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Brandenburg Prozessbeginn im Doppelmord: Zeugen sollten beseitigt werden
Brandenburg Prozessbeginn im Doppelmord: Zeugen sollten beseitigt werden
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08:43 17.10.2018
Der Hauptangeklagte Bodo K. (r.) und der mutmaßliche zweite Mörder Kevin M. (3.v.r.) beim Prozessauftakt vor dem Potsdamer Landgericht. Quelle: dpa
Rathenow

Eines der kaltblütigsten Verbrechen der vergangenen Jahre in Brandenburg wird seit Donnerstag am Potsdamer Landgericht gerichtlich aufgearbeitet: Zwei ehemals wohnungslose Männer aus Rathenow (Havelland) müssen sich für den gewaltsame Tod einer 36 Jahre alten Frau und ihres 34 Jahre alten Lebensgefährten in Rathenow am 13. Januar dieses Jahres verantworten.

Die Leichen waren von der Feuerwehr in der verrußten Wohnung des Paares aufgefunden worden. Schnell stellte sich heraus: Sie sind vor dem Brand gefoltert und schwer verletzt worden.

Opfer des Doppelmords „wussten zu viel“

Die Frau musste laut Anklage sterben, weil sie den Angeklagten Bodo K. (53) wegen mehrfacher Vergewaltigung bei der Polizei angezeigt hatte und diese Anschuldigung nicht zurücknehmen wollte. Ihr Lebensgefährte – ein Mitarbeiter des Online-Händlers Amazon – wurde ermordet, weil er als Zeuge des Mordes an seiner Freundin war, so die Anklage. Die Toten hinterlassen laut Gericht jeweils zwei Kinder. Familienmitglieder treten in dem Prozess als Nebenkläger auf.

In der Rathenower Goethestraße 50 lagen die beiden Mordopfer in einer ausgebrannten Wohnung. Quelle: Kay Harzmann

Der zweite Angeklagte Kevin M. (29), ein massiger Riese mit kurzem Vollbart, der den Übergang vom Gesicht zum Hals markieren soll, hat laut Anklage seinem Bekannten Bodo K. beim Doppelmord in der Wohnung des Paares geholfen.

Unfassbar grausame Details im Doppelmord-Prozess von Rathenow

Staatsanwalt Peter Petersen las die unfassbar grausamen Details sowohl der Vergewaltigungen als auch der eigentlichen Bluttat vor und sprach von einer „gefühllosen, unbarmherzigen Gesinnung“ der Angeklagten.

Die Familie der Toten folgte der Anklageverlesung mit versteinerten Mienen und Entsetzen im Blick. Klar wurde: Das Paar wurde massiv mit Schlägen, Stichen und Tritten misshandelt und gewürgt. Zur symbolischen „Bestrafung“ des aussagewilligen Vergewaltigungsopfers soll Bodo K. der Frau mit einem Stock auf den blanken Po gedroschen haben.

Gestorben sind die Misshandelten aber trotz der Schwere ihrer Wunden an Rauchgasvergiftung. Sie hätten nicht einmal fliehen können, denn die Täter hatten sie gefesselt und geknebelt.

Beim Einzug in den Gerichtssaal noch hatten sich die beiden Angeklagten mit Aktenordnern vor den Kameras geschützt. An Füßen und Händen trugen sie Fesseln. Ansonsten saßen sie äußerlich ungerührt auf der Anklagebank und hörten die Vorwürfe des Staatsanwalts an.

Vergewaltigt unter Waffendrohung

Dessen Worten zufolge hatte Bodo K., ein rotgesichtiger Mann mit Bauch und schütteren kurzen Locken, die Rathenowerin in den Tagen vor dem Mord mindestens zweimal zu Hause aufgesucht. Er habe ihre Wohnungstür aufgebrochen und sie teils unter Waffendrohung vergewaltigt.

Den Plan, die Frau und ihren Lebensgefährten zu töten, hätten die Männer gemeinsam gefasst, so der Staatsanwalt. Indem sie ein Sofa anzündeten, wollten sie sämtliche Spuren am Tatort beseitigen. Das allerdings schlug fehl. Nach Auswertung von Handy-Daten und Zeugenhinweisen fasste die Polizei den mutmaßlichen Vergewaltiger und Haupttäter Bodo K. rasch, Kevin M.tauchte für gut zwei Wochen unter.

Seit Festnahme ist Bodo K. in Psychiatrie

Nach seiner Festnahme wurde Bodo K. in einer Nervenklinik untergebracht, wo er sich heute noch befindet. Laut Staatsanwalt Petersen ist eine „verminderte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen“. Das könnte ihm eine lebenslange Haftstrafe ersparen.

Welche psychische Beeinträchtigung bestehen könnte, ist unklar. Richter Theodor Horstkötter sprach den in eine blaue Trainingsjacke gekleideten Bodo K. auffallend langsam und direkt an: „Sie hören mir zu?“ Nach MAZ-Informationen hatte im Vorfeld des Prozesses im Raum gestanden, gegen den Mann nur ein Sicherungsverfahren zu führen. An dessen Ende könnte statt einer strafrechtlichen Verurteilung eine Einweisung in die geschlossene Psychiatrie stehen.

Doppelmord war eine Milieu-Tat

Jedoch hatte die Staatsanwaltschaft sich dann doch zu einer regulären Anklage durchgerungen – Ausgang ungewiss. Als psychiatrischer Gutachter wird der bekannte Forensiker Matthias Lammel gehört werden. Zunächst sind 18 Prozesstage angesetzt.

Die Rathenower Tat hat sich, so wurde am Rande der Verhandlung klar, in einem von Verwahrlosung geprägten Milieu abgespielt. Tatort war ein heruntergekommener Altbau im Rathenower Stadtzentrum. Täter und Opfer waren offenbar miteinander bekannt.

Von einer erschreckenden Abwesenheit menschlichen Mitgefühls sprach Nebenklage-Vertreter Peter-Michael Diestel. Der getötete junge Vater sei aber ein „anständiger geradliniger Junge“ gewesen.

Von Ulrich Wangemann

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