Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Marode Bahnhöfe: Lieber rot als tot
Brandenburg Marode Bahnhöfe: Lieber rot als tot
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:33 15.11.2015
Mittlerweile eine Anlaufstelle für Dienstleistungen jeder Art: der Fläming-Bahnhof Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark). Quelle: Dirk Fröhlich
Anzeige
Potsdam

„Ein roter Bahnhof ist besser als ein toter Bahnhof.“ Wer Politikern solche Sätze ins Gesicht sagt, erntet ein Lächeln, Kopfschütteln, vielleicht auch wütende Proteste. Stephan Wilhelm hat es am Donnerstag im Potsdamer Landtag getan. Wilhelm, Chef der Agentur BahnStadt, kommentierte so das Beispiel eines Bahnhofs in der niedersächsischen Provinz, der in ein SPD-Parteibüro umgewandelt wurde. Die Aufmerksamkeit der Abgeordneten hatte der Provokateur sicher. Ein roter Bahnhof ist besser als ein toter Bahnhof. Auf dem Friedhof gibt es schon zu viele davon.

Wilhelm war Teil einer achtköpfigen, ungleichen Delegation, die am Donnerstag im Infrastrukturausschuss des Landtags auflief. Tagesordnungspunkt: Bahnhofssanierungskonzept für Brandenburg, öffentliche Anhörung. Die Redner sollen den Abgeordneten Argumente liefern, wie Land und Kommunen mit historischen, oft maroden und bisweilen auch überflüssigen Bahnhofsgebäuden umgehen sollen.

Günter Thiele redete den Abgeordneten stellvertretend für die Arbeitsgemeinschaft Lebendige Dörfer ins Gewissen: „Es geht um den Erhalt eines wertvollen Kulturguts. Wir möchten, dass das Wort -hof wieder an Wert gewinnt.“ Als ein Ort nicht nur des Hastens, sondern auch des Rastens: essen, trinken, schlafen, wirtschaften. Negativbeispiele gebe es zur Genüge, sekundierte Jonathan Metz von der Initiative Bahn in Brandenburg/Berlin 2100 (BB21). Zwar seien etwa in Prenzlau (Uckermark) vier Millionen Euro in ein „schönes Gebäude“ investiert worden – das abends jedoch regelmäßig geschlossen sei.

Umso befremdlicher findet es Dieter Doege, Landeschef des Fahrgastverbandes Pro Bahn, dass für die Anfahrt dieser meist unwirtlichen Gebäude auch noch Geld gezahlt werden muss – Steuergeld, auf abenteuerlichen Wegen: Der Bund überweist den Ländern Mittel für den Regionalverkehr. Die Länder zahlen der bundeseigenen Deutschen Bahn für jeden Zug, der deren Infrastruktur nutzt, Trassen- und Stationsgebühren. Die Renditen sind mangels anderer Netzanbieter mit mehr als 50 Prozent beträchtlich. Doege flüchtet sich in Zynismus: „Der preiswerteste Zug ist der, der nirgendwo anhält.“

Um den Bahnhof in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) machen Touristen allerdings keinen Bogen. Das Gebäude hat sieben Tage die Woche geöffnet, die Gästezimmer sind im Jahresmittel zu mehr als die Hälfte ausgelastet. Es gibt eine einladende Empfangshalle, künstlerisch gestaltet, ein Reisecenter mit Lottoannahmestelle und eine Touristeninformation. Michael Jakobs, Chef der WIS Wohnungsgesellschaft im Spreewald, die den „Spreewelten-Bahnhof“ betreibt, freut sich über eine schwarze Null in der Bilanz. Ein anderes Positivbeispiel kommt aus Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark). Dort fungiert der Bahnhof ebenfalls als Anlaufstelle für vielzählige Dienstleistungen, auch wenn es Betreiber René Hackbart schwer hat, Gewinne zu erwirtschaften, wie er den Abgeordneten berichtet.

Mussten in Bahnhöfen im 19. Jahrhundert noch etliche Bahnbeschäftigte häuslich unterkommen, sind die mitunter ausladenden Bauten wie in Wittenberge (Prignitz) zu groß, um darin lediglich Fahrkarten und Zeitungen zu verkaufen. Brandenburgs Abgeordnete müssen sich jetzt einigen, ob sie für ein Bahnhofssanierungskonzept sind, wie es die Grünen fordern. Das benachbarte Sachsen-Anhalt hat gute Erfahrungen mit einem Landesprogramm, das die Revitalisierung verschlafener Bahnhöfe zum Ziel hat. Ideen gibt es zur Genüge, wie die Agentur BahnStadt beweist – auch wenn es nicht jeden überzeugt, wenn wie in Niedersachsen ausgerechnet Parteien die öffentliche Institution Bahnhof retten.

Erbe zu verscherbeln

308 Bahnhöfe steuert die Deutsche Bahn in Brandenburg an, darunter 270 mit Gebäuden. Im Zuge der 1994 begonnen Bahnprivatisierung sind mittlerweile 190 Gebäude an private oder kommunale Investoren verkauft worden, wie Kirstin Kobs von der DB Station&Service AG im Landtag sagte. Langfristig will die Bahn lediglich 14 der verbliebenen 80 Gebäude im Eigenbetrieb belassen.

Von Bastian Pauly

Diese Sterne des französischen Restaurantführers „Guide Michelin“ sind heiß begehrt. Nun ist es amtlich: Drei Restaurants in Brandenburg dürfen sich mit ihm schmücken – eines mehr, als im Vorjahr. Neu hinzugekommen ist das „Kochzimmer“ in Beelitz. Im Vergleich zu anderen Bundesländern, hat die Mark jedoch nur wenige Top-Lokale.

12.11.2015
Brandenburg DNA-Analyse der sterblichen Überreste - Toter von Bernau ist identifiziert

Dank einer DNA-Analyse ist jetzt klar: Die sterblichen Überreste, die eine Spaziergängerin Anfang Oktober auf einem Feld bei Bernau (Barnim) gefunden hat, gehören zu einem Mann aus Berlin. Der Lokführer war seit über zwei Jahren vermisst. Aber wie kam der Mann zu Tode?

12.11.2015
Brandenburg Fall Hanna: Prozessauftakt in Berlin - Berliner bestreitet Sexualmord an Hanna

Sexualmord aus Versehen? Ein Mann verfolgt die 18-jährige Hanna, vergewaltigt und tötet sie. Sechs Monate nach der grausamen Tat in Berlin-Kaulsdorf beginnt der Prozess. Doch der mutmaßliche Sexualmörder weist alle Vorwürfe von sich.

12.11.2015
Anzeige