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Diese Pendlerstrecken sollen besser werden

Rahmenvereinbarung mit der Bahn Diese Pendlerstrecken sollen besser werden

Überfüllte Züge gehören für Tausende Pendler zum Alltag in Brandenburg. Ein neuer Vertrag verspricht Entlastung: Die Bahn, Berlin und Brandenburg haben am Mittwoch eine Rahmenvereinbarung unterzeichnet, die den Ausbau der am stärksten belasteten Strecken im Berliner Umland sicherstellen soll. Wir stellen die Strecken vor.

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Dicht an dicht: Vor allem in Spitzenzeiten drängeln sich auf Bahnsteigen und in Zügen die Pendler.

Quelle: dpa

Potsdam. Der Handlungsdruck ist groß: Schon heute sind die Züge zwischen Berlin und dem Brandenburger Umland überfüllt, vor allem in den Spitzenzeiten finden Pendler oft nur mit Mühe einen Sitzplatz – wenn überhaupt. Das soll sich ändern. Die Länder Berlin und Brandenburg unterzeichneten am Mittwoch mit der Deutschen Bahn eine Rahmenvereinbarung zum Ausbau von acht stark belasteten Korridoren. Damit sollen die Weichen gestellt werden für eine Infrastruktur, die im Jahr 2030 nicht unter der Last einer wachsenden Metropolregion zusammenbricht.

Acht Korridore zwischen Berlin und Brandenburg

Erheblichen Ausbaubedarf sehen Bahn und Länder unter anderem auf den Strecken von Berlin nach Oranienburg, beim Prignitz-Express bis Velten, bei der Potsdamer Stammbahn, zwischen Spandau und Nauen, Richtung Basdorf und Blankenfelde sowie auf der Strecke Cottbus – Berlin via Königs Wusterhausen. Die Baustellen sind also definiert, sie basieren vor allem auf der Korridoruntersuchung des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB).

Dessen Analyse hat gezeigt, dass diese Abschnitte als besonders belastet gelten und sollen in den nächsten Jahren noch stärker nachgefragt werden. Bis 2030 werden sich demnach die Passagierzahlen zwischen Königs Wusterhausen und Cottbus fast verdoppeln.

Wie genau die populären Verbindungen ausgebaut werden sollen und was das kosten wird, ist noch unklar. Ein Lenkungskreis unter Leitung des VBB, der Ende November erstmals tagt, soll die Projekte zur baureife führen. Denkbar wären größere Bahnhöfe, eine bessere Leittechnik sowie mehr Gleise.

So geht Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) davon aus, dass die Cottbuser Verbindung zwingend zweigleisig ausgebaut werden muss. Auch eine Verlängerung von S-Bahn-Trassen schließt sie nicht aus. „Für die Region werden wir beide Systeme brauchen“, sagte sie am Mittwoch bei der Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung in Berlin. „Es wird an manchen Stellen gehen, an anderen wird der Platz begrenzt sein.“

„Schneckentempo statt Hochgeschwindigkeit“

Ronald Pofalla, Infrastrukturchef der Bahn, nannte die Vereinbarung wegweisend. „Das ist ein Modell, das es so noch nicht gibt“, sagte er. Er geht davon aus, dass die Planung für den Streckenausbau damit effektiver wird, weil die einzelnen Projekte besser aufeinander abgestimmt werden können. So will Brandenburg darauf achten, dass künftig die Städte in der sogenannten zweiten Reihe – die von Berlin innerhalb einer Stunde erreichbar sind – besser angebunden sind. Hier erhofft sich Verkehrsministerin Schneider, vom Berliner Bevölkerungswachstum profitieren zu können. „Das bringt einen gewaltigen Schub“, sagte sie.

Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (vr), Bahn-Infrastrukturchef Ronald Pofalla und Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther unter

Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (v.r.), Bahn-Infrastrukturchef Ronald Pofalla und Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther unterzeichneten einen Kooperationsvertrag.

Quelle: dpa

Doch dabei könnten die falschen Weichen gestellt werden, befürchtet der Verkehrsexperte der CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag, Rainer Genilke. „Die Brandenburger brauchen nicht nur am Rand von Berlin mehr Züge, die schneller und häufiger fahren, sondern auch in Cottbus, Perleberg und Jüterbog“, kritisierte er. Eine Beschleunigung der Planungsprozesse, wie sie sich Bahn-Vorstand Pofalla verspricht, kann er nicht erkennen. Die Fakten lägen seit Jahren auf dem Tisch. Nun werde ein weiterer Arbeitskreis eingerichtet, anstatt Investitionsentscheidungen zu fällen. „Statt Hochgeschwindigkeit herrscht beim Ausbau des Schienennahverkehrs also weiter Schneckentempo“, sagte er.

Nahverkehrskonzept bringt schnellere Entlastung

Auch die Grünen warnen davor, dass der Rest des Landes bei den Planungen vergessen werden könnte. Gute Bahnanbindungen sind Lebensadern des ländlichen Raums. Die Brandenburger Verkehrspolitik muss das ganze Land im Blick behalten“, sagte der verkehrspolitische Sprecher, Michael Junglaus.

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßte die nun unterzeichnete Vereinbarung, kritisierte jedoch, dass sie viel zu spät komme. Die meisten Projekte seien schon seit Jahren, teils sogar seit Jahrzehnten ergebnislos diskutiert worden, erklärte der Regionalvorsitzende Peter Cornelius.

Schnelle Lösungen wird es laut Brandenburgs Verkehrsministerin auch jetzt nicht geben. Es gehe um die Entwicklung der Region in den nächsten 20 Jahren, sagte Schneider. Schnellere Entlastung für Pendler verspricht sie sich vom Nahverkehrskonzept des Landes, das im Oktober als Entwurf in die Abstimmung gehen soll. Dabei wird es unter andrem um schnellere Taktungen gehen auf stark belasteten Strecken zu Spitzenzeiten gehen.

Von Torsten Gellner

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