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Brandenburg Digital-Chef setzt auf „Tablet und Tradition“
Brandenburg Digital-Chef setzt auf „Tablet und Tradition“
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18:40 26.07.2018
Kabelbündel aus Glasfaserkabeln: Internet in Brandenburg hat noch immer viele Lücken. Quelle: dpa
Potsdam

Die rot-rote Landesregierung, die bei der Digitalisierung erst spät aufgewacht ist, will nun durchstarten, sorgt sich allerdings zunehmend, dass sie damit die Bürger überfordern könnte. Der für die Digitalisierung zuständige Staatssekretär Thomas Kralinski sagte, es gebe bei vielen Menschen im Land Befürchtungen und Sorgen, auch wegen eines möglichen Jobverlustes aufgrund des digitalen Wandels. „Wir wollen alle mitnehmen, anschließen und motivieren“, betonte er und nannte dies „Digitalisierung mit menschlichem Maß.“

Der Staatssekretär versteht darunter eine Mischung aus Bodenständigkeit, die vielen Brandenburgern wichtig sei und Modernität. „Wir brauchen Tablet und Tradition“, betonte er. Traditionsbereiche wie Kirche, Land- und Forstwirtschaft oder Schifffahrt seien kein Widerspruch zu High-Tech. Wichtig sei es aufzuzeigen, dass digitale Veränderungen immer einen wirklichen Nutzen haben sollten.

Als Beispiel für ein gelungenes Projekt nannte er die „twitternde Kiefer“ bei Eberswalde (Barnim). Dabei handelt es sich einen Baum, der mit Sensoren ausgestattet und Auskunft gibt, ob er genügend Wasser hat und wie schnell er wächst. Das seien Informationen, die für den Klimawandel wichtig seien, so Kralinski, der sich in den vergangenen drei Wochen 20 Projekte dieser Art im Land angeschaut hatte.

Er arbeitet derzeit an einer sogenannten Digitalisierungsstrategie, die im Dezember vorliegen und vom Kabinett verabschiedet werden soll. Sie soll alle Projekte bündeln – von der Telemedizin bis zum vernetzten Klassenzimmer. Etwa 100 davon soll es geben

Größtes Problem sind aber nach wie vor die vielen „weißen Flecken“: Brandenburg ist berühmt für seine Funklöcher – vor allem im ländlichen Raum. Für den Ausbau von Breitbandanschlüssen stehen in den nächsten Jahren 500 Millionen Euro bereit, davon sind 180 Millionen Euro vom Land, der Rest kommt vom Bund und den Kommunen. Allerdings mangelt es an der Umsetzung, wie Digital-Chef Kralinski einräumen musste. Das betrifft beauftragte Firmen, aber auch Kommunen. „Es könnte schneller gehen.“

Auf mehreren Ebenen will die Landesregierung den digitalen Wandel in Brandenburg vorantreiben:

Ein Digital-Beirat der Landesregierung aus neun Forschern, Gewerkschaftern und Managern, darunter der Chef des Potsdamer Hasso Plattner-Instituts, Christoph Meinel, soll bis Herbst ein Leitbild vorlegen.

Eine Digital-Agentur, die bundesweit Neuland ist, befindet sich gerade in der Gründung. Sie ist eine Landesgesellschaft, die die Landesregierung und die Kommunen unter anderem beim Ausbau des Breitband-Netzes unterstützen soll. Sie soll auch die Landesaktivitäten zum digitalen Wandel koordinieren. Sie ist angebunden an die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB). Eingeplant sind dafür jährlich rund drei Millionen Euro. Die CDU kritisiert die Pläne. Eine solche Agentur dürfe es erst geben, wenn die Regierung eine Strategie habe.

Ein E-Government-Gesetz soll die Verwaltung in den nächsten Jahren von analog auf digital umstellen. Ziel ist, dass die Aktenführung vollständig elektronisch erfolgt. Der Entwurf dafür ist heftig umstritten und wird von der Opposition abgelehnt. Insgesamt stehen für die Einrichtung des E-Aktensystems und der IT-Basiskomponenten 16 Millionen Euro zur Verfügung. Dazu kommen 20 Millionen Euro jährlich für Personal- und Sachkosten. Der Gesetzentwurf sieht zudem die Bestellung eines IT-Beauftragten vor.

Wlan-Hotspots soll es künftig im Land an öffentlich zugänglichen Stellen kostenlos geben. 1500 sollen errichtet werden. Zuständig dafür ist die neue Digital-Agentur. Die Standorte sind noch nicht festgelegt.

Von Igor Göldner

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