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Brandenburg Die wichtigsten Fakten zum Dieselskandal
Brandenburg Die wichtigsten Fakten zum Dieselskandal
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19:12 06.07.2018
Update bei einem VW-Dieselmotor. Ein Kfz-Meister lädt bei der Rückrufaktion zum Abgasskandal neue Software. Quelle: Foto: dpa
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Potsdam

Was bedeutet „Software-Update“ für Schummeldiesel-Motoren? 

Generell unterscheidet man zwischen Software- und Hardware-Update. Die Software-Umprogrammierung ist die für die Hersteller günstigere Lösung, ihre Kosten übernimmt das Unternehmen. Beim Software-Update wird die Elektronik im Motor so umprogrammiert, dass eine illegale Abschalteinrichtung außer Betrieb gesetzt wird. Diese elektronische Manipulation war der Dreh- und Angelpunkt im Dieselskandal: Die Motoren sind ursprünglich so programmiert, dass sie erkennen, ob sich das Auto in einem Teststand befindet oder im realen Straßenverkehr. Unter Test-Bedingungen werden die Abgase viel gründlicher gereinigt als im Normal-Modus. Die Entdeckung dieser Schummelei löste den Abgasskandal aus.

Wie kompliziert ist eine Hardware-Nachrüstung für Dieselmotoren?

Ein Hardware-Update ist viel komplizierter und kostspieliger. Es besteht im Einbau einer chemischen Abgasreinigung. Dabei wird aus einem Tank eine Harnstoff-Lösung (Adblu) mit dem Abgas in Kontakt gebracht und reduziert dort den Stickstoffgehalt. Der Konstruktionsaufwand ist erheblich, nicht in jedem Motorraum ist genügend Platz. Außerdem verbraucht die Reinigungsanlage Strom – ein Gutachten der Technischen Universität München rechnet mit 4,7 Prozent Mehrverbrauch je 100 Kilometer.

Was würde eine Hardware-Nachrüstung kosten?

Nach Berechnungen der Grünen-Bundestagsfraktion würde es fünf Milliarden Euro kosten, wenn Fahrzeuge der Norm 5 umgerüstet würden. VW müsste mit rund 2,6 Milliarden Euro am meisten zahlen. Die Berechnung geht von einer Umrüstungsquote von 80 Prozent und Kosten von 1800 Euro je Fahrzeug aus. Der Deutschen Umwelthilfe zufolge würden 15 Milliarden Euro Kosten auflaufen, würden auch Fahrzeuge der neueren Euro-6-Norm mit Harnstoff-Anlagen ausgerüstet.

Welche Signale sendet die Politik?

Die Umweltminister von Bund und Ländern haben sich im Juni mit großer Mehrheit für Hardware-Nachrüstungen bei Diesel-Pkw ausgesprochen. Dies sei ein wesentliches und notwendiges Element zur Verringerung von Stickstoffdioxidbelastung, hieß es in einem Beschluss der Umweltministerkonferenz (UMK) in Bremen. Die Kosten möglicher technischer Nachrüstungen dürften dabei nicht zu Lasten der Verbraucher gehen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) stellte sich hinter den Beschluss. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hingegen lehnen technische Nachrüstungen direkt am Motor ab. Scheuer hatte zuletzt bekräftigt, dies bedeutete erhebliche Eingriffe in die Autos und eine Investition in alte Fahrzeuge. Außerdem gilt es als rechtlich sehr schwierig, die Hersteller zu solchen Nachrüstungen zu verpflichten. Die Branche lehnt diese ab. Linke und AfD werfen der Politik vor, die Autofahrer im Stich zu lassen.

Wer kommt für den Schaden auf?

Das ist die große Streitfrage. Die Automobilbranche hat neue Abgas-Software für zusätzliche 2,8 Millionen Diesel bis Jahresende zugesagt. Für die Kosten der Umrüstung will sie aufkommen. Den Einbau der Hardware wollen die Hersteller nicht finanziell übernehmen. Der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, Klaus Müller, regte einen Fonds für die Hardware-Nachrüstung von Dieseln an, die wegen Abgasmanipulationen mit Fahrverboten belegt werden könnten.

Wie viel Geld hat die Abgas-Manipulation den VW-Konzern bislang gekostet?

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Volkswagen in der Dieselaffäre ein Bußgeld über insgesamt eine Milliarde Euro aufgebrummt. Ermittelt wurde schon länger, nun sehen die Ankläger „Aufsichtspflichtverletzungen“ im Konzern belegt. In den USA hatte VW wegen der Dieselaffäre schon Milliarden an Strafen zahlen müssen. Und es gab Entschädigungen für betroffene Autobesitzer. Das gibt das Rechtssystem in Deutschland bislang nicht her. Anleger klagen außerdem auf Schadenersatz in Milliardenhöhe, weil die VW-Aktie nach Bekanntwerden des Skandals auf Talfahrt ging. Die Manager sollen die Finanzmärkte im Herbst 2015 zu spät über den Abgasskandal informiert haben. Der Konzern betonte stets, dies rechtzeitig getan zu haben. Insgesamt hat der Konzern für die Affäre 25,8 Milliarden Euro an Kosten verbucht.

Wie stark sind andere Hersteller in den Skandal verwickelt?

774 000 Dieselautos von Mercedes Benz muss Daimler in Europa zurückrufen. Justiz und Behörden haben den Konzern schon länger im Visier. Auch die Stuttgarter sollen eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet haben. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt schon seit über einem Jahr wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung gegen Daimler-Mitarbeiter. Im Mai 2017 durchsuchten Ermittler diverse Standorte des Autobauers und stellten Unterlagen sicher. Die Staatsanwaltschaft München verdächtigt BMW, in 11 000 Dieselautos eine falsche Abgas-Software eingebaut zu haben. Betrug mit einer „prüfstandsbezogenen Abschalteinrichtung“, so der Anfangsverdacht. Chef Harald Krüger hatte auf einer Hauptversammlung gesagt, bei 11 700 Autos der 5er- und 7er-Baureihen sei irrtümlich die Software einer anderen Baureihe aufgespielt worden. Mit gezielter Manipulation von Motorsteuerung und Abgasreinigung habe das nichts zu tun.

Von Ulrich Wangemann

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