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Brandenburg Die ersten Wettbewerbsbeiträge – eine Kritik
Brandenburg Die ersten Wettbewerbsbeiträge – eine Kritik
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16:46 08.11.2017
„Taqesanbruch“ von Gentian Koçi Quelle: promo
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Cottbus

Gerade erst hat das Festival des Osteuropäischen Films in Cottbus begonnen, schon entführen die Wettbewerbsbeiträge die Zuschauer in eine Welt ohne Hoffnung. Sowohl der albanisch-griechische Beitrag „Tagesanbruch“ („Daybreak“) als auch die slowenische Produktion „Die Familie“ („The basics ofkilling“) schicken die Filmhelden durch einen Alptraum. Dabei arbeiten beide Regisseure sehr subtil und unaufgeregt, was die persönlichen Schicksale noch dramatischer erscheinen lässt.

Kein Entrinnen: „Tagesanbruch“ von Gentian Koçi

In „Tagesanbruch“ lernen die Zuschauer die Krankenschwester und junge Mutter Leta kennen, die alleinerziehend ist. Schon bei Sonnenaufgang trommelt bei ihr der Vermieter an die Tür und droht sie rauszuwerfen. Und tatsächlich, ein paar Filmminuten später sitzt sie auf der Straße. Ihre einzige Chance: Zusammen mit ihrem Säugling zieht sie in die Wohnung der kranken Sophia, die Leta beruflich pflegt.

Die Alte hat große Schmerzen und ist des unwürdigen Daseins einer ans Bett Gefesselten überdrüssig. Doch obwohl Leta ihren Job im Krankenhaus wegen illegaler Sterbehilfe verloren hat, kann sie Sophia nicht aus dem Leben helfen. Denn die ist ihre eigene „Lebensversicherung“: Ohne Patientin kein Verdienst. Und so schmiedet Leta einen verhängnisvollen Plan.

Fatalistisch: „Die Familie“ von Jan Cvitkovic

Gänzlich unverschuldet landet „Die Familie“ des Philosophie-Lehrers Marco in der Abwärtsspirale: Die Lüge einer abgewiesenen Schülerin bedeutet für ihn ganz plötzlich das berufliche Aus. Fatalerweise wird nur wenig später auch die Stelle seiner Frau wegrationalisiert. Schlag auf Schlag rasen die Mittelständler auf den sozialen Abgrund zu und nicht einmal die Kinder haben ein Recht auf ermäßigte Schulspeisung. Denn: Der Verdienst wird auch zwei Jahre rückwirkend noch als Grundlage zum Berechnen möglicher Sozialleistungen heran gezogen. So die gesetzliche Lage in Slowenien.

„Die Familie“ von Jan Cvitkovic Quelle: promo

„In den vergangen Jahren haben viele slowenische Familien wegen dieses 2012 verabschiedeten Gesetzes unter Elend, Scham und Armut gelitten“, erklärt Regisseur Jan Cvitkovic. Er inszeniert realitätsnah und gönnt der Familie keine Chance auf Besserung: Die sich vom hellen ins düstere entwickelnde Bildsprache erzeugt dabei eine klaustrophobische Enge, die dem Zuschauer die Luft raubt.

Poetisch: „Vor dem Frühling“ von George Ovashvilis

Unter großem psychischen Druck stehen auch George Ovashvilis Protagonisten: ein Präsident, sein Premier und deren vier bewaffnete Anhänger. Sie sind in „Khibula“ („Vor dem Frühling“) auf der Flucht.

„Vor dem Frühling“ von George Ovashvilis Quelle: promo

Zwischen Hoffnung und Bangen zeichnet der Georgier, der sich bereits 2014 in Cottbus mit seinem kontemplativen Drama „Die Maisinsel“ einen Namen als meisterhafter Dirigent von Lichtstimmungen und Tempi gemacht hat, eine poetische Geschichte über das Ende von Macht.

Unglaubwürdig: „Der Granatapfelgarten“ von Ilgar Najaf

Nicht ganz so glaubwürdig kommt der erste jemals aus Aiserbaidschan stammende Wettbewerbsbeitrag „Der Granatapfelgarten“ („The Pomergranate Orchard“) daher. Die Figuren sind nicht plausibel gezeichnet, auch emotional ist die Geschichte nicht immer nachvollziehbar: Der alte Shamil wohnt seit dem tragischen Tod seines Ältesten mit seiner Schwiegertochter Sarah und deren behindertem Sohn Jalal zusammen.

„Der Granatapfelgarten“ von Ilgar Najaf Quelle: promo

Die beiden waren zwölf Jahre zuvor plötzlich auf sich gestellt, als Sarahs Gatte Gabli, der Bruder des Verstorbenen, plötzlich ohne Abschied das Dorf verließ. Nun kehrt der unsympathische Protzer aus Moskau zurück und will Frau und Kind mit sich nehmen. Sarah scheint bereit, Gabli zu folgen, der sie ohne ein Wort der Entschuldigung hat sitzen lassen.

Von Barbara Breuer

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