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Digitale Selbstverteidigung

Auf Kryptopartys kann man Datenverschlüsselung lernen Digitale Selbstverteidigung

Der Prism-Skandal zeigt es: Private Daten können leicht ausgespäht werden. Um sich gegen Schnüffler zu wehren, organisiert die Piratenpartei sogenannte Kryptopartys. Hier kann man lernen, seine Daten so zu verschlüsseln, dass mitlesen für andere fast unmöglich wird.

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Quelle: Gerade die Daten von Facebooknutzern können leicht ausgespäht werden. Wie man sich vor Ausspähung schützen kann erfährt man auf sogenannten Kryptopartys der Piratenpartei

Berlin. Sonnabend, 16 Uhr. Trotz Badewetters haben sich knapp 100 Leute zu einer Kryptoparty im neuen Wahlkampfhauptquartier der Bundes-Piraten in Berlin-Lichtenberg eingefunden. Sie wollen die Kunst erlernen, E-Mails verschlüsselt zu senden und ihre Computer vor Schnüfflern zu sichern. Studenten und Rentner, Akademiker und Arbeiter, Piraten und Nicht-Piraten sitzen in der langgestreckten Halle, in der früher ein Supermarkt war, an Biertischen vor Laptops oder balancieren Rechner auf den Knien.

In den kommenden vier Stunden geht es um E-Mail-Verschlüsselung, aber auch um das Vermeiden oder Verwischen von Spuren im Netz, das anonyme Surfen. Kryptopartys sind Workshops für digitale Selbstverteidigung, allerdings in lockerem Rahmen. An diesem Nachmittag gibt es hausgemachten Kuchen, Schmalzbrote, Bier, Limonade und Mate-Tee. Allein in diesen Monat finden deutschlandweit 30 Kryptopartys statt. Die Workshops für digitale Selbstverteidigung werden von unabhängigen IT-Spezialisten und Computerclubs angeboten – und heute von den Piraten.

E-Mail-Verschlüsselung

E-Mail-Verschlüsselungwird verwendet, um vertrauliche Informationen so zum Empfänger zu schicken, dass niemand außer Absender und Empfänger sonst Zugang bekommt.

Die Verschlüsselunggeht oft einher mit der E-Mail-Signatur und wird in vielen Szenarien mit ihr kombiniert.

Der klassische Weg, E-Mail-Verschlüsselung und -Signatur zu betreiben, ist der Weg von Client zu Client. Dabei schickt A eine verschlüsselte und signierte Nachricht an B. Die Verschlüsselung und Signatur der Nachricht übernimmt das E-Mail-Programm von A, die Entschlüsselung und Signaturprüfung übernimmt der E-Mail-Client von B.

Für Unternehmen,die meist nicht über die nötige Komplexität der IT-Infrastruktur verfügen, bietet sich ein Server-basiertes Verfahren an. Verschlüsselung und Signatur übernimmt jeweils der Server des Unternehmens von A, die Entschlüsselung übernimmt entweder der Server des Unternehmens von B oder der E-Mail-Client von B.

„Früher hätten wir an einem solchen Tag mit zwei, drei Nerds hier gesessen, seit dem Prism-Skandal aber werden uns die Türen eingerannt“, sagt Kevin Price. Der Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen veranstaltet schon seit zehn Jahren Kryptopartys. Er habe bereits in der Grundschule ein Buch über Geheimschriften besessen, sagt der Pirat und fummelt am Beamer herum. Ein „Programm Ponyhof“ gibt es nicht, sagt er trocken. „Mit asymmetrischer Kryptopgraphie aber kann man bösen Leuten das Schnüffeln ganz schön erschweren.“

Die Workshop-Teilnehmer versuchen, mit der frei zugänglichen Software Enigmail so genannte Schlüsselpaare zu generieren. Jeweils ein öffentlicher und ein geheimer Schlüssel sind nötig, um Kommunikation sicherer zu machen. Die geheimen Schlüssel muss man dann auch digital absichern und fremde Schlüssel verifizieren. „Es könnte sich ja jemand als Freund ausgeben, der gar keiner ist“, sagt der Workshopleiter.

Ein bärtiger Schirmmützenträger will wissen, wie sicher Verschlüsselung ist. „Man kann sie immer knacken, aber wenn die NSA dazu nicht zwei Monate, sondern 10 000 Jahre braucht, kann ich viel besser damit leben“, sagt Price. „Es wäre gut, wenn alle Leute verschlüsseln würden“, ergänzt eine Jungpiratin im Minirock. Würden alle verschlüsseln, könnten die Geheimdienste nicht mehr alles speichern, denn so viel Speicherkapazität gibt es nicht. „Dass wir überhaupt hier sitzen müssen, um zu lernen, wie wir uns vor dem Staat schützen können, ist ein Skandal“, ruft die junge Frau in den Saal und erntet Applaus. Ein 28-jähriger Pirat möchte sich auf den aktuellen Stand bringen. „Es geht mir um Details“, sagt er. Dass die Piraten trotz gestiegener Aktualität ihrer Kernthemen nach wie vor bei zwei Prozent dümpeln, wundert ihn. Das könne aber noch umschlagen, meint er.

Georg, 30 Jahre alt, ist Monteur und ebenfalls bei den Piraten. In seiner Firma werden wichtige E-Mails seit zehn Jahren routinemäßig verschlüsselt. Anna, 22, hat sich am Vorabend die Enigmail-Software heruntergeladen. „Bis vor kurzem hatte für mich Datensicherheit nur eine sehr abstrakte Relevanz“, sagt die Studentin der Archäologie. Seit Snowden sei das anders: „Es geht nicht mehr nur ums Bikini-Foto auf Facebook, sondern um weit mehr.“

Die Piraten zu wählen, kann sich die junge Frau durchaus vorstellen. In Lichtenberg haben viele Menschen noch eine Erinnerung daran, was Überwachung bedeutet. Die Piratenzentrale liegt im Schatten von DDR-Plattenbauten. Passenderweise befindet sich im Obergeschoss ein Angelcenter. Unmittelbarer Nachbar ist ein Schlüsseldienst. Dessen Motto, „Erfolg durch Technik“, passt auch für die Partei mit der Freibeuterflagge. Sie wirbt für „liquid democracy“ – flüssige Demokratie. Bei privaten Daten aber sind sie für klare Grenzen.

Von Johanna die Blasi

Die Kryptopartys

www.kryptoparty.de bietet einen Überblick über Kryptopartys in Deutschland.

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