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Die lange Liste des rechten Terrors in Nauen

Donnerstag ist Prozessbeginn Die lange Liste des rechten Terrors in Nauen

Bildung einer kriminellen Vereinigung, Sachbeschädigung, schwere Brandstiftung – die Anklagepunkte wiegen schwer. Fünf Männer müssen sich ab Donnerstag für diverse Straftaten verantworten. Die Liste ist lang – und hat mit dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft einen unrühmlichen Höhepunkt.

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Quelle: MAZ-Archiv

Potsdam/ Nauen. Am Donnerstag, 24. November 2016, beginnt in Potsdam der Prozess gegen drei Neonazis, die seit anderthalb Jahren mehrere Sachbeschädigungen begangen, Angst und Schrecken verbreitet und einen Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft unternommen haben sollen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den fünf Angeklagten Maik Schneider, Dennis W., Christopher L., Frank E., Christian B. vor, „ Anfang 2015 eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben, mit dem Zweck, Straftaten mit ausländerfeindlichem Hintergrund zu begehen“.

Vor dem Landgericht Potsdam soll es konkret um folgende Fälle gehen:

Am 12. Februar 2015 soll Maik S. „eine Stadtverordnetenversammlung, die auf dem Gelände des evangelischen Gemeindezentrums Nauen stattfand, durch Rufen von ausländerfeindlichen Parolen so gestört haben, dass die Sitzung aus Angst vor weiterer Eskalation abgebrochen wurde“. Die Polizei musste einschreiten.

Am 17. Mai 2015 soll „Dennis W. aufgrund eines zuvor gefassten Plans mit Maik S. mit einer Axt eine Scheibe des Fahrzeugs des Geschädigten K. eingeschlagen und das Fahrzeug später mittels einer Brandbeschleuniger in Brand gesetzt haben, was der Maik S. beobachten haben soll“. Der Wagen im Nauener Karl-Bernau-Ring brannte vollständig aus. Der Schaden belief sich auf mehrere Tausend Euro.

Am 1. Juni 2015 soll „Dennis W. gemäß dem Willen der Gruppe eine Zylinderbombe vor einer LIDL-Filiale in Nauen gezündet haben, wodurch ein Sachstanden in Höhe von mehr als € 9.000,00 an dem Gebäude entstand“.

Im Frühling 2015 , Ende Mai/Anfang Juni, soll „Maik S. Christopher L. beauftragt haben, das Büro der Partei Die Linke in Nauen mit Farbbeuteln zu bewerfen. Christopher L. und Frank E. sollen dies sodann in die Tat umgesetzt haben, wodurch an der Fassade des Hauses ein Schaden in Höhe von ca. € 6.000,00 entstanden ist“. Zunächst tappte die Polizei im Dunkeln, die Kreisvorsitzende der Linken war aber schon damals sicher, wer dafür verantwortlich sei.

Das Büro der Linken ist im Frühjahr 2015 immer wieder Zielscheibe von Attacken. Am 9. Juni 2015 soll Dennis W. „in Wahrnehmung des Gruppenwillens das Türschloss, und das Briefkastenschloss zu dem Büro der Partei Die Linke in Nauen mit Sekundenkleber verklebt haben, wodurch diese unbrauchbar wurden“.

Anschläge auf Linken-Büros in Nauen

25. März 2015 : Einschlagen der Scheiben des Büros mit 29 Hammerschlägen

Ende März : Zerstören des Fahrradständers mit Partei-Logo vor dem Haus

25. Mai 2015 : Anschlag mit Farbbeuteln und halb ausgebrüteten Eiern, Verkleben der Schlösser

31. Mai 2015 : Bekleben der Fensterscheiben mit Aufklebern der NPD

3. Juni 2015 : Einschlagen der Scheiben mit vier Hammerschlägen

7. Juni 2015 : Anschlag mit Farbbeuteln, vordere und seitliche Fassade (Festnahme zweier Tatverdächtiger)

9. Juni 2015 : Verkleben der Schlösser (Festnahme eines Tatverdächtigen)

Auch der Verein Mikado in Nauen wurde Opfer eines Anschlags:

16. April 2015 : Zerstechen der Reifen des Busses von Mikado. Hinterlassen eines Zettels „Liebe Asylantenfreunde, Töglitz ist auch hier. Bis bald!“

In der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 2015 soll Christopher L. „in Entsprechung des Gruppenwillens“ auf die Baustelle für ein neues Übergangsheim am Waldemardamm gegangen sein, „wo er die DixiToilette mittels Brandbeschleuniger in Brand gesetzt haben soll“.

Bundesweit Schlagzeilen machte aber vor allem der Brand einer Sporthalle, die als Flüchtlingsunterkunft vorgesehen war. Hierbei wird „den Angeklagten Maik S., Dennis W., Christian B., und Sebastian F., – Letzterer soll zumindest als Mitglied einer whatsapp-Gruppe insoweit eingebunden gewesen sein - [...] schließlich vorgeworfen, in der Nacht vom 24. zum 25. August.2015 eine Sporthalle des OSZ Nauen, die als Notunterkunft für Asylsuchende vorgesehen war, durch das Anzünden davor gelagerter Materialien in Brand gesetzt zu haben, wodurch die Sporthalle vollständig zerstört wurde und ein Sachschaden von ca. € 3,5 Mio entstand. Die Angeklagten Christian B., Christopher L. und Frank E. sollen bei der Tat „Schmiere“ gestanden haben“.

lk

Von MAZonline

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