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Die kleinste Galerie Brandenburgs

Kunst auf gerade mal 3,27 Quadratmetern Die kleinste Galerie Brandenburgs

Mit der Lupe müssen Sie nicht schauen, aber staunen: Im Örtchen Regenmantel in Ostbrandenburg wird ein Trafohäuschen zum Kunst-Treff - auf gerade mal 3,27 Quadratmetern! Die wohl kleinste Galerie Brandenburgs kann sich vor Künstler-Anfragen kaum retten - und auch der Besucher-Zustrom ist rege. Galerist Michael Pommerening hat aber schon wieder neue Ideen.

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Kleine Galerie, aber immerhin mit Platz für einen ganzen "Affenzirkus".

Quelle: Privat

Falkenhagen (Mark). Eine Ausstellung auf lediglich 3,27 Quadrat metern ist schon eine Kunst für sich. Brandenburgs wohl kleinste Galerie auch noch mitten in der märkischen Provinz, quasi am Feldrand, zu etablieren, eine wohl noch größere. Doch das Experiment von Michael Pommerening ist geglückt. Vor einem Jahr war der hauptberufliche Fernseh-Journalist angetreten, um in seinem ländlichen Zweitwohnsitz mit dem ungewöhnlichen Namen Regenmantel (Märkisch-Oderland) professionell Kunst anzubieten.

In einem stillgelegten, acht Meter hohen Trafoturmhäuschen, gleich neben dem von Froschquaken erfüllten Dorfteich, wechseln auf weniger als zwei mal zwei Metern Grundfläche alle sechs Wochen die Ausstellungen mit Werken bekannter Künstler. Harald K. Schulze war schon da, ebenso wie Schauspieler Bruno F. Apitz mit seinen Grafiken. Aktuell ist es der Bildhauer Jörg Engelhardt, der mit seinem „Affenzirkus“ menschliche Schwächen in der „Trafo 1“ getauften Galerie vorführt.

Mittlerweile bekommt Pommerening Anfragen von Künstlern, die ihre Arbeiten in Brandenburgs, wenn nicht gar Deutschlands kleinster Galerie präsentieren wollen. Sie ist auf Monate hinaus ausgebucht, wie der Hobby-Galerist mit hörbarem Stolz berichtet. Angetreten war der heute 61-Jährige, um, wie er sagt, Kunst dort anzubieten, „wo sie niemand vermutet“, für Einheimische oder auch Radtouristen, die ansonsten weder Zeit noch Muße für einen Museumsbesuch haben.

Dass es letztlich ein Feldrand im 50-Seelen-Örtchen Regenmantel sein würde, wo Pommerening seine Idee verwirklicht, war Zufall. Er hatte vom bevorstehenden Abriss eines 1936 erbauten Trafoturmhäuschens mit der veralteten Technik erfahren. „Ich appellierte an die Gemeindevertreter, das nicht zuzulassen“, erinnert er sich. Die übernahmen das Turmhäuschen unter der Voraussetzung, dass ihnen daraus keine Kosten entstünden.

Unterstützung bekam Pommerening vom bisherigen Eigentümer des Backstein-Bauwerkes – dem Energiedienstleister Edis AG. „Eine ausgefallene Nutzung – wenn sie angenommen wird. Und das scheint ja so“, erklärt Unternehmenssprecher Horst Jordan. Gerade die charakteristischen Turmstationen würden regelmäßig neuen Nutzungen vor allem im Bereich Tierschutz übergeben. „Normalerweise sind das bevorzugte Nistplätze für Schleiereulen“, sagt Jordan, der bestätigt, dass das Unternehmen für die Umnutzung sogenannte Anschub finanzierungen bereitstellt. 1000 Euro gab es so auch für das Trafohäuschen in Regenmantel, das einen neuen Außenanstrich und ein Sichtfenster bekam und die alte Technik im Inneren verlor.

Mehr als 2500 Passanten haben laut Pommerening bisher in dem künstlerisch wertvollen Trafohäuschen vorbeigeschaut. „Das waren nicht nur Berliner und Brandenburger, sondern auch Touristen aus Österreich und Bayern“, berichtet er. So mancher sei auch gezielt wegen der kleinsten Galerie nach Regenmantel gekommen, erzählten sie dem Hobby-Galeristen. Der sprüht schon wieder vor neuen Ideen. Schließlich gibt es in der Region noch weitere ausgediente Mini-Bauten, denen der Abriss oder Verfall droht.

Clown Widu vor "Trafo 1"

Quelle: Privat

In diesem Sommer hat das Trafohäuschen eine „große Schwester“ bekommen: Ein altes Wiegehäuschen einer ehemaligen LPG in Dolgelin, etwa zwölf Kilometer von Regenmantel entfernt. „Es ist ebenfalls alter Backstein, hat 6,25 Quadratmeter Nutzfläche und ist für Skulpturen-Ausstellungen geeignet“, sagt Pommerening. Hier werden derzeit Bühnen- und Kostümentwürfe fürs Theater gezeigt.
Pommerening hat schon mit der Einrichtung von „Trafo 1“ von einem Verbund an ungewöhnlichen Kunst-Galerien geträumt. Radfahrer könnten auf eine Kunst-Tour geführt werden und bei ihren Stopps zum Beispiel regionale Köstlichkeiten genießen, beschreibt der Hobby-Galerist seine neueste Idee.

Doch das ist Zukunftsmusik, wie Pommerening zugibt. Erst einmal freut er sich, dass zu jeder neuen Ausstellung 60 bis 70 treue Fans kommen. Schließlich gibt es meist nicht nur etwas zu gucken, sondern auch zu hören – vom ebenfalls im Ort beheimateten Percussionisten Herman Naehring oder Schauspielerin Rhea Harder beispielsweise. Inzwischen hat Pommerening den gemein nützigen Verein „Kunstregen“ gegründet, um die Umsetzung seiner Visionen auf mehr Schultern zu verteilen.

Ob das Örtchen Regenmantel tatsächlich Brandenburgs oder Deutschlands kleinste Galerie beherbergt, bleibt Spekulation. Pommerening jedenfalls hat im Internet und im Guinness-Buch der Rekorde recherchiert und nichts ähnlich Kleines gefunden. „Eine Galerie muss begehbar sein, man muss eintreten können – was bei uns der Fall ist. Noch kleiner geht eigentlich gar nicht“, ist er sich sicher.

Von Jeanette Bederke

Kontakt unter www.kunstregen.eu

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