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Brandenburg Dörfer in Brandenburg warten auf Abrissbirne
Brandenburg Dörfer in Brandenburg warten auf Abrissbirne
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22:16 21.01.2014
Wohnungsabriss in der Kleinstadt Karstädt im Oktober 2013. Auch  in der Prignitz gibt es für die Plattenbauten keine Mieter mehr. Quelle: MAZ-Archiv
Potsdam

In Milmersdorf waren die Bagger schon da. In dem Uckermarkdorf am Kölpinsee mit 1500 Einwohnern verschwanden kürzlich auf einen Schlag 32 Wohnungen. 79.000 Euro hat die Gemeinde für den Abriss des Blocks aus DDR-Zeiten gezahlt. „Davon kamen 42.000 Euro als Zuschuss vom Land. Die Kosten bleiben also im Rahmen“, sagt Landrat Dietmar Schulze (SPD). Er hofft, dass das Beispiel Milmersdorf Schule macht – in der Uckermark wie in ganz Brandenburg. Schwindende Einwohnerzahlen und verfallende Plattenbauten machen nicht nur den Städten zu schaffen.

Als erster Landkreis hat die Uckermark systematisch den Leerstand auf dem Land dokumentiert. 300 Posten umfasst die Abrissliste, die Landrat Schulze aber lieber für sich behält, um die Menschen nicht unnötig zu verunsichern. „Wir haben das den Bürgermeistern und Amtsdirektoren versprochen“, sagt er. „Man muss das Thema behutsam angehen.“

Etwa jede zehnte Wohnung in Brandenburg steht leer. In der Uckermark ist es stellenweise jede vierte. Ohne das Programm Stadtumbau Ost würde es noch weitaus mehr ungenutzte Wohnungen geben. Mit den Fördermitteln von Bund und Land in Höhe von 450 Millionen Euro wurden seit 2002 landesweit 60000 Wohnungen abgerissen und Quartiere aufgewertet. Es profitierten jedoch nur Städte von dem Programm, weil sich dort etwa drei Viertel des Leerstands konzentrierte.

„Der Leerstand kostet viel Geld“Landrat Dietmar Schulze (SPD) über den Kampf gegen den grassierenden Leerstand in der Uckermark.MAZ: 300 Wohnungen stehen auf einer Abrissliste, die Ihr Landkreis hat anfertigen lassen. Wann rollen die Bagger an?Dietmar Schulze: Die Bagger werden nicht gleich morgen losgeschickt. Es sind noch viele Fragen zu klären. Uns war es wichtig, das Problem anzugehen. Also haben wir gesagt: Wir erfassen gemeinsam mit den Bürgermeistern und Amtsdirektoren systematisch alle leerstehenden Wohnungen.Ist Leerstand also nicht nur ein Stadt-Thema?Schulze: Natürlich nicht. Wir haben überall Neubauten aus den 60er-Jahren, als auf dem Land LPG oder VEB entstanden sind. Heute ist die Lage unübersichtlich. Manche Wohnblöcke wurden privatisiert, andere sind in kommunaler Hand. Manche sind mit Schulden belastet. Zum Teil steht jede vierte Wohnung leer.Warum ist der Rückbau so wichtig?Schulze: Wir wollen damit unsere Dörfer aufwerten und ein attraktives Wohnumfeld schaffen. Niemand mag doch zwischen leerstehenden Häuserblocks leben. Und natürlich kostet der Leerstand die Kommunen jährlich viel Geld. Oft sind die Häuser auch noch mit Schulden aus DDR-Zeiten belastet. Leider hat man die Schulden auch am Hals, wenn man die Häuser abreißt. Quelle: Bernd Settnik

Vergangenen Sommer stellte Bauminister Jörg Vogelsänger (SPD) eine Fortsetzung des Programms vor, diesmal mit dem Fokus auf kleinere Städte. Acht Millionen Euro Fördermittel fließen jetzt etwa nach Premnitz (Havelland), Wusterhausen/Dosse oder Rheinsberg (beide Ostprignitz-Ruppin). Doch für Dörfer gab und gibt es bislang kein solches Förderprogramm. Ein Unding, wie Thomas Brandt, Bürgermeister von Groß Pankow (Prignitz) findet.

„Wir werden bis 2030 weitere Tausend Einwohner verlieren“, sagt er. Momentan leben knapp 4000 Menschen in Groß Pankow. Viele Wohnblocks stehen leer. Dabei war die Gemeinde durchaus kreativ. So sollten kommunale Wohnungen in Ferienwohnungen umgewandelt werden, um sie an Investoren aus Süddeutschland zu verkaufen. „Daraus ist nichts geworden“, sagt Brandt. „Wir haben sie angepriesen wie sauer Bier. Die will keiner.“ Die ländlichen Regionen würden von der Politik im Stich gelassen, so Brandt. „Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Aber von der Landesregierung erwarten wir nichts. Das Geld wird doch da verteilt, wo die meisten Wähler sitzen“, sagt er.

„Wir haben uns dazu bekannt, nach den Städten nun auch den Gemeinden auf dem Land zu helfen“, hält Lothar Wiegand, Sprecher im Bauministerium, dagegen. Ein Förderprogramm à la „Landumbau-Ost“ wird es wohl vorerst aber nicht geben. Allerdings können die Dörfer auf Mittel aus der Europäischen Union hoffen, auf Geld aus dem Agrartopf „Eler“. „Aber die Details sind noch unklar“, so Wiegand. „Wir verhandeln gerade über die neue Förderperiode.“

MAZ-KOMMENTAR

Leeres Land
Torsten Gellner fordert ein Förderprogramm für die vielen Dörfer, die mit leerstehenden Häuserblocks zu kämpfen haben.

Wenn eine Gemeinde innerhalb der nächsten 15 Jahre fast ein Viertel seiner Einwohner verlieren wird, dann sind das äußerst düstere Aussichten. Einen düsteren Anblick werden dann auch die Dörfer bieten mit ihren leerstehenden und allmählich verfallenden Häuserblocks, die einst für die „werktätige Bevölkerung“ errichtet wurden. Deswegen ist es an der Zeit für ein Programm mit dem Arbeitstitel „Dorfumbau Ost“.

Das milliardenschwere Programm Stadtumbau Ost war ein Erfolg. Der Blick auf leerstehende Plattenbautrassen in Schwedt oder Frankfurt hat jedoch verschleiert, dass es dieses Phänomen auch auf dem Land gibt. Der Leerstand wird sich in den nächsten Jahren verstärken. Nicht nur die Jungen kehren den Dörfern den Rücken, um anderswo zu lernen und zu arbeiten. Auch Ältere zieht es inzwischen verstärkt fort, weil sie sich im Alter in der Klein stadt besser versorgt wähnen. Und weil es deprimierend ist, in einer Umgebung zu wohnen, wo bald jede vierte Wohnung verwaist ist und Vandalismus und Verwahrlosung drohen.

Egal ob das Land, der Bund oder die Europäische Union die nötigen Abrissaktionen kofinanziert: Ohne ein Förderprogramm wird sich dieses Problem kaum lösen lassen. Die Gemeinden brauchen Hilfe. Sonst droht Brandenburg eine Zukunft als leeres Land.

Von Torsten Gellner

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