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Brandenburg Alle Eltern sollen Besuch vom Jugendamt erhalten
Brandenburg Alle Eltern sollen Besuch vom Jugendamt erhalten
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17:26 25.10.2018
Junge Eltern sollen künftig einen Beratungsbesuch vom Jugendamt erhalten. Quelle: Imago
Potsdam

Der Plan von Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) für einen landesweiten Babybegrüßungsdienst stößt beim Deutschen Kinderschutzbund auf ein positives Echo. Präsident Heinz Hilgers sagte der MAZ: „Wir sollten nicht warten, bis die Familien, die Hilfe brauchen, zu den Jugendämtern kommen. Wir sollten auf sie zugehen.“ Der Besuch der Behördenmitarbeiter bei jungen Eltern sei kein Kontrollbesuch. „Es geht darum, Hilfsbereitschaft und Wertschätzung zu demonstrieren. Das nehmen die Menschen gerne an.“

Wichtig sei, dass das Jugend- oder Sozialamt nicht als „Eingriffsbehörde“ wahrgenommen werde, betonte Hilgers. Er hatte in seiner Zeit als Bürgermeister der nordrhein-westälischen Stadt Dormagen ein bundesweit einmaliges Präventionsprojekt ins Leben gerufen (siehe Kasten), das Karawanskij nun aufgreifen will. Das „Dormagener Modell“ wurde seitdem von mehreren Städten übernommen.

Einige Babybegrüßungsdienste gibt es bereits

. Karawanskij hatte sich im Interview mit der MAZ für ein solches Pilotprojekt mit den Kommunen im Kampf gegen Kinderarmut und Vernachlässigung ausgesprochen. „Dazu gehört auch, dass jede Familie nach der Geburt eines Kindes von einer Sozialarbeiterin besucht wird“, hatte sie gesagt. Ein genaues Konzept zu einem flächendeckenden Babybegrüßungsdienst steht laut Ministerium allerdings noch aus.

Doch es gibt bereits Landkreise und Städte, die ein solches Programm erfolgreich durchführen. Dazu gehören die Babywillkommensdienste von Märkisch-Oderland und der Stadt Beelitz (Potsdam-Mittelmark). Auch Potsdam bietet seit 2007 einen Babybegrüßungsdienst für junge Familien an, der in der kinderreichen Stadt so gut angenommen wird, dass sich das kleine Team aus zwei Sozialarbeiterinnen und fünf Honorarkräften momentan auf Besuche bei den erstgeborenen Kindern beschränken muss. In den 60-minütigen Gesprächen in ihrem Zuhause können sich Potsdamer Eltern dann kurz nach der Geburt über Themen wie Impfschutz, Frühuntersuchungen, Kita-Betreuung, finanzielle Hilfsangebote und Zahngesundheit in ihrer Stadt informieren.

Eltern können auch ablehnen

„Unsere Mitarbeiter stehen aber nicht einfach eines Tages vor der Tür der jungen Eltern“, sagt Andrea Dorschner, Arbeitsgruppenleiterin für kommunale Gesundheitsförderung in der Stadt Potsdam. Stattdessen werden die Besuche angekündigt und Termine vorgeschlagen. Eltern können den Besuch auch ablehnen.Die Besuche beginnen, wenn die Säuglinge etwa zehn bis zwölf Wochen alt sind. „Dann ist die erste Panik weg und die Eltern haben ein Ohr für die Sachen, die wir mitbringen.“

Unter anderem bekommen die Erziehungsberechtigten eine Tasche mit allen relevanten Informationen rund um das Thema junge Familie, einem Baby-Kalender und einem kleinen Geschenk für die Kinder. Die Besuche würden von den Müttern und Vätern gut angenommen. „Und für uns ist es eine Möglichkeit, schnell und unkompliziert mit den Eltern ins Gespräch zu kommen“, sagt Dorschner.

Kein Generalverdacht gegen Eltern

Dass Familien durch die Amtsbesuche unter Generalverdacht gestellt würden, wie Kritiker behaupten, weist Dorschner entschieden zurück. „Wir wollen nichts kontrollieren und es handelt sich um ein freiwilliges Angebot für die Familien.“ Denn oft stünden junge Eltern in den ersten aufregenden Wochen vor der Geburt vor denselben Problemen.

An diesen Gedanken knüpft auch das Netzwerk Gesunde Kinder an, das ans Brandenburger Bildungsministerium angebunden ist und Schwangere und Familien mit Kindern im Alter von bis zu drei Jahren unterstützt. Zurzeit begleiten rund 1100 Familienpatinnen und -paten ehrenamtlich knapp 4500 Kinder im Land Brandenburg. Sie besuchen die Eltern und Kinder durchschnittlich zehn Mal. Die Termine orientieren sich laut Ministerium an den sogenannten U-Untersuchungen, also die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt.

Kinderschutzbund: „Das rechnet sich“

Kinderschutzbundpräsident Hilgers betonte, dass sich in Dormagen die Unterstützung nicht auf frisch gebackene Eltern beschränke. Dort seien auch Lehrer angehalten, Familien zu besuchen, deren Kinder demnächst eingeschult werden. „Wir haben eine Präventionskette aufgebaut“, erklärt Hilgers. „Das rechnet sich.“ So sei die Zahl der Inobhutnahmen von Kindern durch das Jugendamt drastisch zurückgegangen. „Wir haben eine der günstigsten Jugendhilfen in ganz Deutschland“, sagt er. „Nur reiche Städte können es sich leisten, auf Prävention zu verzichten.“

Von Diana Bade und Torsten Gellner

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