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Dieser Brandenburger macht das Rennen

MAZ-Schrittzähler-Aktion Dieser Brandenburger macht das Rennen

„Mir tut nix weh, und ich habe keine Blase am Fuß“, sagt der Sieger. Am Ende der einwöchigen MAZ-Aktion hat einer der 25 Teilnehmer alle Konkurrenten abgehängt und selbst Weltklasse-Geher Christopher Linke vom SC-Potsdam übertrumpft: Wer der Spitzenreiter ist, erfahren Sie hier.

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Der Gewinner der MAZ-Aktion.

Quelle: Claudia Bihler

Potsdam. Es ist 1.15 Uhr in der Prignitz, als der Wecker von Hans-Georg Morgenstern klingelt. Der Rentner steht auf, zieht seine Turnschuhe an. Um 1.30 Uhr ist er bereits auf der Strecke. Die Taschenlampe in der Hand, tragen ihn seine Füße vorbei an Straßen und Radwegen in seiner Heimatstadt Pritzwalk. Er geht am liebsten auf hartem Asphalt, den weichen Untergrund auf Wald- und Wiesenwegen mag er nicht. Nach fünfeinhalb Stunden kommt der 74-Jährige das erste Mal zu Hause in Pritzwalk an. Zeit für eine kurze Rast. Morgenstern frühstückt.

Mit Ausdauer Schritt für Schritt zum Sieg

Mit Ausdauer Schritt für Schritt zum Sieg: Hans-Georg Morgenstern punktet mit Fleiß und Disziplin.

Quelle: Claudia Bihler

Ortswechsel. Um kurz vor 3 Uhr nachts in Rathenow klingelt der Wecker von Florian Fode. Der Vater einer zehn Monate alten Tochter streift seine Laufschuhe über und geht eine Stunde joggen. Danach geht er noch ein paar Schritte, bis seine Frau um halb sechs Uhr zur Arbeit fährt und er das Baby betreut. Nach dem Frühstück geht es weiter auf die Strecke, die Tochter trägt der 31 Jahre alte Industriekaufmann im Tuch auf dem Rücken oder er schiebt sie im Kinderwagen.

Ein knappes Rennen

Es ist ein knappes Rennen, das sich die beiden am Donnerstag liefern. Jeder Schritt zählt noch bis 18 Uhr, dann liegen die Ergebnisse vor: Hans-Georg Morgenstern liegt mit insgesamt 477.652 Schritten knapp vor seinem Konkurrenten Florian Fode mit 463.895 Schritten.

Der Zweitplatzierte Florian Fode

Der Zweitplatzierte Florian Fode.

Quelle: Joachim Wilisch

Sieben Tage haben 25 Teilnehmer der MAZ-Frühjahrsaktion „Fit & gesund“ mit einem Fitnessarmband am Handgelenk ihre Schritte gezählt. Zwei Schüler, eine Krankenschwester, ein Justizwachtmeister, eine selbsternannte „Wanderoma“ sind gegeneinander angetreten. Auch wenn es am Ende nur einer aufs Siegerpodest geschafft hat, ist jeder Einzelne seinen persönlichen Rekord gelaufen.

Aus der Ferne drückt ein Profi-Sportler die Daumen

Vielleicht auch weil aus dem fernen Arizona in den USA einer ganz besonders die Daumen gedrückt hält: Christopher Linke, Weltklasse-Geher vom SC-Potsdam, machte beim MAZ-Wettbewerb außer Konkurrenz mit, um die Hobby-Läufer zu motivieren. Dass die Spitzenreiter tags und nachts gelaufen sind, ist selbst für den Profisportler „verrückt“. „Das ist eine enorme Leistung“, sagt er.

Der Drittplatzierte Robert Franke

Der Drittplatzierte Robert Franke.

Quelle: privat

Er kommt am Ende der Aktion auf 273 213 Schritte. Die hat er im Höhentrainingslager im 2100 Meter hohen Gebirge gesammelt. Zwei Umstände haben ihn den Sieg gekostet. An Top-Tagen geht er im Trainingslager rund 45 Kilometer in vier bis fünf Stunden, die andere Hälfte des Tages muss der Sportler aber regenerieren: Essen, Physiotherapie, Schwimmen, Sauna. In dieser Zeit sammelt er keine Schritte.

