Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Die dunklen Seiten des Berliner Zoos

Neue Dauerausstellung Die dunklen Seiten des Berliner Zoos

Eine neue Dauerausstellung im Berliner Zoo setzt sich kritisch mit der eigenen Geschichte auseinander. So wurden unter anderem zu Kaisers Zeiten Menschen wie Ausstellungsstücke vorgeführt. Die Schau zeigt auch, wie sehr der Zoo mit der Geschichte der Stadt verwoben war, besonders in der NS-Zeit.

Voriger Artikel
Eine Universitätsgründung als Arbeitsbeschaffung
Nächster Artikel
Kreisreform-Pläne gedeihen, der Protest auch

Neue Dauerausstellung im Berliner Zoo.

Quelle: Paul Zinken

Berlin. Eisbär Knut und andere tierische Bewohner haben den Berliner Zoo weltweit bekannt gemacht. Doch die Geschichte von Deutschlands ältestem und artenreichstem Zoo war nicht immer rühmlich. Der Historiker Clemens Maier-Wolthausen hat jetzt hinter die Fassade geschaut und mitunter schwierige Jahre aufgearbeitet - mit schonungsloser Offenheit, wie er sagt. Die Ergebnisse sind jetzt in einer Dauerausstellung zur 172-jährigen Geschichte der Anlage im Antilopenhaus zu sehen. Es ist laut Direktor Andreas Knieriem das schönste und älteste, rekonstruierte Gebäude des Originalzoos und ein würdiger Platz für diese wichtige Ausstellung.

Zoo wurde schnell nazifiziert

Die Arbeit habe ihm gezeigt, wie sehr der Zoo und mit der Geschichte der Stadt verwoben sei, auch in der NS-Zeit, sagte Maier-Wolthausen. «Der Zoo hat sich bedingungslos an das neue Regime angepasst», so der Kurator. «Der Aufsichtsrat ist sehr schnell nazifiziert worden. Jüdische Mitglieder sind durch NS-treue Mitglieder ersetzt worden.» Man habe auch überlegt, jüdischen Kindern den Besuch des Spielplatzes zu verbieten oder Juden generell vom Zoobesuch auszuschließen. Weil sie aber später berlinweit keine Vergnügungsstätten mehr aufsuchen durften, habe sich diese Diskussion erledigt.

Menschen unter fragwürdigsten Bedingungen ausgestellt

«Auch schon vor dem Nationalsozialismus gab es im Berliner Zoo rassistische Traditionslinien», berichtet der Historiker. Diese hätten auch nachgewirkt. So habe es von 1871 bis 1952 insgesamt 25 Völkerschauen gegeben, bei denen Bewohner verschiedener Kontinente unter fragwürdigsten Bedingungen «ausgestellt» worden seien. «Da wurden Menschen aus Grönland und Alaska dazu verdonnert, Robben oder Rentiere einzufangen oder mit dem Kanu auf den Teichen des Zoos umzukippen», berichtet der Forscher. «Afrikaner mussten Kriegszenen und Menschen aus Samoa eine Dorfidylle nachstellen.»

Völkerschau im Jahr 1900

Völkerschau im Jahr 1900: Exotenschau mit „Landsleuten“ aus Deutsch-Samoa.

Quelle: Berliner Leben/Georg Busse

Kurze Erholung für Zwangsarbeiterinnen

Zahlreiche Dokumente und Fotos beleuchten nun die wechselvolle Geschichte. Ganz besonders beeindruckt hätten ihn Aufnahmen polnischer Zwangsarbeiterinnen, die sich im Zoo ein paar freie Stunden gönnen durften und das Foto des letzten überlebenden Elefanten am Ende des Zweiten Weltkrieges, der bewacht von einem Soldaten seine Runden dreht, so Maier-Wolthausen.

Zoogeschichte anders erzählt

Der Blick aus einer kultur- und wissenschaftsgeschichtlichen Perspektive ist laut einer Zoo-Sprecherin neu. Normalerweise sei Zoogeschichte meist anhand der Wirkperioden der Direktoren geschrieben worden. Die neue Ausstellung beleuchtet auch Sonderthemen wie den «Alltag mit Tieren» oder «Woher kommen die Tiere?». Afrika sei heute kein «Selbstbedienungsladen» mehr, sagt Maier-Wolthausen. Artenschutzprogramme sorgten dafür, dass Tiere nicht mehr problemlos exportiert werden können.

Gorilla-Dame Fatou im Berliner Zoo

Gorilla-Dame Fatou im Berliner Zoo.

Quelle: Paul Zinken

Erste Zoo-Tiere kamen aus Potsdam

Zumindest die meisten der ersten Zoobewohner, die 1844 in die vom Landschaftsarchitekten Joseph Peter Lenné gestaltete Anlage zogen, hatten keine weite Anreise. Sie kamen von der Pfaueninsel auf der Havel. Friedrich Wilhelm IV. stiftete damals seinen geerbten Privatzoo mit etwa 100 Tieren, darunter viele Vögel, Hirsche, Bären, aber auch Exoten wie ein Leopard und Kängurus. Sie bildeten den Grundstock des Zoos.

Ein Zoo in der Stadt sei für die Bürger Berlins damals ein wichtiger Teil der Bildungslandschaft gewesen, sagt der Historiker. «Man wollte ein möglichst breites Spektrum der Fauna abbilden». Im Laufe der Zeit habe sich die Einstellung geändert. «Heute geht es vor allem darum, die Haltungsbedingungen mit den Ansprüchen des Publikums in Einklang zu bringen. Die Bandbreite ist nicht mehr prioritär», so der Forscher.

Seit 1955 hat Berlin auch einen Tierpark im Ostteil zur Stadt. Beide Anlagen sowie das Aquarium am Zoo gehören heute zu einem Unternehmen - mit insgesamt 25 000 Tieren 1400 verschiedener Arten.

Von Anja Sokolow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg