)

 – „Ein Ostdeutscher ist Bundespräsident. Eine Ostdeutsche ist Bundeskanzlerin. Und was aus mir wird, wissen Sie alle nicht.“ (Am 9. September 2013 bei einer Diskussionsveranstaltung der Berliner Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl am 22. September.)

 – „Ein Vierteljahrhundert nach dem Beitritt der DDR zur BRD verläuft in Deutschland noch immer eine Grenze, nämlich zwischen unten und oben.“ (Am 3. Oktober 2015 zum 25. Jahrestag der Vereinigung über den Kurznachrichtendienst Twitter)

Zur Arbeit im Bundestag:

 – „Wenn wir plötzlich viel Beifall im Bundestag bekommen, müssen wir anfangen, ernsthaft über uns nachzudenken.“ (Am 27. Januar 1995 auf einem Parteitag der PDS.)

 – „Nicht wenige von Ihnen haben es mir in den vergangenen zehn Jahren schwer gemacht.“ (Am 29. September im Bundestag in Berlin.)

 – „Wenn der Bundestag zu mir von Anfang an nett gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich längst raus.“ (Am 22. Juni 2014 in Hamburg auf einer Matinee der Wochenzeitung „Die Zeit“.)

 – „In unserer Fraktion im Bundestag herrscht auch Hass.“ (Am 2. Juni 2012 auf dem Bundesparteitag der Linken über den katastrophalen Zustand von Partei und Fraktion.)

Über Bundeskanzlerin Angela Merkel:

 – „Der Weg von einer Naturwissenschaftlerin in der DDR zur Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland ist nicht nur einmalig, sondern außergewöhnlich. Übrigens: Die Angleichung der Renten und Löhne in Ost und West haben Sie bisher leider vergessen. Aber es lässt sich ja noch nachholen.“ (Am 17. Juli 2014 zu Merkels 60. Geburtstag.)

 – „Frau Kanzlerin, ich hatte im letzten Jahr auch einen Skiunfall. Wir müssen einfach beide lernen, altersgerecht Sport zu treiben.“ (Am 29. Januar im Bundestag zu Angela Merkel, die beim Langlauf gestürzt war.)

Von MAZonline

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