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Digitalisierung könnte Tausende Jobs kosten

Roboter in Brandenburg Digitalisierung könnte Tausende Jobs kosten

Die Digitalisierung wird laut einer Studie in den nächsten Jahren Zehntausende Arbeitsplätze in Brandenburg verändern – oder überflüssig machen. Zwölf Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Brandenburger arbeiten laut einer Untersuchung in Berufen mit einem „sehr hohen technischen Ersetzungspotenzial“.

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Übernehmen bald Roboter das Ruder?

Quelle: dpa

Potsdam. Roboter, vollautomatische Lager und selbstfahrende Lkw: Die Digitalisierung wird laut einer Studie in den nächsten Jahren Zehntausende Arbeitsplätze in Brandenburg verändern – oder überflüssig machen. Zwölf Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Brandenburger arbeiten in Berufen mit einem „sehr hohen technischen Ersetzungspotenzial“, heißt es in der Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) – einer Einrichtung der Arbeitsagentur. Das entspricht rund 96 000 Arbeitsplätzen, die schon nach heutigem Technikstand weitgehend durch Maschinen, Computer oder Roboter übernommen werden könnten.

Forscher warnen vor Pessimismus

Doch die Forscher warnen vor Pessimismus: „Während automatisierbare Tätigkeiten zunehmend von Robotern und Computern ausgeführt werden, werden im Strukturwandel an anderer Stelle auch neue Arbeitsplätze entstehen“, schreiben die IAB-Experten. Außerdem werde nicht jede Tätigkeit von Maschinen übernommen, obwohl das heute schon möglich wäre.

Auch Manfred Wäsche, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Potsdam, warnt vor Panikmache. „Jede industrielle Veränderung hatte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt“, sagte er. Durch die Digitalisierung würden neue Berufsbilder entstehen, deswegen werde die Weiterbildung in Zukunft einen höheren Stellenwert einnehmen. Er befürchtet jedoch, dass Brandenburger Unternehmen die digitale Agenda unterschätzen könnten. „Wir haben gerade eine Bomben-Konjunktur, die Firmen sind wahnsinnig ausgelastet. Da bleibt für strategische Überlegungen wenig Zeit“, so Wäsche.

„Die Zukunft hat begonnen“

Bernd Becking, Leiter der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, sieht die Region für den Wandel gut gerüstet, dafür sorge das Bildungs- und Ausbildungssystem. Doch auch hier müsse man sich auf die digitale Arbeitswelt besser einstellen. „Die Zukunft hat begonnen“, sagte er. „Es ist jetzt die Zeit, mit den Partnern am Ausbildungsmarkt die besonderen Herausforderungen anzupacken und gemeinsam gute Lösungen zu entwickeln.“

Knapp die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet laut IAB in Berufen, die kein oder nur ein geringes Ersetzungspotenzial haben. Wer auf dem Bau, im Handel, in der Gesundheitsbranche, in kreativen Berufen oder im Sicherheitsgewerbe tätig ist, muss sich keine ernsten Gedanken machen, dass er bald von einem Roboter ersetzt wird. Das Potenzial in diesen Branchen gilt als gering. In Fertigungsberufen – so etwa in der Holz- oder Kunststoffverarbeitung oder in der Rohstoffgewinnung– seien die Möglichkeiten für einen weitergehenden Maschineneinsatz dagegen am größten.

Große Unterschiede im Land

Regional gibt es laut der Studie große Unterschiede im Land. Demnach steht vor allem der Süden Brandenburgs vor großen Veränderungen. In Spree-Neiße ist das Automatisierungspotenzial mit 17,5 Prozent am höchsten, in Oder-Spree beträgt es 15,3 Prozent, in Oberspreewald-Lausitz 15,2 Prozent.

