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Die großen Sorgen der Rapsbauern

Brandenburg Die großen Sorgen der Rapsbauern

Dieses Jahr wird die Ernte bei Raps nicht besonders üppig ausfallen. Denn es war im vorigen Spätsommer, als der Raps in die Erde gebracht wurde, einfach zu trocken. Doch nicht nur das Wetter, auch eine Bienenschutzverordnung macht den Bauern zu schaffen und könnte die Ernte vermiesen.

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Sie gehören zum Frühling: Leuchtend gelbe Rapsfelder wie das von Landwirt Oliver Pahl in Schönefeld.

Quelle: Foto: Oliver Pahl

Dahmeland-Fläming. Der Raps berauscht jedes Jahr die Sinne von Mensch und Tier: Gelb leuchtend und süß duftend soll er im Frühjahr Bienen anlocken, damit sie die Blüten bestäuben. Im Juli ernten die Rapsbauern dann die schönen, dicken Früchte mit dem Mähdrescher, bevor deren kleine schwarze Körner zum beliebten Rapsöl für die Küche verarbeitet werden.

„Der Raps ist das erste frische Geld, das ich bekomme“, sagt Thomas Goebel, Vorstand des Bauernverbandes Südbrandenburg. Das liegt an der Felderwirtschaft, die auch Fruchtfolge genannt wird. Um einen einseitigen Nährstoffentzug im Boden zu vermeiden, müssen die Bauern jährlich wechselnde Kulturen anbauen. „Die Fruchtfolge muss jeder Landwirt für sich selbst setzen. Grundsätzlich sollte man möglichst drei bis fünf unterschiedliche Kulturen haben und beispielsweise den Raps möglichst erst nach drei oder vier Jahren an derselben Stelle wieder anbauen“, sagt Thomas Goebel. Üblicherweise sind die anderen Kulturen Getreide, Mais oder Eiweißpflanzen wie Lupinen, Erbsen und Ackerbohnen.

Winterraps wird schon im Vorjahr gesät

Auf sein erstes frisches Geld muss der Landwirt geduldig warten. Gesät wird der in Deutschland hauptsächlich angebaute Winterraps bereits im August des Vorjahres. Bis er geerntet wird, ist er vielen Belastungen ausgesetzt. Gerade in diesem Jahr wird die Ernte nicht ganz so üppig ausfallen, da die Bedingungen im letzten Spätsommer nicht optimal waren. „Die kahlen Stellen auf den Feldern rühren von der Trockenzeit von August bis Oktober, darunter hat die Pflanze mächtig gelitten und zum Teil nicht wachsen können“, sagt Thomas Goebel. „Und genau das frustriert ja auch viele Bauern. Die machen alles richtig und dann vermiest das Wetter die Ernte“. Landwirt Jörg Niendorf aus Reinsdorf in der Gemeinde Niederer Fläming hatte weniger mit der Trockenheit zu kämpfen. Er hörte von einigen Bauern aus der Region, ihnen sei die Blüte vom Frost erfroren, womit starke Ernteeinbußen einhergehen werden.

Bienenschutz, aber kein Schutz vor Schädlingen

Im Herbst sieht er vor allem den Schädlingsbefall als Problem. Früher konnten die Bauern diesem vorbeugen, indem sie gebeiztes Saatgut kauften. Dieses behandelten die Saatguthersteller vor dem Verkauf an die Bauern mit Pflanzenschutzmitteln, um es vor Pilzbefall und anderen Schädlingen zu schützen. Durch ein Verbot im Sinne des Bienenschutzes im vorletzten Jahr hätten viele Bauern große Ernteausfälle zu beklagen, da die angegriffenen Körner zu schwach waren, sich durch die Erde zu kämpfen. Jörg Niendorf ärgert sich über diese Verordnung: „Wenn der Raps erstmal aus der Erde raus ist, sind die Schädlinge nicht mehr so ein großes Problem, weil die Pflanze dann schon genug Masse hat. Da geht man dann mit einer Pestizid-Feldspritze ran, aber auch die könnte man sich sparen, wenn wir wieder gebeiztes Saatgut bekämen.“ Auch Landwirt Oliver Pahl aus Schönefeld hinterfragt den Sinn der Verordnung: „Wo bleibt da der ökologische Ansatz? Unter den späteren Einsätzen mit der Feldspritze leiden auch andere Insekten.“

Wo Raps überall Verwendung findet

Raps gehört zu den Ölsaaten. Nach der Ernte wird die Pflanze zu Rapsöl verarbeitet, das entstehende Koppelprodukt ist der sogenannte Rapskuchen. Dieser wird hauptsächlich für die Fütterung in der Schweineproduktion genutzt. Auch für die Biodiesel-Produktion wird das Öl verwendet. Das bei der Verarbeitung entstehende Glycerin wird ebenfalls in der Futtermittelindustrie oder in der chemischen Industrie sowie als Bioenergieträger genutzt. Aber auch in der chemischen und pharmazeutischen Industrie dient das Kreuzblütengewächs als Grundstoff für Materialien wie Farben, Weichmacher, Tenside, Bio-Kunststoffe, Kaltschaum oder biogene Schmierstoffe. Das bei der Ernte anfallende Rapsstroh verbleibt in der Regel als Humus- und Nährstofflieferant auf dem Acker, kann aber auch energetisch genutzt werden. Auch für die Imkerei haben Rapsfelder eine wichtige Bedeutung. Rapsblüten sind in Deutschland eine der wichtigsten und ergiebigsten Nektarquellen für Honigbienen. Einige Arten von Rapsblättern- und Stängeln finden sogar in der asiatischen und afrikanischen Küche als Gemüse Verwendung.

