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Brandenburg Diese 28 Orte wollen wolfsfrei werden
Brandenburg Diese 28 Orte wollen wolfsfrei werden
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01:15 11.11.2018
Wolf durchs Fernglas betrachtet. Quelle: dpa/Carsten Rehder
Potsdam

Die Protestbewegung gegen die Ausweitung des Wolfs will bis zur Landtagswahl im Herbst nächsten Jahres 100 Gemeinden hinter sich geschart haben, die sich bis dahin als „wolfsfreie Gemeinden“ deklariert haben sollen. Das sagte Mario Borchert, Koordinator des Netzwerks Wolfsfreie Gemeinden, der MAZ.

Nach jetzigem Stand hätten Gemeindevertretungen in 28 Orten eine solche Entschließung verabschiedet. In 30 weiteren Orten laufe die Debatte, sagte Reinhard Jung, Vorsitzender des Bauernbunds, einer Vereinigung von landwirtschaftlichen Familienbetrieben, die seit Jahren für eine Reduzierung des Wolfsbestands in der Mark kämpft. Aktuell haben mehr als 7000 Personen nach Angaben des Wolfsfreie-Zonen-Bündnisses sich der Initiative angeschlossen.

Orte, die für Wolfsfreiheit gestimmt haben

Stadt Lenzen (PR) / Gemeinde Weisen (PR) / Stadt Bad Wilsnack (PR) / Gemeinde Legde/Quitzöbel (PR) / Gemeinde Plattenburg (PR) / Gemeinde Breddin (OPR) / Stadt Kyritz (OPR) / Stadt Gransee (OHV) / Gemeinde Sonnenberg (OHV) / Gemeinde Stechlin (OHV) / Gemeinde Großwoltersdorf (OHV) / Gemeinde Schönermark (OHV) / Gemeinde Havelaue (HVL) / Gemeinde Kleßen-Görne (HVL) / Gemeinde Groß Kreutz (PM) / Stadt Ziesar (PM) / Gemeinde Buckautal (PM) / Stadt Niemegk (PM) / Gemeinde Planetal (PM) / Gemeinde Mühlenfließ (PM) / Gemeinde Rabenstein (PM) / Stadt Schlieben (EE) / Gemeinde Fichtwald (EE) / Gemeinde Lebusa (EE) / Gemeinde Kremitzaue (EE) / Gemeinde Hohenbucko (EE) / Stadt Calau (OSL) / Gemeinde Liepe (BAR).

Am Samstag werden die Wolfsskeptiker vor dem Landtag in Potsdam gegen eine Ausbreitung des Raubtiers protestieren.

Abschuss nach Quoten

Die Hauptforderungen: Der Lebensraum von Wölfen soll in Brandenburg auf bestimmte Regionen begrenzt werden, etwa auf Truppenübungsplätze, ehemalige Tagebaubrachen und große Waldgebiete. Es sei normal, dass junge Tiere sich irgendwann selbstständig machten und durchs Land zögen, sagt Demo-Organisator Borchert. Diese Bewegung könne man kaum beschränken. Aber Rudel sollten sich nicht mehr regelmäßig in der Nähe von menschlichen Siedlungen und Weidetieren aufhalten dürfen. Das müsse durch „Schutzjagden“ nach skandinavischem Vorbild sichergestellt werden, so fordert es unter anderem auch der CDU-Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski.

Wolfsfreie Gemeinden in Brandenburg. Quelle: Detlev Scheerbarth

Demo-Organisator Borchert verweist auf Schweden, wo in den nördlichen Gebieten, in denen die Samen Rentiere halten, alle Wölfe geschossen werden. „Wäre das nicht so, gäbe es keine Rentierhaltung mehr“, so Borchert. In Südschweden dagegen gelte eine Obergrenze.

Das Bündnis drängt darauf, dass eine solche Obergrenze für den Wolfbestand auch in Deutschland festgelegt wird. Die solle so gewählt werden, dass die Tiere nicht mehr vom Aussterben bedroht sind und sie in genetischem Austausch zu großen Populationen etwa in Osteuropa stehen. Alle Tiere, die die gewählte Zahl überschreiten müssten geschossen werden, so die Kritiker der bisherigen Regelung, wonach Wölfe unter Berufung auf ein internationales Artenschutzabkommen absolut geschützt sind.

Problemwölfe dürfen geschossen werden

In Brandenburg dürfen laut der neuen Wolfsverordnung allenfalls Problemwölfe unter ganz bestimmten Bedingungen getötet werden – de facto ist es dazu seit Einführung der Regelung Anfang des Jahres noch nie gekommen.

Ein provokativer Begriff

Dabei geben die Organisatoren offen zu, dass „der Begriff ,Wolfsfreie Zonen’ provokativ ist“, so Organisator Mario Borchert, der selbst zwei Pferde hat, Jäger ist und hauptberuflich Berater in der Sicherheitsbranche. Der 48-Jährige aus der Nähe von Neustadt/Dosse weiß, dass kein Raubtier sich um einen Gemeinderatsbeschluss kümmert. Doch er sagt: „Das Land verweist auf den Bund, der Bund auf Europa – wir in den Gemeinden, an der Basis, können so aber nicht agieren.“ Borchert ist selbst Gemeindevertreter in Breddin (Ostprignitz-Ruppin) und nicht parteilich gebunden. Bauernbund ist er auch nicht.

Mario Borchert, Koordionator der Demo am Samstag. Quelle: Stefan Abtmeyer

Borchert denkt politisch: „Wir auf dem Land sind stimmenmäßig in der Unterzahl gegenüber Städten, bilden aber den größeren Teil der Fläche ab – doch schauen Politiker bei Wahlen auf die Städte, wo sie ja die meisten Stimmen holen können.“ Daher sei öffentlicher Protest der einzige Weg, die Wolfsthematik in der Debatte zu halten. Ziel müsse die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdrecht sein, damit dies für alle Bundesländer bindend werde.

29 Rudel offiziell gezählt

Laut Landesregierung gibt es derzeit 29 Wolfsrudel im Land, sieben Paare und ein Einzeltier. 77 Welpen hat man im laufenden Jahr gezählt. Dazu kommen noch einige ungeklärte Fälle. Damit hat sich binnen eines Jahrs der Bestand um sechs Rudel erhöht. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 wurde erst ein Rudel gezählt.

Ein Rudel umfasst zwischen fünf und zwölf Tiere. Die meisten Wölfe leben in Südbrandenburg und in der Prignitz.

Von Ulrich Wangemann

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