Die wenigsten ersetzbaren Jobs gibt es demnach in Potsdam (5,6). Das ist bundesweit sogar der niedrigste Wert. Vor größeren Veränderungen könnte dagegen die kreisfreie Stadt Brandenburg an der Havel stehen. Laut IAB-Einschätzung sind hier immerhin 14,1 Prozent der Arbeitsplätze „potenziell hochgradig automatisierbar“.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist die Zahl der theoretisch ersetzbaren Berufe in Brandenburg noch gering, was mit der Kleinteiligkeit der Wirtschaft und dem weitgehenden Fehlen von Großindustrie zusammenhängt. Das größte Automatisierungspotenzial weist mit 20,4 Prozent das Saarland auf, gefolgt von Thüringen mit 18,8 Prozent und Baden-Württemberg mit 17,4 Prozent.

Potsdam: Geringstes Roboter-Potenzial

Die Potsdamer hätten sogar im bundesweiten Vergleich bei einer Übernahme der Arbeitswelt durch Roboter und Maschinen am wenigsten zu befürchten. Das Automatisierungspotenzial liegt nur bei 5,6 Prozent. Ein Grund für die niedrige Quote sehen die Forscher in der ausgeprägten Wissenschafts- und Forschungslandschaf sowie in der IT-Dienstleistungsbranche, in der es nur wenige ersetzbare Routinearbeiten gibt. Roboter als Regisseure in Babelsberg müssen auch erst noch erfunden werden.

Brandenburg an der Havel: Viel Industrie

Brandenburg/Havel hat unter den kreisfreien Städten mit 14,1 Prozent den höchsten Anteil an Beschäftigungsverhältnissen, die hochgradig automatisierbar wären. Das erklären die Forscher mit der langjährigen Tradition von Maschinenbau- und Stahlindustrie. Vor allem die Fertigungsberufe in der Metallverarbeitung und andere fertigungstechnische Berufe könnten von Maschinen übernommen werden, heißt es.

Spree-Neiße: Größte Chance für Roboter

Spree-Neiße hat mit 17,5 Prozent das höchste Automatisierungspotenzial im Land. In dem Landkreis liege mit den angesiedelten Branchen wie Kunststoff- und Chemieindustrie, Metallbau und Maschinenbau eine „Mehrfachbelastung“ in Sachen Automatisierungspotenzial vor.

Teltow-Fläming: Risikogebiet

Teltow-Fläming, wirtschaftlicher Musterlandkreis, ist mit 15,7 Prozent (die zweithöchste Quote im Land) ebenfalls recht anfällig. Fast ein Viertel der Beschäftigten arbeitet in industriellen Berufen – so etwa in der Luftfahrtbranche (MTU, Rolls-Royce) oder im Fahrzeugbau (Daimler). Und die ansässigen Unternehmen bieten laut der IAB-Studie zahlreiche Arbeitsplätze in fertigungstechnischen Berufen, die generell viele Möglichkeiten für den Einsatz von Maschinen oder Robotern bieten. Bei Daimler in Ludwigsfelde arbeitet man bereits an der intelligenten Fabrik. Dort sind „fahrerlose Transportfahrzeuge“ unterwegs, die Monteure automatisch mit Hilfsmitteln beliefern.

Dahme-Spreewald: Spezialisten und Tourismus

Dahme-Spreewald ist für die Forscher trotz Industrie eher ein Landkreis mit geringen Automatisierungsmöglichkeiten (10,4 Prozent). Das hat mit dem hohen Anteil an Hochqualifizierten (Experten und Spezialisten) zu tun, die nicht so einfach durch Roboter ersetzt werden können. Hinzu kommt die große Bedeutung des Tourismus im Süden des Landkreises. Die in Dahme-Spreewald wie in Teltow-Fläming starke Logistikbranche gilt den Forschern als Zweig mit einem nur mittleren Automatisierungspotenzial. Bis zum menschenleeren Lager und der Auslieferung von Waren mit autonomen Drohnen ist es eben noch ein weiter Weg.

Von Torsten Gellner

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