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Dreifach-Tötung: Gericht ließ Täter zweimal laufen

Müllrose Dreifach-Tötung: Gericht ließ Täter zweimal laufen

Harte Kritik an der Brandenburger Justiz – der 24-jährige Jan G., der in Müllrose drei Menschen getötet haben soll, ist gleich zweimal von Gerichten laufen gelassen worden. „Versagen“ – nennt das ein CDU-Politiker. Nach MAZ-Recherchen hat sich G. einiges zu Schulden kommen lassen.

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An dieser Landstraße sind zwei Polizisten ums Leben gekommen.ö

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Die Opposition kritisiert die Brandenburger Justiz im Fall der dreifachen Tötung von Müllrose und Beeskow (Oder-Spree). Von „Versagen“ spricht das CDU-Innenausschuss-Mitglied Sven Petke via Twitter. Der rechtspolitische Sprecher der Union, Danny Eichelbaum, sagte am Mittwoch, es stelle sich die Frage, „ob die schrecklichen Ereignisse hätten verhindert werden können“. Die Justiz müsse „sich selbstkritisch hinterfragen“.

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Mann (24) tötet Großmutter und zwei Polizisten unter Drogen

Nach MAZ-Recherchen ist der 24 Jahre alte Mann, der am Dienstag in Müllrose (Oder-Spree) seine Großmutter erstochen und auf der Flucht zwei Polizisten überfahren und getötet hat, gleich zweimal vom Landgericht Frankfurt (Oder) vor der geschlossenen Psychiatrie bewahrt worden. Wie das Gericht auf Nachfrage bestätigte, hat es wenige Wochen vor der Bluttat über einen Widerruf der Bewährung beraten, von der Jan G. seit einer Verurteilung im November 2016 profitierte. Anlass der Anhörung: Der an Schizophrenie leidende junge Mann hatte kurz nach dem Urteil eindeutig gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen. So hielten Polizisten in Oberfranken am 8. Dezember 2016 Jan G. im Rahmen einer Verkehrskontrolle an. Er war in einem zur Fahndung ausgeschriebenen Auto unterwegs und hatte Amphetamin im Blut. Bei der Blutprobe wurde der Brandenburger so aggressiv, dass die bayerische Polizei ihn festnehmen ließ und das Amtsgericht Bayreuth ihn am 9. Dezember in die geschlossene Psychiatrie überwies.

Allerdings ordnete dasselbe Gericht auch seine Entlassung zum 5. Januar an. Das Landgericht Frankfurt (Oder) beriet am 13. Februar über den Fall. Anwesend waren Jan G. und sein Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft sei ebenfalls angehört worden, sagte Gerichtssprecherin Ina Mörke. Ergebnis der Unterredung: Jan G. blieb frei.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hatte Jan G. Ende 2016 als „tickende Zeitbombe“ bezeichnet und die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie gefordert. Auf Basis eines psychiatrischen Gutachtens befand das Gericht den Mann für nicht schuldfähig, da psychisch krank, hielt eine Therapie in Freiheit aber für möglich.

So können Sie für die Hinterbliebenen spenden

Für die Hinterbliebenen der Todesfahrt von Müllrose ist ein Spendenkonto eingerichtet worden. Der Fonds ist benannt nach dem Brandenburger Polizisten Martin Heinze, der im August 1995 auf Zivilstreife von einem Einbrecher erstochen worden war.

Empfänger: Martin-Heinze-Fonds

IBAN: DE97 1705 4040 3000 6499 20

Verwendungszweck: Spende Hinterbliebene (und Absenderangaben für die Spendenbescheinigung)

Jan G. war 2016 wegen Bedrohung, Raubes, Körperverletzung und Fahrens ohne Führerschein verurteilt worden. 2009 hatte er in Berlin einem Trinkkumpanen in den Hals gestochen – eine Notoperation rettete dem jungen Mann das Leben. Jugendstrafe: Zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Wie gefährlich der junge Mann war, ahnte wohl seine Großmutter. Nach der Entlassung aus der bayerischen Psychiatrie nahm sie den Enkel in ihrem Haus in Müllrose auf. Ihr müssen aber Zweifel gekommen sein. Zwischenzeitlich sagte sie nach Angaben von Ermittlern gegenüber Bewährungshelfern, sie wolle ihn doch nicht in ihr Haus aufnehmen. Am Tag ihres Geburtstags erstach sie der junge Mann.

Wie am Donnerstag bekannt wurde, soll Jan G., der jetzt in der Psychiatrie sitzt, nochmals komplett psychiatrisch begutachtet werden.

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In Müllrose (Oder-Spree) ereignet sich am 28. Februar 2017 ein schreckliches Verbrechen. Dort ersticht der 24-jährige Jan G. zunächst seine Großmutter. Dann flieht er und überfährt auf der Flucht zwei Polizisten an einer Straßensperre in Beeskow, Ortsteil Oegeln.

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Von Ulrich Wangemann

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