Die Qualität der Ernte wird durch den Ölgehalt in den Rapskörnern bestimmt. Es gibt einen Grundpreis für den Basisgehalt an Öl von 40 Prozent. Wird dieser überschritten, gibt es Zuschläge. Wie ein möglichst hoher Ölgehalt zu erreichen ist, verrät Thomas Goebel: „Man muss gute Sorten wählen, den Raps natürlich hegen und pflegen. Er braucht viel Wärme und Feuchtigkeit. Gerade wenn die Blüte vorbei ist und die Schote gebildet wird, braucht die Pflanze besonders viel Wasser, um viel Öl in ihre Körner einlagern zu können.“

Wichtig sei auch, dass das gesamte Feld schnellstmöglich beerntet werde, sobald der Raps reif ist, „deshalb arbeiten die Bauern in der Erntezeit rund um die Uhr durch.“

Harte Arbeit, schlechte Preise

Mit guten Preisen wird ihre harte Arbeit aber nicht entlohnt: „Die letzten zwei Jahre waren die Preise auf Talfahrt. Kein Landwirt konnte mit irgendeiner Kultur Geld verdienen. Die Milch war unten im Preis, Getreide und Raps ebenso“, sagt Jörg Niendorf. Dadurch hatten die Bauern keine Möglichkeit, die Verluste in der einen Sparte durch eine andere auszugleichen. Die Rapspreise werden laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft von mehreren Faktoren beeinflusst. Den ersten Faktor bildet demnach die Entwicklung der Weltmarktpreise anderer konkurrierender Ölsaaten und Eiweißpflanzen wie zum Beispiel Soja oder Palmöl. Den zweiten Einflussfaktor bilden die Raps-Ernteerträge in Deutschland und der EU. Außerdem bestimmen politische Entscheidungen im Bereich nachwachsender Rohstoffe, also des Biodiesels, die Preisfestsetzung.

Die Kurse für Raps an der Pariser Börse haben nach der Ernte im vergangenen Jahr deutlich zugelegt – von rund 350 Euro pro Tonne auf fast 430 Euro pro Tonne Ende Januar. Die Ursache für diesen Anstieg war auch eine relativ schlechte Rapsernte in Deutschland und anderen EU-Staaten. Aufgrund der erwarteten sehr guten weltweiten Versorgungslage mit Ölsaaten haben die Notierungen wieder nachgegeben und bewegen sich aktuell bei rund 370 Euro pro Tonne.

Geht der Rapsanbau zurück?

Der Zukunft des Rapsanbaus sieht Oliver Pahl kritisch entgegen: „Ich denke schon, dass sich einige Bauern sagen werden, das lohnt sich nicht mehr. Der Raps ist eine sehr intensive Kultur. Man musste schon immer viel Geld und Zeit reinstecken, um was rauszubekommen. Gerade jetzt nach dem Wegfall der Beiz und etlicher anderer Wirkstoffe.“ Auch Jörg Niendorf sieht den Rapsanbau zukünftig zurückgehen: „Durch die weggefallene Beiz werden es viele Bauern schwer haben, die Schädlinge in den Griff zu bekommen. Raps ist so schon teuer in der Produktion. Die Saat, die Spritzmittel, die Pflanzenschutzmittel für vernünftige Erträge sind alles hohe Kostenfaktoren.“

Die Statistiken stützen die Annahme der beiden Landwirte: In Deutschland ist die Zahl der Winterraps anbauenden Betriebe rückläufig, ähnlich der landwirtschaftlichen Betriebe insgesamt. 2010 gab es laut Ergebnis der Bodennutzungshaupterhebung 63 000 Betriebe mit Anbau von Winterraps, 2013 waren es 56 400 und 2016 nach vorläufigen Daten rund 50 300. Die Anbaufläche von Winterraps lag allerdings trotz jährlicher Schwankungen im gleichen Zeitraum auf etwa gleichem Niveau. 2010 wurden 1 457 000 Tonnen Winterraps angebaut und im vergangenen Jahr waren es 1 331 000 Tonnen.

Alle drei Landwirte gehen davon aus, dass die Bauern in guter Lage und mit guter Bodenqualität auch weiterhin Raps anbauen werden, denn dort ist die Pflanze zumindest robuster gegenüber schlechten Wetterbedingungen: „Bei gutem Boden ist es nicht so schlimm, wenn es ein paar Tage nicht regnet“, sagt Jörg Niendorf.

Von Josefine Kühnel

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