Und aus einem zweiten Grund übertrumpften die MAZ-Leser den Spitzensportler: Insgesamt vier Wochen verbrachte der Geher im Höhentrainingslager. Nach zwei Wochen gönnten sich die Sportler erstmals zwei „lockere Tage“, an denen Linke kaum Sport machte. Diese beiden Tage fielen in die MAZ-Aktion. Eine Chance, die Mitstreiter wie Morgenstern, Fode und der Drittplatzierte Potsdamer Marathonläufer Robert Franke, 39, ergriffen.

Spitzenreiter läuft Zehn-Stunden-Märsche

Spitzenreiter Morgenstern punktete mit extremer Ausdauer. „Seit zwölf Jahren laufe ich jeden Tag 18 Kilometer“, sagt der 74-Jährige. Während der MAZ-Aktion habe er sein Pensum mehr als verdoppelt, sei durchschnittlich rund 50 Kilometer gelaufen. Am ersten Tag sei er noch moderat losmarschiert, „um zu testen, was die anderen Teilnehmer so machen.“ Ab Tag zwei war sein Ehrgeiz geweckt, fortan ging er beachtliche neun bis elf Stunden am Tag, zwischendurch gönnte er sich nur kleine Essenspausen. Besonders stolz ist er auf seinen Endspurt: 58,1 Kilometer sei er bis 18 Uhr am letzten Aktionstag gelaufen – sein längstes Rennen.

Die flotteste Frau

Die flotteste Frau: Janine Sonnenberg.

Quelle: privat

Der Zweitplatzierte Florian Fode war nicht weniger engagiert. Auch er schielte anfangs auf die Schrittzähler-Tabelle und erhöhte dann kurzentschlossen sein Pensum. Eine süße Motivation begleitete den Vater in Elternzeit auf Schritt und Tritt: Baby Clara. Sie forderte ihrem Papa die ein oder andere Schweißperle extra ab. „Mit Kind unterwegs, musste ich Unterhaltungskünstler sein.“ Auch körperlich ging Fode mitunter an seine Grenzen, hatte Sorge, sich eine Zerrung im Bein zuzuziehen.

„Keine Blase am Fuß“

Anders Hans-Georg Morgenstern. „Mir tut nix weh, und ich habe keine Blase am Fuß.“ Was ihn antreibt? „Eigentlich war es mir gar nicht so wichtig, einen Preis zu gewinnen. Ich wollte sehen, wie ich im Vergleich zu anderen, jüngeren Teilnehmern abschneide“, erklärt der pensionierte gelernte Maschinenschlosser. Hans-Georg Morgenstern will auch nach der Aktion weiterlaufen. Der 74-Jährige würde den Schrittzähler-Wettbewerb gern über 365 Tage ziehen. „Erst da trennt sich die Spreu vom Weizen.“

Wie die Schrittzahl gemessen wurde

Über einen sogenannten Fitness-Tracker haben die Läufer ihre Ergebnisse abends mit dem Smartphone synchronisiert und täglich bis 18 Uhr an die MAZ via Screenshot übermittelt.

Die Schrittzähler-Aktion hat vor allem eines gezeigt: Der Ehrgeiz aller 25 Hobbyläufer war geweckt, jeder einzelne hat alles gegeben und sich mehr bewegt als sonst. Genau dazu wollte die MAZ in ihren „Fit & Gesund“-Wochen anregen. Es hat sich aber auch gezeigt, dass die optimale „Vermessung“ eines sportlichen Menschen mittels eines Fitness-Trackers ihre Grenzen hat. Als Schrittzähler ist ein Fitnesstracker eher ungenau, da er jede Bewegung seines Trägers honoriert. Als Bewegungsmelder jedoch liegt die Vergleichbarkeit darin, dass alle 25 Teilnehmer dieselbe Uhr getragen haben und mit einem beachtlichen Tagespensum durchs Land marschiert sind.

Ob Laborassistentin Janine Sonnenberg, die durch Extrawege im Krankenhaus nach sieben Tagen „brennende Oberschenkel“ hat, oder Landtags-Haustechniker Thomas Angerstein, der sich nun freut, „wieder mal den Aufzug“ zu benutzen, statt ständig die 700 Parlamentsstufen hoch und runter zu flitzen. Alle Teilnehmer haben ihr Bestes gegeben!

Der Ehrgeiz wird von der MAZ belohnt: Der fleißigste Läufer erhält das Fitnessarmband Samsung gear fit 2 im Wert von 199 Euro. Die Plätze 2 bis 7 erhalten einen Gutschein mit jeweils zwei Tageskarten für die Wellnesswelt Steintherme in Bad Belzig. Alle anderen Teilnehmer dürfen sich über ein Gesundheitsbuch freuen.

Von Diana Bade

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