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Brandenburg Digitales Entwicklungsland Brandenburg
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08:32 26.02.2016
Der Wirtschaftsinformatiker Norbert Gronau forscht an der Universität Potsdam zur Fabrik der Zukunft.   Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam

 Man muss die kleineren und mittleren Unternehmen mitnehmen, mahnte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zu Beginn der zweiten Industrie-4.0-Konferenz am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI). Erneut trafen sich am Griebnitzsee rund 200 Branchenvertreter. Sie ließen sich von prominenten Wirtschaftsleuten wie dem Telekom-Vorstandschef Reinhard Clemens oder SAP-Technologievorstand Bernd Leukert erklären, was alles geschehen muss, damit jene sagenhafte industrielle Revolution mit intelligenten Fabriken und selbstfahrenden Autos in Deutschland zustande kommt.

Brandenburg braucht den Breitbandausbau

Woidke hatte bei seiner Mahnung seine heimische Industrie vor Augen, die eben aus kleinen und mittleren Unternehmen besteht. Doch um sie in das entstehende Weltreich kommunizierender Maschinen einzugemeinden, müsse erst einmal der Breitbandausbau bis in die hinterste Ecke der Prignitz vorangetrieben werden. Telekom-Vorstand Clemens wies etwa darauf hin, dass bei selbstgesteuerten Automobilen die unglaubliche Datenmenge von einem Terabyte pro Stunde anfalle. So viel, wie ein Durchschnittsmensch in seinem Leben verarbeitet. Wie superschnell muss das dafür nötige Internet wohl sein – und wann kommt es in Brandenburg?

Milliarden Euro und Normen und Standards werden gebraucht

Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, sprach von 100 Milliarden Euro Investitionen, die Deutschland für den Aufbau der digitalen Schnellstrecken bis 2025 investieren müsse. Und damit sind noch nicht alle Probleme gelöst. Fehlende Normen und Standards beklagte zum Beispiel HPI-Direktor Christoph Meinel. SAP-Technikchef Bernd Leukert sieht vor allem ein Mentalitätsproblem: „Die digitale Transformation ist keine Option“, sagte er. Jedes Unternehmen müsse sich der Veränderung stellen, sonst falle es im Wettbewerb zurück.

Deutschland ein digitales Entwicklungsland

Und hier stellte der Präsident des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft, Mario Ohoven, Deutschland ein miserables Zeugnis aus. Für ihn ist die Republik ein digitales Entwicklungsland. Während in Estland seit 2005 online gewählt werden kann, habe dies das Bundesverfassungsgericht 2009 untersagt. In Dänemark hätten die Hälfte der Internet-Nutzer Breitband von 30 Megabit pro Sekunde, in Deutschland seien es nur 25 Prozent. Noch verheerender ist offenbar die Situation in Brandenburg. Norbert Gronau, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Uni Potsdam, empfiehlt Internet- und Smartphonegestressten einen Urlaub in der Mark, da werde man von der Technologie nicht behelligt. Nur 76 von 100 Brandenburger Haushalten hätten Internet. Eine „Digitale Agenda“ für das Land forderte Gronau daher von der Politik. Doch die zögert.

Industrie 4.0 „nicht zu Lasten der Beschäftigten“

Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze (Linke) sagte, die Digitalisierung „darf nicht zu Lasten der Beschäftigten erfolgen“. Sie sorgt sich um die betriebliche Mitbestimmung. Solche Ängste werden von den Befürwortern der Industrie 4.0 gerade als Hemmnis wahrgenommen. Immerhin kommt bei den Großen die vierte industrielle Revolution an – sogar in Brandenburg. „Rolls-Royce setzt bereits Industrie-4.0-Methoden in der Entwicklung und bei der Betreuung von Triebwerken im Betrieb ein“, sagte Rainer Hönig, Geschäftsführer von Rolls-Royce Deutschland. Zumindest im Standort Dahlewitz (Teltow-Fläming) werden mittels komplexer Sensortechnik Triebwerksdaten schon über große räumliche Entfernung überwacht.

Von Rüdiger Braun

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