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Dramen an den Maisfeldern im Herbst

Jagdunfälle in Brandenburg Dramen an den Maisfeldern im Herbst

Der Unfall in Paulinenaue bei dem ein Jäger an einem Maisfeld in eine Häckselmaschine gezogen wurde, wirft Fragen auf: Was hatte der 81-Jährige mit einem Gewehr bei den Erntearbeiten zu suchen? Einfache Antwort: Jäger warten dort auf Wildschweine. Ein Umstand, der schon oft für tödliche Verwechslungen gesorgt hat – einer der tragischstes Fälle ist keine vier Wochen her.

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Tragischer Unfall an einem Maisfeld in Paulinenaue.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Am Montagnachmittag ist ein Jäger verletzt worden, weil er sich in unmittelbarer Nähe eines Maisfeldes befand, das zu diesem Zeitpunkt abgeerntet wurde. Der 81-jährige Mann hatte sich nahe am Feld postiert, um auf fliehende Wildschweine zu warten. Die Nähe zum Feld wurde ihm zum Verhängnis, denn ein Erntehelfer übersah den Mann und der Jäger wurde in das Häckselwerk des Mähdreschers gezogen.

Dass der Mann sich während der Erntearbeiten am Feld aufgehalten hat, ist kein Zufall. Wildschweine nutzen die Maisfelder mehrere Monate als Lebensraum - die Felder bieten Nahrung und Deckung gleichermaßen, heißt es seitens des Deutschen Jagdverbands. Doch die Wildschweine, sie gehören zu den Schalentieren, hinterlassen zumeist große Verwüstung. Im Bundesjagdgesetz steht: „Wird ein Grundstück, das zu einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk gehört oder einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk angegliedert ist (§ 5 Abs. 1), durch Schalenwild, Wildkaninchen oder Fasanen beschädigt, so hat die Jagdgenossenschaft dem Geschädigten den Wildschaden zu ersetzen.“ Der Schaden kann in die Zehntausende gehen. Grund genug, dem Treiben der Schweine ein Ende zu setzen.

Wenn im Oktober und November dann die Erntemaschinen an rollen und die Rotten aus den Feldern vertreiben, schlägt die Stunde der Jäger – und so manche letzte Stunde eines Wildschweines. Dass dies nicht ganz ohne Unfälle geschieht, ist naheliegend. Manches Mal kommt es, neben Unfällen mit Keilern oder Maschinen, auch zu tragischen bzw. tödlichen Schussverletzungen – und nicht immer sind davon nur Jäger betroffen.

Jagdunfälle in der Vergangenheit

Im Juli 2003 hat ein Jäger hat in einem Wald bei Calau (Oberspreewald-Lausitz) irrtümlich einen Kameraden erschossen. Der Vorfall ereignete sich in der Nacht während einer Ansitzjagd. Ein 41-jähriger Jäger streifte durch ein Maisfeld, während ein 48-jähriger Jäger erlegtes Wild aufbrach. Bei seiner Rückkehr hörte der 41-Jährige Geräusche und nahm an, Wild vor sich zu haben. Er drückte ab und verletzte seinen Kameraden so schwer, dass dieser im Krankenhaus starb.

Nur knapp einen Monat später machte ein 58-jähriger Jäger in Sieversdorf (Ostprignitz-Ruppin) einen tragischen Fehler. Der Mann hatte eine junge Frau angeschossen, die sich während einer Jagd in einem Maisfeld aufhielt. Der 58-Jährigen hielt die 25-Jährige vermutlich für Wildschwein, krümmte den Finger und drückte ab. Die Frau wurde mit schweren Gefäß- und Hüftverletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Sie fand später nur mühsam wieder in ihren Alltag zurück.

Im August 2003 wurde in Sieversdorf eine Frau angeschossen

Im August 2003 wurde in Sieversdorf eine Frau angeschossen.

Quelle: MAZ-Archiv

Rund zwei Jahre später passierte in Bergsdorf (Oberhavel) ein ähnlicher Unfall. Bei einer Bewegungsjagd im September 2005 trieben drei Jäger das Wild durch ein Maisfeld, zwei weitere standen schussbereit vor dem Feld. Als schließlich ein Schwein aus dem Feld lief, versuchten die Männer es zu erlegen. Sie reagierten aber zu langsam und das Tier rettete sich ins Feld zurück. Ein 71-Jähriger schoss dabei in Richtung des Tieres und traf einen treibenden 39-jährigen Jagdfreund am Oberschenkel. Der Geschädigte erlitt einen Durchschuss und wurde mit nicht lebensbedrohlichen Verletzungen ins Granseer Krankenhaus eingeliefert.

Vier Jahre jünger als der angeschossene Mann in Bergsdorf war der Jäger, der im September 2006 zwischen Werenzhain und Doberlug-Kirchhain im Landkreis Elbe-Elster von einer Kugel getroffen wurde. Der Mann war in einem Maisfeld unterwegs, als ihn ein Projektil aus einem Jagdgewehr ins Bein traf. Der Mann musste ebenfalls in ein Krankenhaus gebracht werden. Gegen zwei Jäger wurde damals wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt.

Doch manchmal geht auch die direkte Konfrontation zwischen Tier und Mensch anders als gedacht aus. Im Oktober 2008 schoss ein 44-jähriger Jäger in Linthe (Potsdam-Mittelmark) auf ein fliehendes Wildschwein, tötete es aber nicht gleich, sondern verletzte das Tier lediglich schwer.

Zusammen mit einem 71-jährigen Jagdfreund und dessen Hund machte er sich auf die Suche nach dem angeschossenen Keiler. Kaum ins Maisfeld eingetreten, griff der Wildschwein an. Der 44-Jährige wurde dabei leicht verletzt. Das sterbende Tier drehte ab, floh jedoch nicht, sondern griff auch den Begleiter an. Der Mann wurde schwer an der Hüfte verletzt und verstarb wenig später im Krankenhaus.

Ein äußerst tragischer Unfall ereignete sich vor gar nicht allzu langer Zeit: Statt eines Wildschweins „erlegte“ ein Jäger einen Mann. Die Kugel trifft auch eine Frau, die schwer verletzt wird. Bei dieser Tragödie am 9. September bei Nauen (Havelland) handelt es sich offenbar um ein tödliches Versehen. Jagdverband und Anwohner sind tief betroffen. Später stellte sich heraus: Das Pärchen hatte für ein romantisches Treffen in dem Maisfeld niedergelassen hat,

Achtung Autofahrer

Viele fliehende Wildtiere machen keinen Halt vor Straßen. Daher sollten auch Autofahrer in diesen Monaten besonders vorsichtig an Maisfeldern entlangfahren.

Von MAZonline

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