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Dramatische Geschichten der Flüchtlinge

Kirchenjugend besucht Flüchtlinge Dramatische Geschichten der Flüchtlinge

Die Seele ist verwundet – Ephrem ist Flüchtling. Was er in der Sahara gesehen hat, ist dramatisch. Als er seine Geschichte erzählt, bricht ihm die Stimme weg. Jugendliche des Kirchensprengels Blankenfelde hören ihm zu, mitten im Übergangswohnheim Großbeeren. Dort bereiten sie gemeinsam einen Gottesdienst zum Thema „Flucht“ vor.

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Malte (l.) aus Dabendorf diskutiert mit den pakistanischen Flüchtlingen in Großbeeren.

Quelle: Foto: Andrea Von Fournier

Großbeeren. „Die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer sind schlimm. Aber sie sind nichts gegen das, was ich in der Sahara gesehen habe.“ An dieser Stelle bricht Ephrem die Stimme und die deutschen Jugendlichen am Tisch sind mucksmäuschenstill. Oumer Ephrem aus Eritrea hat die Wüste durchquert und ist angekommen in Deutschland, unversehrt am Körper, doch mit wunder Seele. Er schreibt an einem Buch über seine Flucht, muss die hinter ihm liegenden Ereignisse verarbeiten und will, dass alle Welt davon erfährt.

Der Afrikaner ist nur wenig älter als die Jugendlichen des Pfarrsprengels Blankenfelde, die sich in dieser Woche im Übergangswohnheim für Flüchtlinge in Großbeeren (Teltow-Fläming) ein Bild vom Alltag in dem Heim machen wollten. 14 Schüler aus Blankenfelde, Mahlow, Diedersdorf, Dabendorf und Ludwigsfelde bereiten gemeinsam mit sechs jungen Männern aus Pakistan, Eritrea und Syrien einen Gottesdienst zum Thema „Flucht“ vor.

Die Geschichten der Flüchtlinge

Die Idee dazu hatte Karsten Weyer (45), evangelischer Pfarrer in Diedersdorf, bereits im Frühjahr. „Damals wühlten uns Bilder der Flüchtlingsboote im Mittelmeer auf. Dass die Situation noch schlimmer werden würde, wussten wir nicht – umso wichtiger ist das Projekt der Jugendlichen“, sagt Weyer. Zwei Tage verbringen sie im Diedersdorfer Gemeindehaus, sprechen mit Flüchtlingen, schreiben deren Geschichten nieder, erarbeiten ein Musikprogramm und den Ablauf des Gottesdienstes. Den wollen sie mit christlichen und muslimischen Flüchtlingen gemeinsam gestalten.

Um einen ersten Eindruck zu bekommen, wurde das Treffen im Übergangsheim Großbeeren organisiert. Barbara Matthies von der dortigen Kirchengemeinde engagiert sich seit dem Bestehen des Heimes Ende 2014 ehrenamtlich für die Flüchtlinge, ist Ansprechpartnerin, Verbindungsfrau zu Behörden, gibt Gitarrenkurse. Von ihr erfahren die Jugendlichen, dass die 92 männlichen Flüchtlinge aus Eritrea, Kamerun, Syrien und Pakistan kommen.

Der Ort ist hilfsbereit

Es gibt viel Hilfsbereitschaft im Ort, und für Neuankömmlinge beginnen, anders als in den meisten Heimen, Deutschkurse sofort. Nachdem sich einige Flüchtlinge auf Deutsch oder Englisch vorgestellt haben, können die Jugendlichen Fragen loswerden. „Was tun Sie den ganzen Tag über?“, interessiert viele. Aber auch, wie ihre Asylverfahren laufen, wie viel Geld sie bekommen und wie sie sich in dem Heim fühlen.

Klar sei Langeweile ein Thema. Doch sie wollen lernen und in Deutschland eine Lebensperspektive bekommen. Alle jungen Asylanten loben die Großbeerener Einrichtung. Hier gebe es mehr Platz in den Zimmern, in denen sie zu dritt leben, als in Eisenhüttenstadt und Schönefeld. Auf jeder Etage eine Gemeinschaftsküche, einen Fernseher und Duschen. Und Internet, das wichtig sei, um mit der Familie in der Heimat Kontakt zu halten. An einem Abend nutzen sie die Turnhalle, musizieren und bearbeiten den kleinen Gemüsegarten, der mit Unterstützung des Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau und Ehrenamtlichen entstanden sei.

Flüchtlinge kommen auf engem Raum gut miteinander aus

Von weniger als 400 Euro verpflegen sich die Flüchtlinge, kaufen Kleidung, Telefonkarten und das verbilligte Nahverkehrsticket. Firas, ein Syrer, führt die Jugendlichen durchs Haus. Jasmin ist beeindruckt, dass die Männer trotz der engen Räume miteinander auskommen. „So lange ohne ihre Familien und ohne Privatsphäre, das muss schwer sein“, meint Hanna. Malte entsetzt die Bürokratie der Behörden.

Ein gutes Gefühl stellte sich bei allen ein, als Barbara Matthies vom „Flüchtlinge-Willkommen“-Fest berichtet, das gerade gefeiert wurde. Über 200 Besucher waren da, gemeinsam wurde gekocht, gegessen, gesungen und geredet. Vor dem Abschied der Jugendlichen bedankten sich Flüchtlinge für deren Besuch und Interesse. Die Schüler nahmen bewegende Eindrücke aus Großbeeren mit. Sie sind auf die vereinbarten Gespräche mit den sechs Flüchtlingen gespannt und werden einen ungewöhnlichen und berührenden Gottesdienst vorbereiten, da sind sie sich mit Pfarrer Weyer einig.

Info: Die Jugendgottesdienste werden am Sonntag um 9.30 Uhr in der Dorfkirche Dahlewitz und um 11 Uhr in der Dorfkirche Diedersdorf gefeiert.

Von Andrea von Fournier

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